Moderne Technik bei der Jagd (I): Eine ewige Debatte

Der Fortschritt macht auch vor dem ältesten Handwerk der Welt nicht Halt. Doch wird kaum irgendwo so lebhaft und kontrovers über neue Technik diskutiert und gestritten, wie unter Jägern. Neue Technik: Sinn oder Unsinn?

Hochsitz im Sonnenuntergang

Foto: Josephine Nietschmann

Die Jagd als ältestes Handwerk der Menschheit war und ist eng verknüpft mit technischen Veränderungen ihrer Werkzeuge. Über Jahrtausende wurde mit Speer und Schleuder, Pfeil und Bogen Wild erlegt. Immer wieder aber dringen neue Erfindungen auf den Markt. Und immer wieder lösen sie leidenschaftliche Diskussionen über Moral, Anstand und Sinnhaftigkeit aus. Zum Auftakt einer vierteiligen Serie werfen wir einen persönlichen Blick auf vergangene und heutige Debatten.

Das Jagen ist seit Jahrtausenden auf Werkzeuge angewiesen, es wird durch sie überhaupt erst ermöglicht. Sie helfen dabei, die Beute sicher und schnell zu erlegen. Sie erweitern und ergänzen die Sinne des Jägers. Sie schützen vor Wind und Wetter oder unterstützen die Fortbewegung. Wie intensiv aber sollte alles Neue genutzt werden? Gibt es Grenzen, rote Linien in der Verwendung, die nicht überschritten werden sollten? Ein Blick in die Vergangenheit verdeutlicht, dass derartige Diskussionen schon seit jeher unter Jägern geführt wurden.

Zu jagen bedeutet oftmals ein Leben zu nehmen, zu töten. Dementsprechend eng sind Jagdwaffen mit der Entwicklung von Militärtechnik verknüpft. Die Verfügbarkeit von Feuerwaffen änderte die Jagdausübung von Grund auf. Ob es wohl Debatten unter den damaligen Jägern gab, diese Waffen zu benutzen? Wurde – wie auch heute oft -  abgewogen zwischen Effektivität, Ästhetik und Waidgerechtigkeit? Die Quellenlage dazu ist nicht eindeutig.

Altbewährtes in neuem Licht

Selbstladebüchse von Savage auf der IWA

Foto: team winz

Erst die vergangenen 100 Jahre lassen sich halbwegs sicher rekonstruieren. Sehr schnell wurden damals auch von Jägern die alten Vorderladerwaffen durch moderne Hinterlader ersetzt. Ein prägendes Beispiel dieser Zeit ist das „Mauser System 98“. Nach der Übernahme durch die preußische Armee verbreitete sich diese Art der Büchsenkonstruktion nahezu weltweit. Als Standardgewehr des deutschen Militärs erlangte es im ersten und zweiten Weltkrieg leider traurige Berühmtheit. Nichtsdestotrotz etablierte sich der „98er“ als funktionssichere und präzise Jagdwaffe, die auch heute noch von vielen Jägern verwendet wird.

Seit einigen Jahren nun werden in den USA halbautomatische Büchsen für die Jagd verwendet, die aktuellen Kriegswaffen nachempfunden sind. Statt Holz und Stahl dominiert schwarzes Aluminium, statt filigran sind die Waffen „taktisch aufgemotzt“. Das klassische Design von Jagdwaffen tritt in den Hintergrund und wird durch funktionales, militärisches Aussehen ersetzt. Derartige Waffen können leicht mit weiterer Ausrüstung kombiniert werden – montierte Lampen, Nachtzieltechnik, riesige Magazine sind dort möglich und auch legal. Diese Modelle sind übrigens auch in Deutschland erhältlich, allerdings mit einigen rechtlichen Einschränkungen. Bei der Verwendung dieser Waffen im deutschsprachigen Raum fällt die Kritik vieler Jäger eindeutig aus: „Wir gehen auf die Jagd und ziehen nicht in den Krieg“. Durch die schnelle Schussfolge könne kopflos auf Wild „geballert“ werden, das Aussehen der Waffen verschrecke und verunsichere andere Naturnutzer.

Gegenstimmen betonen, dass nicht Art und Aussehen der Waffe, sondern ausschließlich ihre Nutzung zu beurteilen sei. Das Potenzial eines schnellen weiteren Schusses sei in der Praxis nicht von der Hand zu weisen. Und überhaupt: auch der weitverbreitete 98er sei ja schließlich eine „Kriegswaffe“. Der Gesetzgeber definiert allerdings nur grundlegende Eigenschaften zur Tötungswirkung von Jagdwaffen. Dem individuellen Jäger wird nach wie vor weitgehend die Wahl des Werkzeuges und der verantwortungsvolle, waidgerechte Umgang damit zugestanden.

Was heute Standard ist, war hoch umstritten

Repetierbüchse Ruger mit Zielfernrohr

Foto: ddefillipo

Ähnlich kontrovers war übrigens auch die zivile Verwendung von Zielfernrohren vor knapp 100 Jahren. Viele lehnten diese Technik ab, zu empfindlich sei sie, hieß es damals. Aber vor allem unwaidmännisch. Was nicht über Kimme und Korn zu erbeuten war, war schlicht zu weit entfernt. Die neuartige Zielhilfe würde dem Wild keine Chance mehr lassen, sie sei hinterhältig und lasse jagdliche Fähigkeiten und Sitten verfallen. Dass durch diese Technik generell präziser – und damit tierschutzgerechter – geschossen und getötet werden konnte, war damals kaum relevant. Auch dass die Linsen- und Beschichtungsfertigung ein Schießen in der Dämmerung erst ermöglichte, wurde anfangs nicht beachtet. Heute sind Zielfernrohre auf Jagdwaffen der Standard. Exotisch ist, wer „oben ohne“ jagt.

Egal ob Hochsitz („Mordkanzel“) oder Leuchtpunkt („Wilderertechnik“), ob Tarnmuster („Terroristenuniform“) oder Signalkleidung („Müllmannoutfit“): Scheinbar jede neue Entwicklung spaltet(e) die Jäger. Der ablehnende Reflex basiert dabei oft auf demselben Muster: „Altbewährtes“ ändert sich, „die“ Jagd steht vermeintlich zur Disposition. Andere, ebenso wichtige Veränderungen werden erstaunlicherweise häufig nicht in Frage gestellt. Sei es beispielsweise der Geländewagen, Hundeortung per GPS oder auch hygienische Kühltechnik. Trotz deren massiver Einflüsse auf die Jagdausübung werden diese Dinge nicht als Gefahr angesehen.

Es gibt nicht nur „die eine“ Art zu jagen

Verfolgt man also derartige Diskussionsverläufe, wird sehr oft deutlich, dass insbesondere die persönlichen jagdlichen Verhältnisse, die Verwurzelung in lokalen Traditionen, Ansichten und Verhaltensweisen prägend sind. Selbst im kleinen Deutschland ist die Vielfalt an Jagdrevieren, an Landschaften überragend. Fast jedes Revier unterscheidet sich, jedes stellt völlig andere Ansprüche an den jeweiligen Jäger. Ob Feld oder Wald, Flachland oder Gebirge, Niederwild oder Hochwild: die wenigsten Jäger kennen und erfahren die ganze Breite jagdlicher Realität. Leider fehlt somit häufig das gegenseitige Verständnis für andere Standpunkte.

„Ein Jäger soll gut ausgebildet und gut ausgerüstet sein“, lautete der Leitspruch in meiner Jägerprüfung. Nur so können die gesetzlichen und damit gesellschaftlichen Ansprüche an die Jagd umgesetzt werden. Meiner Meinung nach ermöglichen nur Neugier gegenüber Erkenntnissen aus Wissenschaft und Forschung sowie die Aufgeschlossenheit für technischen Fortschritt erst eine Jagd, die ihre Relevanz für eine moderne Gesellschaft behaupten kann. Und genau diese Relevanz gilt es nach wie vor zu bekräftigen.

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