Moderne Technik bei der Jagd (II): Schalldämpfer

"Plopp" - so klingt ein Schuss mit Schalldämpfer. Oder? In der Realität ist die Technik tatsächlich für den Gesundheitsschutz von Mensch und Hund nützlich. Vor allem in Deutschland sind Schalldämpfer für Jäger ein umstrittenes Thema!

Immer mehr Jäger dürfen in Deutschland einen Schalldämpfer verwenden. Diese moderne Technik ermöglicht nicht etwa das lautlose Schießen, sondern dient vor allem dem individuellen Gesundheitsschutz von Jägern und Hunden. Doch werden die Dämpfer rechtlich nach wie vor uneinheitlich behandelt. Kritiker befürchten kriminellen Missbrauch oder Jagdwilderei. In unserer Serie zur modernen Jagdtechnik räumen wir deshalb mit Vorurteilen auf. Wir werfen einen Blick auf Funktionsweise, Fakten und die lebhaften Diskussionen unter den Waidmännern.

Die sprichwörtliche „Stille nach dem Schuss“ existiert nämlich nicht für Jäger. Auf das Abdrücken folgt ein durchdringendes Piepen und Pfeifen im Ohr. Oft vergeht es innerhalb von Minuten, manchmal bleibt es ein Leben lang. Angenehm ist es nie. Schusswaffen setzen enorme Energie frei. Sowohl das Mündungsfeuer, als auch der ohrenbetäubende Knall beweisen es bei jedem Schuss.

Wie funktioniert ein Schalldämpfer?

Um die Technik eines Schalldämpfers zu verstehen, muss zuerst der Ursprung des Lärms nachvollzogen werden. Der Knall großkalibriger Büchsenmunition besteht physikalisch aus zwei unterschiedlichen Schallquellen. Typische Jagdmunition, wie etwa das beliebte Kaliber .308 Winchester, erreicht eine Geschwindigkeit von circa 800 Metern pro Sekunde. Sie fliegt also mit mehr als doppelter Schallgeschwindigkeit. Der dadurch während des Fluges entstehende Überschallknall ist laut und weithin hörbar. Die zweite Quelle ist der sogenannte Mündungsknall. Er wird durch die schlagartige Expansion der heißen Treibladungsgase in die Außenluft an der Mündung des Laufes ausgelöst.

Zusammen erreichen die beiden Lärmquellen einen Schallpegel von circa 160 Dezibel, gemessen am Ohr des Schützen. Zum Vergleich: ein startender Düsenjet in 100 m Entfernung dröhnt mit knapp 125 dB(A). Aufgrund der heftigen – wenn auch kurzen – Einwirkung wird ein Schussknall als Impulslärm bezeichnet. Dieser ist für das menschliche Ohr grundsätzlich gefährlich, sobald er über die Schmerzgrenze von circa 140 dB(A) reicht. Bei einer solchen Intensität ist es ohne ausreichenden Gehörschutz ein Glücksspiel, ob dauerhafte, massive Sinnesschäden auftreten. Gerade mit älteren Jägern muss man häufig ein wenig lauter sprechen...

Ein Schalldämpfer stellt nun die einzige Technik dar, die ausschließlich den Mündungsknall effektiv mindern kann. Die Treibladungsgase werden an der Mündung durch einen Tubus aufgenommen und im Inneren umgeleitet, verwirbelt und dadurch abgebremst. Die Energie der Gase wird in Wärme umgewandelt, die nach und nach abgegeben werden kann. Ein Beispiel verdeutlicht das Prinzip: Sticht man eine Nadel in einen aufgeblasenen Ballon, platzt er mit einem lauten Knall. Lässt man die Luft allerdings langsam durch das Mundstück entweichen, bleibt ein Knall aus. Je nach Bauart verringert ein Schalldämpfer dadurch den Schussknall um circa 30 dB(A), und somit deutlich unter die gesundheitsgefährdende Schmerzgrenze.

Rechtliche Bestimmungen in Deutschland

Moderne Büchse mit Schalldämpfer im Wald

Schalldämpfer sind grundsätzlich nicht illegal. Die Verwendung bei der Jagd wird allerdings durch zwei getrennte Rechtskreise geregelt. Zum einen schreibt das jeweilige Landesjagdgesetz vor, ob der gedämpfte Schuss auf Wild verboten oder erlaubt ist. Zum anderen verlangt das bundesweit gültige Waffenrecht für eine Schalldämpfergenehmigung den Nachweis eines Bedürfnisses, da Dämpfer den Schusswaffen rechtlich gleichgestellt sind. Die Anwendung des Waffengesetzes obliegt den Ländern, sie entscheiden über die Anerkennung des Bedürfnisses. Hier zeigt sich der Föderalismus von seiner komplizierten Seite. Einige Bundesländer gestehen Jägern regelmäßig ein solches Bedürfnis zu, während andere grundsätzlich ablehnend entscheiden und den Einzelfall im Zweifel lieber gerichtlich prüfen lassen (wir berichteten hier, hier und hier). Die logische Folge ist also eine bundesweit sehr uneinheitliche Verfahrenspraxis, welche die Grundidee des Waffengesetzes konterkariert.

Noch komplexer wird die Thematik, wenn weitere rechtliche Aspekte berücksichtigt werden. So schreibt die „Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung“ – vereinfachend gesagt – vor, dass Spitzenschalldrücke am Ort ihrer Entstehung verhindert oder zumindest gemindert werden müssen. Ergo führt arbeitsrechtlich, zum Beispiel für Förster oder Berufsjäger, an Schalldämpfern eigentlich kein Weg vorbei. Auch das Tierschutzrecht ist für Schalldämpfer relevant. Jagdhunde bekommen häufig die „volle Dröhnung“ ab. Selbstverständlich kann ihr Gehör, etwa durch Kopfhörer nicht geschont werden. Ein Schalldämpfer schützt stattdessen immer auch unsere vierbeinigen Freunde.

Vor- und Nachteile von Schalldämpfern in der Praxis

Für Schalldämpfer in Jägerhand spricht somit eindeutig der Gesundheitsschutz von Mensch und Tier. Aber die Technik hat auch weitere positive Effekte für die Jagdpraxis. Die Schusswaffe schießt mit Dämpfer präziser, ihr Rückstoß ist deutlich verringert und das Mündungsfeuer wird fast vollständig unterdrückt, sodass der Schütze im Dämmerlicht oder nachts die aussagekräftigen Reaktionen des Wildes nach dem Schuss wahrnehmen kann. Anders als bei elektronischen Kapselgehörschützern bleibt außerdem das Richtungshören erhalten. Keine störende Technik muss auf oder in den Ohren des Jägers platziert werden, der natürliche Gehörsinn wird nicht verändert.

Gleichwohl hat die Technik natürlich auch Nachteile. Einerseits verlängern die Dämpfer eine Jagdwaffe um circa 15 Zentimeter, machen diese also unhandlicher. Andererseits kosten sie eine Menge Geld. Knapp 600 Euro sollten für das Produkt und dessen Montage einkalkuliert werden. Weiterhin gibt es die Geräte nicht für jeden Waffentyp, sondern (bisher) nur für einläufige Waffen.

Kontroverse Diskussionen unter Jägern

Longrange-Schießen mit Schalldämpfer

Immer wieder werden Vorbehalte gegenüber Schalldämpfern geäußert, die das Wohl des Wildes betreffen. Die leisen Schüsse könnten das Wild scheu werden lassen. Eine Behauptung, die sich in der Praxis bisher nicht belegen lässt. Im Gegenteil: der Blick ins Ausland, wo Schalldämpfer mitunter lange legal sind, zeigt, dass das Wild zwar den Schützen schlechter orten kann, aber nicht mit anderem Verhalten reagiert. Auch Wilderei wird nicht zunehmen – sie setzt ohnehin ein hohes Maß an krimineller Energie voraus, die durch eine Schalldämpferfreigabe nicht tangiert wird. Schlussendlich wird auch behauptet, dass der warnende Effekt des lauten Schusses entfällt und dass somit andere Naturnutzer nicht mehr gewarnt würden. Die Praxis zeigt: auch gedämpfte Schüsse von Jagdwaffen sind nach wie vor weithin hörbar. Das aus vielen Filmen bekannte „plopp“-Geräusch ist ein Märchen Hollywoods.

Die bundesweite Freigabe ist längst überfällig!

Mir bleibt nach Abwägung dieser Argumente nur ein Appell: überlassen wir endlich den adäquaten Schutz der eigenen körperlichen Unversehrtheit jedem Jäger selbst. Nach meiner Meinung überwiegt kein Gegenargument die Vorteile der modernen Schalldämpfertechnik.

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