Moderne Technik bei der Jagd (III): Nachtsicht- und Wärmebildgeräte

Die Jagd soll auch nachts kein Rätselraten sein. Es ist beeindruckend, was moderne Nachtsichtgeräte und Wärmebildkameras leisten. Unter Jägern sorgt die neue Technik allerdings immer wieder für hitzige Diskussionen.

Leupold Wärmebildgerät auf der IWA

Foto: team winz

Jeden Monat ist Vollmond, überall wird zu dieser Zeit auf Wildschweine gewartet. Es gilt, schnell Beute zu machen, um horrende Wildschäden zu verhindern. Und doch könnte modernes High-Tech-Equipment die Jagd zunehmend unabhängig von natürlichen Lichtquellen machen. Wie Nachtsicht- und Wärmebildgeräte funktionieren und welche Streitfragen die Jägerschaft spalten, ist heute Inhalt unserer Serie über moderne Technik bei der Jagd.

Wildtiere wissen: „Im Dunkeln ist gut Munkeln“. Durch menschliche Störungen bei Tageslicht wurden die intelligenten Tiere zunehmend nachtaktiver. Sensible Arten, wie etwa Schwarzwild und Rotwild, sind in den meisten Gebieten Deutschlands mittlerweile fast ausschließlich nachts unterwegs. Doch auch der technische Fortschritt stagniert nicht. Immer mehr Entwicklungen ermöglichen das Sehen unter schlechten Bedingungen. Unter Jägern werden die Geräte aufgrund ihrer Annehmlichkeiten immer beliebter. Sie vereinfachen die nächtliche Jagd erheblich, sorgen aber auch für kontroverse Diskussionen über Jagdethik, Tierschutz und jagdliches Selbstverständnis.

Arten und Eigenschaften von Nachtsicht- und Wärmebildgeräten

Blick durch ein Wärmebildgerät

Foto: LIEMKE GmbH&Co.KG / Screenshot eines Videos, aufgenommen mit Wärmebildkamera. Mensch 80 Meter entfernt, Kühe 420 Meter (Realbild hat eine noch höhere Qualität).

Nachtsicht- und Wärmebildtechnik stammt größtenteils aus dem militärischen Bereich. Beide Gerätetypen sollen für das menschliche Auge Unsichtbares sichtbar machen. Sie lösen dieses Problem auf verschiedenen Wegen:

Nachtsichtgeräte nutzen das nachts in der Landschaft vorhandene Restlicht im gesamten Farbspektrum, bündeln und verstärken es mit elektronischer Bildwandlertechnik. Wenn zu wenig Licht vorhanden ist, beispielsweise in einer Neumondnacht oder im dichten Wald, kann das Sichtfeld mit Infrarot-Scheinwerfern aufgehellt werden. Deren Lichtspektrum ist für das Wild unsichtbar. Die Technik hat in den letzten Jahren rasante Fortschritte in punkto Abbildungsleistung und Auflösungsvermögen gemacht.

Wärmebildtechnik funktioniert grundsätzlich anders. Sie bildet die Wärmestrahlung ab, die jedes Objekt in Form von Infrarotstrahlung emittiert. Dabei hebt sich insbesondere die Körperwärme von Lebewesen deutlich von der sie umgebenden Landschaft ab. Das technische Verfahren ähnelt dem einer Digitalkamera. Ein Sensorchip erfasst die Infrarotstrahlung und berechnet das Bild, das auf einen eingebauten Monitor ausgegeben wird.

Beide Verfahren haben unterschiedliche Vor- und Nachteile. Nachtsichtgeräte bieten typischerweise ein schärferes Bild, da dieses, ähnlich wie bei einem Zielfernrohr, über Linsensysteme fokussiert wird. Erkanntes Wild lässt sich somit präziser beurteilen, „ansprechen“, wie der Jäger sagt. Gleichzeitig wird die Umgebung aber auch sehr detailliert dargestellt, was das Entdecken von Wildtieren erschweren kann. Aufgrund der verbauten Bildwandlertechnik sind Nachtsichtgeräte außerdem sehr lichtempfindlich. Sie können tatsächlich nur nachts verwendet werden und durch Sonneneinstrahlung Schaden nehmen. Demgegenüber sind Wärmebildgeräte problemlos auch tagsüber nutzbar. Allerdings wird ihre Darstellungsleistung stark über die Auflösung des Chips und des verbauten Bildschirms limitiert. In der Praxis sind sie ab einer gewissen Entfernung „nur“ für das Entdecken von Lebewesen zu gebrauchen. Um das Wild anzusprechen, benötigt der Jäger weitere Optiken oder muss näher an das Objekt heran.

Rechtliche Bestimmungen zur Verwendung von Nachtsicht- und Wärmebildtechnik

Der Gesetzgeber unterscheidet bei den Geräten zwischen reiner Beobachtung und dem Anvisieren von Zielen. Während das Beobachten, zum Beispiel von Wild im Rahmen der Jagdausübung, uneingeschränkt zulässig ist, ist die Verwendung als Zielhilfe stark erschwert. Bestimmte Geräte sind in Deutschland grundsätzlich illegal, wie etwa NachtZIELgeräte und Wärmebild-Zielfernrohre. Achtung, bereits der Besitz stellt eine Straftat dar! Andere Gesetzesverstöße ergeben sich aus einer missbräuchlichen Verwendung. Es ist verboten, die Beobachtungstechnik mit Zielfernrohren zu verbinden und damit auf Wild zu schießen. Die Montage an einem Fernglas ist demgegenüber allerdings zulässig.

Von Schädlingsbekämpfern, Wildschäden und Waidgerechtigkeit

Nachtsichtgerät als Binokular auf der IWA

Nachtsichtgerät als Binokular mit montiertem Infrarotscheinwerfer

Insbesondere aus Gründen des Tierschutzes verbietet das Bundesjagdgesetz die Nachtjagd. Im Zeitraum von eineinhalb Stunden nach Sonnenuntergang bis eineinhalb Stunden vor Sonnenaufgang ruht die Jagd, um den Wildtieren ausreichend Zeit ohne Störungen zuzugestehen. Dies ist eine Form gelebter Waidgerechtigkeit. Wie aber eingangs geschildert, ist mittlerweile das Schwarzwild fast ausschließlich nachtaktiv. Eine nächtliche Bejagung ist bei dieser Wildart ausnahmsweise zulässig. Die Gesetzgebung berücksichtigt dabei das Risiko enorm teurer Wildschäden, die im Regelfall vom Jagdpächter zu tragen sind.

Trotz beeindruckender Fortschritte in der Linsen- und Beschichtungsentwicklung sind Jäger nach wie vor auf eine gewisse Helligkeit durch Mondlicht angewiesen, um mit Zielfernrohren schießen zu können. In vielen, vielen Nächten ist eine Bejagung also chancenlos, der Frust im Angesicht massiver Wildschäden groß. Nachtsicht- und Wärmebildtechnik wird durchaus von einigen Jägern als die maßgebliche Lösung des Problems angesehen. Tatsächlich ermöglicht sie ein wesentlich einfacheres Entdecken und Ansprechen des Wildes. Auch in unübersichtlicher Landschaft bei schlechtem Licht sind beispielsweise Muttertiere eindeutig also solche zu erkennen, sie werden dementsprechend geschont. So weit, so legal. Erkennt der Jäger nun aber die Möglichkeit eines Schusses, muss er die moderne Technik beiseitelegen und durch sein Zielfernrohr blicken. Er sieht: nichts.

Derartige Einschränkungen dürfe es nicht mehr geben, fordern immer mehr Jäger. Sie plädieren für eine Freigabe der Nachtzieltechnik, um eine sichere Schussabgabe auch bei schlechten Bedingungen zu ermöglichen. Kritiker befürchten demgegenüber amerikanische Verhältnisse (wir berichteten). Sie sehen den Ehrenkodex der Jagd, die Waidgerechtigkeit, grundsätzlich in Gefahr, wenn zu jeder Tages- und Nachtzeit das Wild buchstäblich überrumpelt werden könne. Ob nun durch diese Zielhilfen überhaupt signifikant mehr Beute gemacht werden kann, wird derzeit in Bayern untersucht. Unbestreitbar bleibt, dass derzeit die Wildschadenproblematik beim Schwarzwild alarmierende Ausmaße annimmt. Die Bestände müssen deutlich reduziert werden, auch wegen der Seuchengefahr durch die ASP (wir berichteten). Viele Jäger betonen in diesem Zusammenhang allerdings nachdrücklich, dass sie keine Schädlingsbekämpfer seien. Und doch zeigt die Praxis, dass leider zu oft auch unter schlechtesten Bedingungen geschossen wird (wir berichteten), da der Wildschaden wie ein „Damoklesschwert“ über vielen Revieren schwebt.

Klare Sicht statt „schwarze Klumpen“

Gerade bei der Nachtjagd sollte, meiner Meinung nach, aus Sicherheitsgründen die bestmögliche Technik zum Einsatz kommen dürfen. Nicht nur der Fehlabschuss führender Muttertiere kann dadurch effektiv vermieden werden. Auch die Beurteilung der gesamten Schusssituation wird eindeutig sicherer. Tierschutzgerechte Schüsse sind auch eine Form von Waidgerechtigkeit! Das Rätselraten, ob der „schwarze Klumpen“ im Fadenkreuz nun Bache, Keiler oder Pilzsammler ist, muss endlich enden. Natürlich wohnt dieser Technik ein hohes Missbrauchspotential inne, natürlich kann sie gesetzeswidrig auch nachts auf andere Tierarten eingesetzt werden. Aber derartige Lösungen für die „Auslandsjagd“ kann man schon jetzt problemlos erwerben. Ähnlich wie auch bei Schalldämpfern gilt: wer es unbedingt nutzen will, schert sich möglicherweise eh nicht um bestehendes Recht.

Zweifelsohne ist die Nachtzieltechnik kein Allheilmittel. Das „Schwarzwildproblem“ ist vielschichtig und komplex. Alle Akteure müssen ihr Verhalten anpassen, um eine langfristige Lösung zu erzielen. Offensichtlich kann aber die bisherige Art der Bejagung das Problem auch nicht lösen. Meine Meinung: Zeit, mal etwas Neues auszuprobieren!

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