Eine „Schlaraffenwelt“ für Kochliebhaber

Autor David Seitz beschäftigt sich in seinem Blog „Schlaraffenwelt“ mit der Liebe zum Kochen und dem richtigen Umgang mit Fleisch.

David Seitz am Grill

Fotos: David Seitz

David Seitz ist Autor und Videojournalist, betreibt den Blog „Schlaraffenwelt“ und verbindet durch diesen den Beruf mit seiner Leidenschaft, dem Kochen. Eines der Kernthemen seines Blogs ist das Thema Fleisch. Neben Rezepten und Beiträgen zu seinen kulinarischen Reisen gibt David Seitz auch Koch-Tipps und Empfehlungen zum perfekten Garen von Fleisch. Dabei macht er auf „Schlaraffenwelt“ den Genuss an Lebensmitteln und die Freude an der Zubereitung erfahrbar.

Doch sein Blog ist noch viel mehr. David Seitz erlebt seine Zutaten. Er hat seine Kindheit in der Natur und im Wald verbracht und sich Wissen über Pilze und Wildkräuter angeeignet. Diese nutzt er, selbst gesammelt, bei der Entwicklung seiner Rezepte. Zu Wildfleisch hat er den gleichen engen Bezug: „mehr Qualität und mehr Tierwohl geht nicht – es ist die Krönung des Fleischs.“ Einen großen Teil seines Blogs nimmt daher der richtige Umgang mit Fleisch ein.

Seine Inspirationen holt er sich mit einem einfachen Mittel: er geht mit offenen Augen durch die Welt. Dabei findet er Menschen, Produkte, Geschichten, die ihn faszinieren. So auch Jäger Fabian Grimm und seinen Blog „Haut goût“ (wir berichteten). „Das frisch erlegte Reh mit dem frisch gepflückten Bärlauch bei ihm zu essen, war für mich eine der prägendsten kulinarischen Erfahrungen der letzten Jahre“, erzählt David Seitz. Wichtig ist ihm bei seinen Beiträgen vor allem eins: Nicht zu bloggen, um gebloggt zu haben, sondern weil er etwas zu erzählen hat. Und das merkt man seinen Artikeln an.

Welche Verbindung er zur Natur hat, welche Tipps er für ein leckeres Wildgericht gibt und wie er zu der Forderung „wer Fleisch isst, sollte das Tier selbst erlegt haben“ steht, das hat David Seitz im Interview mit Outfox-World verraten.

Wildkräuter

David, Sie arbeiten als Autor und Videojournalist, die Welt des Schreibens liegt Ihnen also nicht fern, wie kamen Sie dabei zum Thema Kochen? Und welche Einflüsse gab es für Sie Ihre Leidenschaft fürs Kochen zu entwickeln?

Geschichten zu erzählen, war schon immer mein Beruf, ob als Text oder Film. Angefangen habe ich als Autor bei einer Lokalzeitung und die Themen waren da oft sehr langweilig. Immer nur über Schützenvereinsjubiläum und Jahreskonzert der Blaskapelle zu schreiben, hat mir damals nicht gereicht. Also habe ich einen Blog gestartet und begonnen über Kochen und Genuss zu schreiben, denn dieses Thema hat mich total angefixt.

Wann und wie gestaltete sich die Idee zu Ihrem Blog? Und wie waren die ersten Gehversuche?

Das war mit Anfang 20, ich war zu Hause ausgezogen und musste mich plötzlich selbst ernähren, richtig kochen konnte ich nicht. Ich stellte damals aber fest, dass mir die täglichen Mahlzeiten und der Genuss beim Essen so wichtig sind, dass ich unbedingt lernen wollte, richtig gut zu kochen. Und so begann ich mich mit dem Thema zu beschäftigen und habe meine Entwicklung gewissermaßen im Blog begleitet. Mittlerweile kann ich kochen – ungebrochen ist der Drang, Gerichte perfekt kochen zu wollen und dem Geheimnis hinter gutem Geschmack auf den Grund zu gehen. Ich nenne meine Artikel oft „Das perfekte XY“. Das ist in diesem Fall aber kein ClickBaiting, sondern der ernst gemeinte Versuch, mit kleinen Tricks das Optimum aus einem Gericht herauszukitzeln.

Ihr Blog hat mittlerweile eine beachtliche Reichweite. Wann haben Sie gemerkt, dass Leser sich vermehrt für Ihre Beiträge interessieren?

Witzigerweise kann ich mich noch genau erinnern: Das war während eines Skiurlaubs in Davos. Ich schaute abends in mein Analytics-Tool und hatte plötzlich meine Google-Zugriffe über Nacht verdreifacht. Bis dahin hatte ich vornehmlich für mich und Bekannte gebloggt, doch Google muss irgendeine Form von Relevanz in den Inhalten entdeckt haben. So kamen plötzlich viele Nutzer durch eine Suchanfrage auf Schlaraffenwelt, die mir als Leser bis heute erhalten geblieben sind. Und diese Leserschaft wächst seit damals fast exponentiell.

„Ich blogge nicht, um gebloggt zu haben, sondern weil ich etwas zu erzählen habe.“

David Seitz

Wie viel Zeit nimmt Ihr Blog in Anspruch? Wie lässt sich die Arbeit mit Ihrem eigentlichen Beruf verbinden?

Das variiert zwischen 3 Stunden und 3 Tagen pro Woche. Ich habe keine festgelegte Frequenz und poste auch mal zwei Wochen gar nichts. Ich blogge nicht, um gebloggt zu haben, sondern weil ich etwas zu erzählen habe. Natürlich kommen durch die Reichweite immer häufiger Kooperationen zustande, bei denen ich dann im Auftrag eines Kunden Rezepte entwickle, Videos drehe oder eine Geschichte schreibe. Immer mit dem Anspruch, einen Mehrwert für den Leser zu bieten und zu unterhalten. Dadurch ist das Bloggen Teil meines Berufs geworden. Ich drehe Videos, fotografiere und schreibe Geschichten. So wie bei allen anderen „normalen“ Jobs auch.

Wie kommen Sie an Ihre Ideen, woher holen Sie sich Ihre Inspirationen?

Ich gehe mit offenen Augen durch die Welt. Alles was mich fasziniert, ist eine potenzielle Story. Das kann ein Mensch, ein Produkt, eine Philosophie, ein Rezept oder ein Unternehmen sein. Ich höre auf mein Bauchgefühl und das liegt oft richtig. Bestes Beispiel: Mein Portrait über Fabian Grimm. Als ich auf seinen Blog gestoßen bin, dachte ich sofort: Was für ein cooler Typ, was für eine tolle Geschichte. Ich habe sie als Video umgesetzt und 120.000 Menschen haben sich das Video angeschaut. Was mich begeistert, kann auch andere begeistern. Die Kunst ist es, die Faszination, die man selbst spürt, in Worte und Bilder zu übersetzen.

„Die Faszination, Lebensmittel aus der Natur zu beziehen, hat mich bis heute nicht losgelassen.“

David Seitz

David Seitz probiert Wildkraut

Trotz Süßgräser-Allergie befinden Sie sich oft in der Natur und sammeln für Ihre Gerichte Zutaten wie Wildkräuter und Pilze. Woher beziehen Sie Ihr Wissen zu den gesammelten Zutaten und wie viel Zeit verbringen Sie für die Suche? Gibt es spezielle Jahreszeiten, zu denen Sie unterwegs sind?

Ich bin im Schwarzwald aufgewachsen und habe als Kind nahezu jedes Wochenende im Wald und in der Natur verbracht. Pilze sammeln, Blätter bestimmen, Tiere beobachten. Als Kind saugt man dieses Wissen auf, das musste ich also nie „lernen“. Die Faszination, Lebensmittel aus der Natur zu beziehen, hat mich bis heute nicht losgelassen. Ausschlaggebend war sicher das Pilzesammeln im Herbst – Steinpilze und Parasole gehören zu meinen absoluten Leibspeisen. Und was gibt es besseres als Zutaten, die vollkommen naturbelassen sind und die noch kein Mensch zuvor berührt hat.

Würden Sie sich als naturverbunden beschreiben, welche Verbindung haben Sie zur Natur?

Obwohl ich seit 10 Jahren in der Stadt wohne, zieht es mich immer ins Grüne. In den Wald, in die Berge, ans Wasser. Kulinarik spielt da eine große Rolle. Es gibt zu jeder Jahreszeit Produkte, die man draußen entdecken kann – ich sehe die Natur ein bisschen wie ein großes, exklusives Buffet. Durch Wald und Wiesen zu streifen, ist für mich wie auf Schatzsuche gehen.

Neben Rezepten und Tipps fürs Kochen schreiben Sie auch Reise-Reportagen, welches Land hat Sie kulinarisch bisher am meisten begeistert?

Definitiv Japan. Weil ich Sushi liebe und weil mich der kulinarische Purismus der Japaner total anspricht. Produkte roh und möglichst unverfälscht zu essen, ist auch eine meiner Vorlieben. Dazu kommt, dass Japaner unglaublich viel Wert auf Qualität von Lebensmitteln legen. Das spürt man selbst in der kleinsten Imbissbude.

„Ich habe allerdings keinen Jagdschein und kann mich dem Thema nur über Menschen nähern, die den direkten Kontakt zum Tier haben.“

David Seitz

David Seitz - Fleischspieße

Welche Rolle nimmt Fleisch, insbesondere Wildfleisch, bei Ihren Kreationen und Rezepten ein?

Seit einigen Jahren ist Fleisch eines der Kernthemen im Blog. Das begann, als ich mit Sous-Vide herumexperimentierte und zum ersten mal perfekt gegartes Fleisch gegessen habe. Seither teste ich mich durch das Fleisch verschiedener Rassen und Fütterungsarten und reife mittlerweile selbst Rindfleisch in meinem Wohnzimmer. Ich versuche dabei aber nicht unreflektiert euphorisch jedem Trend hinterherzurennen. Ich schreibe auch kritisch über Fleisch (siehe Wagyu/Kobe oder Jungbullen) und lerne täglich dazu.
Zu Wildfleisch habe ich denselben Bezug wie zu Pilzen oder Wildkräutern. Für mich ist das die Krönung des Fleischs, mehr Qualität und mehr Tierwohl geht nicht. Ich habe allerdings keinen Jagdschein und kann mich dem Thema nur über Menschen nähern, die den direkten Kontakt zum Tier haben – so wie Fabian. Das frisch erlegte Reh mit dem frisch gepflückten Bärlauch bei ihm zu essen, war für mich eine der prägendsten kulinarischen Erfahrungen der letzten Jahre. Wenn ich die Wahl habe zwischen Wild und Zuchtfleisch, werde ich immer Wild bevorzugen.

„Das Töten eines Tiers sollte man niemals mit dem Ziel „Mutprobe“ oder „Selbsttherapie“ begehen, sondern mit dem Ziel, dem Tier möglichst wenig Leid zuzufügen.“

David Seitz

David Seitz - Fleisch in der Pfanne gebraten

Hatten Sie bereits Ambitionen ein Tier selbst zu erlegen? Wie stehen Sie zu der Forderung „Wer Fleisch isst, sollte das Tier selbst erlegt haben“?

Lange war ich der Meinung, „wer Fleisch isst, muss auch getötet haben,“ um sich der vollen Tragweite seines Konsums bewusst zu sein. Mittlerweile denke ich anders. Ich glaube es reicht, zuzusehen, wie ein Tier getötet wird. Das Töten eines Tiers sollte man niemals mit dem Ziel „Mutprobe“ oder „Selbsttherapie“ begehen, sondern mit dem Ziel, dem Tier möglichst wenig Leid zuzufügen. Dazu braucht es Wissen, Erfahrung und Übung. Daher überlasse ich diesen zentralen Schritt der Wertschöpfungskette lieber einem Experten. Dennoch finde ich es extrem wichtig hinzuschauen und sich permanent vor Augen zu führen, das hinter dem abstrakten Steak ein ehemals lebendiges Tier steckt. Da hilft es enorm, sich hin und wieder dem Anblick einer Schlachtung auszusetzen.

Woher beziehen Sie Ihr Fleisch und andere Zutaten für Ihre Gerichte?

Ich bestelle Rinderrücken online bei einem Händler, dem ich vertraue und der mir exakt sagen kann, wo in Deutschland seine Tiere unter welchen Bedingungen standen. Das reife ich dann selbst trocken. Ansonsten: Metzger und auch mal Jäger für Fleisch.

Und zum Schluss, haben Sie einen besonderen Rezept-Tipp in Bezug auf Wild für uns? Welches Wildgericht schmeckt Ihnen am Besten?

Da Wild eher dezent schmeckt, übertünche ich dieses feine Aroma ungerne mit schweren Beilagen und Saucen. Eine Wildleber mit etwas Salz und Pfeffer, dazu ein gut angemachter Salat – da bin ich happy. Für ausgefeilte und echt kreative Wildrezepte empfehle ich den Blog Haut goût.

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