Mit Haut und Haaren: Pelze als Traditionshandwerk

Pelze sind wieder im Kommen. Statt als Luxusartikel, werden sie zunehmend als nachhaltiges, regionales Naturprodukt vermarktet. Als einer der jüngsten Gerber Deutschlands hat Christopher Tramm den Pelz zum Beruf gemacht.

Christopher Tramm bei der Arbeit

Foto: Christopher Tramm

Eigentlich jeder hat ein Produkt aus Leder. Egal, ob Schuhe oder Autositze, Gürtel oder Handtaschen: die positiven Eigenschaften des Materials bestechen nach wie vor gegenüber künstlichen Produkten. Mit Pelzen ist es komplizierter, die massive Kritik der Tierschützer hat den guten Ruf zerstört. Und dennoch ist Pelz ein hervorragendes Naturprodukt, seine Herstellung und Verarbeitung aber durchaus aufwendig.

Christopher Tramm wusste trotzdem schon als Jugendlicher, dass er mit Pelzen arbeiten möchte. Die Entscheidung fiel schließlich in der Gerberei seines Großvaters. Er wollte in dessen Fußstapfen treten und den Familienbetrieb, die Gerberei Haubold, retten. „Die Ausbildung war allerdings sehr hart“, erinnert sich Tramm, „da wir in der Gerberei fast nur Großviehhäute verarbeitet haben. Ich fiel jeden Abend mausetot ins Bett.“ Als großes Glück sieht er aber seine Zeit an der (mittlerweile insolventen) Westdeutschen Gerberschule im baden-württembergischen Reutlingen an. Er war einer der letzten Auszubildenden des klassischen Berufs „Gerber“ und wurde 2010 zum Gesellen ernannt. Durch die Übernahme des großelterlichen Betriebes führt er nun seit einem Jahr das Traditionshandwerk in dritter Generation fort und ist somit einer der letzten und jüngsten Gerber Deutschlands.

50 Arbeitsschritte von der Annahme bis zur Endkontrolle

Tramm bei der Arbeit am Rundmesser

Tramm bei der Arbeit am Rundmesser / Foto: C. Tramm 

Zusammen mit seinem Großvater ist er auf die anspruchsvolle Herstellung von Pelzen und Bälgen spezialisiert. „Anders als bei der Lederherstellung, verbleiben die Haare natürlich an der Haut, was umsichtiges und vorausschauendes Arbeiten erfordert“, erläutert Tramm. Der Pelz könne nur dann auch vielfältig eingesetzt werden, wenn er richtig bearbeitet werde. Der Gerber setzt dafür auf eine nachhaltige Produktion: seine Kunden liefern überwiegend Felle und Bälge aus der näheren Umgebung. „Die meisten stammen aus der Jagd auf Raubwild, wie etwa Fuchs, Marder oder auch Waschbär“, betont Tramm. Stolz ist er auch auf seinen ökologischen Gerbprozess: „Anders als viele Großbetriebe, insbesondere in Osteuropa und Asien, verzichte ich völlig auf Chrom, Weichmacher und Bleichmittel. Letztendlich arbeite ich nur mit Wasser, Salz, Fett, Ameisensäure und Gerbstoff“. Und er ergänzt: „Meine Abwässer müssen nicht aufwändig gesäubert werden, sondern können problemlos in die städtische Kanalisation eingeleitet werden.“ Chromfreie Pelze und Felle sind nicht nur gut für die Umwelt, sondern auch für den Menschen. Insbesondere bei Kindern, die beispielsweise auf Schaffellen liegen, können durch das Schwermetall sonst Allergien ausgelöst werden.

Tramm verzichtet völlig auf Ware aus Pelztierfarmen, ihn beliefern überwiegend Privatkunden. Aber auch Kürschnereien greifen auf seine Expertise zurück und lassen ihre Ware bei ihm veredeln. Entsprechend aufwändig ist die Logistik. „Meine Kunden erreichen mich sowohl per Post, als auch persönlich und wenn es die Zeit zulässt, zeige ich ihnen gerne meinen Betrieb“, bekräftigt Tramm. Seine Dienstleistung umfasst dabei nicht nur das Gerben, sondern gegebenenfalls auch das Abhäuten der Tiere. Umso wichtiger ist eine gute Konservierung durch den Kunden. „Qualität fängt beim Jäger an“, betont er. Die Verwesung des toten Tieres setze sehr schnell ein, auf gar keinen Fall solle man das Fell „noch mehrere Tage in einer Tüte herumliegen lassen“. Es könne entweder gesalzen und getrocknet angeliefert werden. Alternativ lässt sich der Wildkörper auch vollständig eingefroren und tropfdicht eingepackt verschicken.

"Ein guter Pelz muss sich wattig und weich anfühlen, das Haar muss spielen, sprich: nicht verklebt sein."

Christopher Tramm

Tramm begutachtet seine Ware

Der Gerber kontrolliert die Qualität / Foto: C. Tramm

Wenn alles klappt, ist der Pelz ein außergewöhnliches Produkt. Es wärmt und kühlt, je nach Witterung und lässt sich zu vielen Kleidungsstücken und Accessoires verarbeiten – bei Jägern seien insbesondere Wintermützen und Muffe sehr beliebt. Auch als Trophäe für das Jagdzimmer eignen sich die Pelze und Bälge hervorragend.
Gleichzeitig ist Pelz aufgrund seiner Eigenschaften sehr pflegeleicht. „Er reinigt sich quasi von selbst. Hin und wieder etwas ausschütteln und nur bei Verschmutzung feucht ausbürsten reicht. Aber niemals in einer Waschmaschine waschen!“, warnt Tramm. Das zerstöre das Gerbergebnis und damit das Produkt.

Insgesamt würde Tramm sich über mehr Wertschätzung freuen, sowohl wegen seiner Dienstleistung, als auch für das Produkt – „damit man diesen heimischen Rohstoff wieder nutzt und nach der Jagd nicht entsorgt“.

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