„UseMyTec“ lässt Landmaschinen nicht zur Ruhe kommen

Neue Online-Plattform bringt Besitzer ländlicher Maschinen mit Landwirten zusammen, die diese Maschinen mieten möchten.

Mähdrescher

Symbolbild: Anemone123

Teilen ist „in“ – schließlich leben wir längst in Zeiten der sogenannten Sharing Economy. „Die Menschen teilen ihr Auto, ihre Wohnung und ihren Hund“, sagt Christoph von Heydebreck. Und fragt daher: Warum sollten Menschen, die landwirtschaftliche Maschinen besitzen, diese nicht auch mit anderen teilen? Um genau dies zu ermöglichen, gibt es jetzt die Online-Plattform „UseMyTec“, die von Heydebreck mit seinem Team an den Start gebracht hat. Über die Idee dahinter und den Nutzer für Vermieter und Mieter von Landmaschinen erzählt von Heydebreck im Interview mit Outfox-World.

Wer steckt hinter „UseMyTec“ und wie ist die Idee dazu entstanden?  

„UseMyTec“ ist eine Tochtergesellschaft der Fewclicks E-Commerce GmbH, ein in Bamberg ansässiges Unternehmen, welches sich auf Digitalisierungsstrategien sowie digitale Transformationen spezialisiert hat. Die Idee entstand zum einem aus der Tatsache, dass es in der Landwirtschaft eine große Überkapazität an Maschinen gibt und viele Landwirte ihre Maschinen nicht optimal ausnutzen können. Zum anderen haben wir die rasante Entwicklung der „Sharing-Economy“ beobachtet, also der Marktplätze, auf denen man sein Eigentum mit anderen teilen kann. Die Menschen teilen ihr Auto, ihre Wohnung und ihren Hund. Was nun die breite Öffentlichkeit für sich entdeckt hat, betreiben Landwirte schon seit jeher, nur nicht voll digital. Diese Brücke möchten wir jetzt mit „UseMyTec“ schlagen.

UseMyTec-Team

Foto: UseMyTec / Das Team

Wie lange arbeiten Sie schon daran?

Die erste Planung begann im November 2016. Da wir wissen, wie eingebunden Landwirte gerade in der Erntezeit sind, haben wir also unter Hochdruck begonnen, eine erste, funktionsfähige Seite online zu bringen, um noch vor der Ernte 2017 am Markt sein zu können. Im Mai war es dann so weit und wir sind mit der Seite online gegangen.

Wie viele Personen sind an dem Projekt beteiligt? Und wie sind Sie da eingebunden? 

Insgesamt sind rund 20 Personen an dem Projekt beteiligt. Neben den üblichen Mitwirkenden in einem derartigen Projekt wie Entwicklern und Grafik-Designern unterstützen rund zehn Werkstudenten der Universität Bamberg den Vertrieb. Ich bin dabei als Leiter der Geschäftsfeldentwicklung für den grundsätzlichen Aufbau des Unternehmens zuständig und bilde die Schnittstelle zwischen dem Produkt, dem Marketing und dem Vertrieb. Dabei kommt mir sicherlich zu Gute, dass meine Wurzeln in der Landwirtschaft liegen und ich zuvor selbst einen Betrieb als Volontärverwalter geleitet habe. 

Für welche Nutzer ist „UseMyTec“ interessant? Welche unterschiedlichen Arten von Maschinen sollen auf der Plattform vermittelt werden? 

Grundsätzlich ist „UseMyTec“ für jeden interessant, der eine Landmaschine besitzt oder benötigt. Der Vermieter kann mit seiner Maschine in Zeiten, in denen er sie selbst nicht nutzt, zusätzliches Geld verdienen. Dabei sprechen wir nicht nur von Landwirten, sondern auch von Landmaschinenhändlern, Herstellern oder Lohnunternehmern. Gerade für größere Unternehmen ist der frühe Einstieg in ein digitales Geschäftsmodell sicherlich interessant. Dem Mieter wiederum bieten wir die Möglichkeit, seine Kapazitäten auch sehr kurzfristig zu erhöhen, wenn es sein muss. Dabei erfährt er volle Preistransparenz und hat zeitgleich die Option, auch neue Maschinen auszuprobieren, die er noch nicht kennt.

Wir möchten all das vermitteln, was es in der Welt der Landtechnik zu finden gibt. Vom Ackerschlepper über den Pflug bis hin zum Mähdrescher, wobei wir darauf achten, dass die Maschinen nicht zu veraltet sind und sich in einem guten Zustand befinden. Schließlich erwarten die Mieter auch, ein einwandfrei funktionierendes Gerät zu erhalten. Daher nehmen wir jedes Inserat nochmal unter die Lupe und sind in der Anfangsphase auch bei der Übergabe vor Ort dabei.

UseMyTec Mockup

Foto: UseMyTec

Was muss ein Maschinenbesitzer tun, um in Ihre Datenbank aufgenommen zu werden? 

Er kann sich einfach unter www.usemytec.com anmelden, Angaben zu seiner Maschine hochladen und fertig. Das dauert nicht länger als fünf Minuten. Wir besuchen unsere Kunden aber auch gerne vor Ort, dann können wir uns gemeinsam mit der Registrierung befassen. Wir erstellen dazu hochwertige Fotos der Maschinen und unterstützen bei den ersten Schritten. Das gibt den Vermietern zusätzlich die Chance, die Menschen hinter „UseMyTec“ kennenzulernen und eventuell aufkommende Fragen direkt zu klären. Für uns sind diese Besuche natürlich auch großartig, da sie uns helfen, die an uns gestellten Anforderungen besser zu verstehen. So können wir sowohl die Plattform und als auch uns selbst kontinuierlich verbessern. 

Wie funktionieren die Suche nach einer Maschine und die anschließende Vermittlung konkret? 

Die Funktionalität ist mit eBay-Kleinanzeigen zu vergleichen. Man gibt seinen Standort ein und kann sich dann in einem Radius von bis zu 50 km alle verfügbaren Maschinen anzeigen lassen. Natürlich ist auch die Suche nach bestimmten Kategorien möglich. Auf einer Karte werden zudem direkt die Standorte abgebildet. Der Mieter stellt dann eine unverbindliche Anfrage an den Vermieter. Sollte die Maschine in dem gewünschten Zeitraum zur Verfügung stehen, stellen wir den Kontakt zwischen Mieter und Vermieter her. Dabei begleiten wir beide Parteien während der gesamten Dauer der Vermietung. 

Was kostet die Miete einer Maschine und was kann der Vermieter verdienen? 

Den Preis und somit auch den Gewinn legt der Vermieter eigenständig fest. Grundsätzlich denke ich, dass niemand seine Maschinen und seine Kostenstruktur so gut kennt wie der Vermieter selbst. Daher werden von „UseMyTec“ keinerlei Vorgaben gemacht. Natürlich leisten wir bei Bedarf aber gerne eine Hilfestellung, wenn es um die Preisgestaltung geht. 

UseMyTec-Übersicht

Foto: UseMyTec / Übersicht

Wie gewährleisten Sie den Versicherungsschutz für alle vermieteten Maschinen? 

Wir arbeiten mit der ERGO-Versicherung als Partner zusammen. „UseMyTec“ ist somit durch eine sogenannte „Regenschirm-Versicherung“ gedeckt. Diese gewährleistet, dass jede Maschine, die über unsere Plattform vermietet wird, ebenfalls diesen Versicherungsschutz genießt. So konnten wir ein sehr attraktives Versicherungspaket schnüren, welches weitreichende Teile des Maschinenbruchs absichert. Zu jeder Vermietung stellen wir Übergabeprotokolle bereit, welche es ermöglichen, den genauen Zustand der Maschine zu dokumentieren. Dadurch können wir gewährleisten, dass auch Schadenfälle, die der Mieter vielleicht selbst nicht bemerkt hat, entdeckt werden.

Wie viele Teilnehmer hat Ihre Idee bislang überzeugt und wann geht es offiziell los? 

Wir haben bisher rund 60 Maschinen auf der Seite. Momentan konzentrieren wir unsere Vertriebs- und Marketingbemühungen hauptsächlich auf zwei Testregionen, die eine in Franken und die andere im nördlichen Niedersachsen. Wir wollen jedoch schon sehr zeitnah ganz Deutschland und im nächsten Schritt auch weitere europäische Länder in Angriff nehmen. Die Seite ist auch schon jetzt deutschlandweit verfügbar. Das Mieten und Vermieten ist also grundsätzlich überall möglich.

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