Interview - Naturburschen machen Streetstyles: TRUEWOODS

Ob Hoodie mit Enten-Stickerei oder College-Sweater mit „I love the woods“-Aufdruck: TRUEWOODS will die Liebe zur Natur auf die Straße bringen.

Jan Felix Borchert und Alexander Schneider

Fotos: PROformance Studios GmbH / Jan Felix Borchert und Alexander Schneider

Alexander Schneider und Jan Felix Borchert sind studierte Forstwissenschaftler und schon seit ihrer Kindheit mit der Jagd verbunden. Inzwischen sind sie beide aktive Jäger. Doch den beiden Rheinländern fehlte bisher die Möglichkeit, ihre Leidenschaft für die Natur auch auf der Straße sichtbar zu machen – hippe Kleidung mit Bezug zu Jagd und Forst ist in der Modewelt eher Mangelware. Deshalb haben sie diese Lücke geschlossen – und zwar mit dem Startup TRUEWOODS. Was die beiden motiviert, wie das Modelabel entstanden ist und wie tragbar die Klamotten im Revier sind, haben Alexander Schneider und Jan Felix Borchert Outfox-World im Interview verraten.

Ihr Label heißt TRUEWOODS – was genau verbirgt sich dahinter und was macht die Marke aus?

Frei übersetzt bedeutet es „wahrhaftige Wälder“ – es spiegelt den Kern unseres Unternehmens wider – eine echte Liebe zum Wald und zur Natur. Wir sind modeinteressierte Förster und haben mit TRUEWOODS etwas für Leute wie uns erschaffen, die auf Naturverbundenheit und Styling Wert legen. Im Fokus von TW stehen klassische Streetwear-Produkte wie Sweater und Hoodies mit modernen Schnitten und Designs, die inspiriert sind von Wildlife, Jagd und Natur.  

Sie beide haben ja zusammen Forstwissenschaften studiert und gehen schon seit Ihrer Kindheit mit auf die Jagd. Wie kamen Sie auf die Idee, das mit Mode zu verknüpfen?

Ganz richtig, das gesamte Feld rund um Forst und Jagd ist nach wie vor sehr präsent. Wie zwei Förster dazu kommen, es in der Modebranche zu versuchen, ist aber berechtigterweise die am häufigsten gestellte Frage der letzten Monate. Die Initialzündung war sicherlich unsere erfolglose Suche nach Klamotten, die unseren eigenen Lifestyle und unsere Interessen widerspiegeln. Man kann problemlos rausgehen und einen dicken Hoodie mit japanischen Schriftzeichen kaufen, aber suchen Sie doch mal etwas Lässiges aus dem Bereich Wildlife und Natur für den Alltag. Aus vielen Hobbys wie Reiten, Segeln etc. haben gewisse Einzelteile und sogar ganze Looks den Weg in die breite Modewelt geschafft. So stellen wir uns das für die „grünen“ Themen ebenfalls vor. 

Sie beide sind keine gelernten Modedesigner, sondern vor allem studierte Förster und Jäger. Wie haben Sie sich in der „Modewelt“ zurechtgefunden? Und wie haben Sie sich die Fähigkeiten angeeignet, um TRUEWOODS umsetzen zu können?

Bisher haben wir durchweg positives Feedback erhalten. Auch aus der Modebranche. Ein Bekannter von uns, der einschlägige Erfahrungen in der Modebranche vorweisen kann, unterstützt TW nach wie vor. Ansonsten ist es natürlich so, dass uns unser Studium vor allem hinsichtlich der Ideenfindung, aber auch hinsichtlich der Produktion hilft. Nachhaltigkeit wird zwar erst in den letzten Jahren so richtig salonfähig, aber die Förster kennen den Begriff schon seit 1713. Das ist natürlich auch ein großer Teil unserer Philosophie – denn wer, wenn nicht wir kann den Leuten da draußen das weite Feld der Nachhaltigkeit plausibler erklären?

Zunächst ging es für uns dann erst einmal darum, die verschiedenen Gruppen am Modemarkt zu identifizieren. Später vor allem darum, aus einer groben Idee ein konkretes Geschäftsmodell zu entwickeln. Wir haben dann versucht, so viel wie möglich zum Thema Mode zu lesen, waren auf Messen und haben uns hier und da Unterstützung aus der Modebranche geholt. Letztlich haben wir fast alles selbst erschaffen – sogar die Homepage. Mit Leidenschaft und Motivation ist einiges möglich, das verhält sich da genau so wie bei Jagd und Forst.

Nun birgt ein Startup ja auch immer ein gewisses Risiko. Was hat Sie beide motiviert, das Projekt dann auch in die Tat umzusetzen?

Das positive Feedback und eine realistische Markteinschätzung. Der Vorlauf zu TW betrug in Summe bestimmt anderthalb Jahre. In dieser Zeit sind erste Designs entstanden, die auf positive Resonanz stießen. Der Schlüsselmoment war, als wir tatsächlich einen Produktionspartner fanden, mit dem wir unser nachhaltiges Geschäftsmodell überhaupt in die Wege leiten konnten. Außerdem hatten wir die Möglichkeit, den Start selbst zu finanzieren, und mussten somit nicht auf Fremdkapital zurückgreifen. Über all diese Punkte hinaus, die eher rationaler Natur sind, sollte man schon in gewissen Teilen risikobereit sein und Unternehmergeist ist sicherlich kein Nachteil.

TRUEWOODS Hoodie

Auf Ihrer Homepage findet man auch Schlagwörter wie „Nachhaltigkeit“ und „Naturebased“. Können Sie die genauer erklären? 

Der Begriff der Nachhaltigkeit stammt ja ursprünglich aus dem Forstwesen. Nachhaltigkeit ist bei uns ein wichtiger Unternehmensgrundsatz, der sich nicht nur auf ökologische, sondern auch auf soziale und ökonomische Aspekte bezieht. So verwenden wir beispielsweise Bio-Baumwolle und achten auch darauf, dass unsere Produktions- und Lieferkette fair gestaltet ist.

Zusätzlich haben wir noch das „SYLW“-Projekt ins Leben gerufen. „Support-Your-Local-Woods“ bedeutet, dass wir für jeden verkauften Artikel einen Baum pflanzen, um die lokale Biodiversität zu unterstützen und um für Mensch, Tier und Pflanze einen Rückzugs- und Lebensraum zu schaffen.

Naturebased bezieht sich auf unseren eigenen Ursprung als Förster und Jäger, auf unsere Designs und zum anderen auf unsere Produktion. Naturebased ist auch unsere Streetwear – nämlich echte Mode für den Alltag mit Inspirationen aus Wald und Natur.

TRUEWOODS-Logo

Dann ist die Kleidung, die man in Ihrem Shop kaufen kann, bestimmt nicht gerade für Schnäppchen-Preise zu haben, oder? 

Preislich siedeln wir uns im gehobenen mittleren Preissegment an. Und natürlich hat eine nachhaltige Produktion einen gewissen Preis. Unsere Preisspanne beginnt aktuell bei 34 Euro für T-Shirts und hört bei 169 Euro für unsere Premium-Hoodies auf. Hinzu kommt die Verpackung, die aus Deutschland kommt und vollständig biologisch abbaubar ist. Landet diese also als Müll am falschen Ort, setzt der Kompostierungsprozess ein. Der Versand in Deutschland ist kostenfrei. Außerdem fließt ein Teil des Erlöses in die Aufforstung innerhalb des SYLW-Projekts. 

Alles in allem ist die nachhaltige Produktion natürlich kostenintensiver als die konventionelle – dafür spürt man die Qualität in jeder Faser! Wir bieten ja ein total transparentes und faires Geschäftsmodell mit sehr aufwendigen Produkten an.

Shirts oder Sweater mit Wildtieren wie Fuchs und Eule stehen bei jungen Individualisten hoch im Kurs. Sprechen Sie mit Ihrer Kollektion auch andere Zielgruppen an? Jäger und Förster zum Beispiel?

Das hoffen wir zumindest. Wir wollen genau an die Schnittstelle zwischen Naturburschen und Modemenschen. Wir glauben, dass unsere Produkte genauso für Jäger und Förster interessant sind wie auch für die Leute in Großstädten. Der Fokus liegt aber auf den Designelementen unserer Produkte – immerhin haben auch Outdoor-Menschen einen Alltag, in dem sie vielleicht gerne auf eines unserer Teile zurückgreifen, um einen coolen Auftritt hinzulegen.

„Jäger haben es aus unserer Sicht nicht nötig, sich zu verstecken, ganz im Gegenteil: Wir müssen uns zeigen!“

Die TRUEWOODS-Gründer Jan Felix Borchert und Alexander Schneider

Wir müssen allerdings zugeben, dass die Prioritäten, was das Marketing betrifft, eher auf der Zielgruppe hipper Stadtmenschen liegen – hier müssen wir noch Überzeugungsarbeit leisten. Dem Jäger ist das Produkt „Sweater mit Ente“ leichter zu erklären als den Leuten, die erst mal wenig mit dem Thema zu tun haben. Letztendlich wollen wir aber beide erreichen, den Outdoor-Menschen sowie den Fashionist aus der Stadt. Hier betreiben wir auch ein bisschen Aufklärungsarbeit und wollen natürlich dafür sorgen, dass die Jagd innerhalb der Bevölkerung wieder positiver wahrgenommen wird. Jagd ist Naturschutz, wird aber viel zu selten ins richtige Licht gerückt. Jäger haben es aus unserer Sicht nicht nötig, sich zu verstecken, ganz im Gegenteil: Wir müssen uns zeigen! Und dazu liefern wir einen Beitrag für alle diejenigen, die auf der Suche nach der Schnittmenge von Jagd und Streetwear bisher nicht fündig werden konnten.

Wie kommen Ihre Sachen bisher bei den Leuten an?

Glücklicherweise sehr gut. Wir haben bislang noch keine Rückläufer und bekommen generell positives Feedback. Neben unserem schnellen und kostenfreien Versand sind die Kunden besonders von der Verarbeitung unserer Produkte, insbesondere von den aufwendigen Stickereien begeistert. Unser Hoodie aus 100% Bio-Baumwolle wiegt in der Größe M schon fast ein Kilo – so etwas wird am konventionellen Markt nur noch sehr, sehr selten verarbeitet.

Aber man muss auch sagen, dass wir weiter an unseren Online-Auftritten arbeiten. Denn der Wow-Effekt tritt eigentlich erst richtig ein, wenn der Kunde das Produkt in den Händen hält. Genau das ist im Internetgeschäft aber eine der besonderen Schwierigkeiten. Dennoch sind wir guter Dinge, dass weiterhin fleißig eingekauft wird.

TRUEWOODS-Jacke

Im Moment ist die Produktauswahl in Ihrem Shop eher klein, aber fein. Haben Sie vor, das Sortiment noch zu erweitern? Zum Beispiel mit weiteren (Tier-)Motiven, Schnitten oder Accessoires? 

Definitiv. Es fiel uns schon schwer, uns für den Start zu beschränken. Es gibt unendlich viele Variationsmöglichkeiten und schon jetzt sehr viele Entwürfe. Erst vor einer Woche haben wir das Sortiment um die „WILDLIFE SERIES“ aufgestockt. In jedem Fall erweitern wir in den nächsten Monaten unser Kernprodukt Baumwoll-Sweater um weitere Designs und Ausführungen.

Daneben wird es wie schon jetzt T-Shirts, Jacken und noch weitere Teile geben. Beispielsweise befinden wir uns gerade in Gesprächen für eine Boxershorts-Kollektion und Kopfbedeckungen. Klar ist allerdings auch, dass unser Anspruch an eine vollständig nachhaltige Herstellung die Sortimentserweiterung – vor allem im Bereich Accessoires – schwierig macht. Für uns kommt es aber nicht in Frage, unser Geschäftsmodell aufzuweichen. Wir suchen aktiv nach Lösungen, um auch Caps oder vielleicht Schmuck anbieten zu können.

Auf Ihrer Homepage klingt durch, dass Sie bewusst keine Funktionskleidung machen, sondern lässige Styles für den Alltag. Jägerinnen und Jäger brauchen aber genauso wie Förster oder Naturfotografen vor allem Funktionskleidung bei der Ausübung ihrer Leidenschaft. Tragen Sie Ihre Sachen eigentlich selbst im Revier?

Natürlich tragen wir unsere Klamotten selbst – im Alltag wie auch auf der Jagd. Bei einer Drückjagd vor drei Wochen wurden wir bestimmt von der Hälfte der Gäste auf die Pullover angesprochen und gefragt, wo man sie kaufen kann. Hinzu kommt, dass hochwertige Baumwolle durchaus funktional ist. Funktional sind auch unsere Windbreaker aus recyceltem Kunststoff, die sich auf ein winziges Packmaß zusammenknüllen lassen, leicht sind und zusätzlich noch gut aussehen – im Wald wie auch in der Stadt.

Natürlich trägt man im Revier hauptsächlich funktionelle Kleidung. Aber was macht der Naturfotograf, der Jäger oder Förster im Alltag? Diese Lücke wollen wir schließen. Genauso wie wir gleichzeitig die Produktpalette für diejenigen erweitern wollen, die eigentlich nichts mit der Jagd oder Natur zu tun haben. Außerdem spricht ja nichts dagegen, einen unserer Sweater unter der Jagdjacke anzuziehen, dann hat man spätestens beim Schüsseltreiben einen herausragenden Auftritt!

Das könnte Sie auch interessieren
Aktuell & informativ

DER OUTFOX WORLD NEWSLETTER

Aus der Natur direkt in Ihr Postfach.

Folgen Sie uns!