Reizthema Auslands- und Trophäenjagd

Löwen in Afrika

Zur Auseinandersetzung um die Einfuhr von Trophäen: Wirkungen und Auswirkungen. Ein Beitrag zur aktuellen Initiative einer Abgeordneten-Gruppe im EU-Parlament gegen die Trophäenjagd

Der Druck auf die Trophäen- und Auslandsjagd wächst. Die Jagdgegner geben Gas, die Jäger erkennen, dass es um mehr geht als nur um die Einfuhr von Trophäen. Wie auch bei den Auseinandersetzungen um die politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen der Jagd haben alle Beteiligten immer wieder das Grundsätzliche im Blick. Und es gibt nachweisbar gute Gründe für die These, dass die Jagd zum Erhalt von Tierarten beiträgt – insbesondere, wenn diese gefährdet sind.

Wildtiermanagement erhält Arten, Jagdverbote schützen diese nicht. Das gilt hierzulande, aber insbesondere auch für die Jagd in Afrika, Asien, Australien und Amerika. Dort wo die Wildbestände sich selbst überlassen werden, teilt die Natur das Leben in Starke und Schwache. So gibt es etwa bei den Löwen funktionierende Rudel, aber auch Einzelgänger, die aus der Gemeinschaft ausgestoßen wurden. Dem Menschen wird gerade der berühmte „zahnlose Löwe“ gefährlich. Die Natur hätte für ihn nur das Verhungern parat.

Hyäne

Die Natur funktioniert auch in einer angeblich heilen Welt der Naturparks nach ihren eigenen Regeln, die Menschen oft als grausam empfinden. Gerade dort, wo es noch leidlich intakte Natur und Wildtiere gibt, wissen die Menschen um solche „Grausamkeit“. Und wissen mit ihr umzugehen, auch ums eigene Überleben. Sie profitieren von der Jagd und wissen noch, welche Folgen der Verzicht auf die Jagd hätte – für Mensch und Tier. Sie halten Raubtiere von ihren Siedlungen und Nutztieren fern und jagen schon seit Jahrhunderten so, dass das Wild als eine Nahrungsgrundlage nachhaltigen Bestand hat. Wer verhungern müsste, wenn es kein Wildbret gäbe, hat da ein vitales Interesse. Es verkümmert in einer Realität der Supermärkte und des globalen Lebensmittelhandels.

Wenn Menschen, die noch mit und von der Natur leben, von außen diktiert werden soll, wie dieses Leben zu funktionieren hat, dann stellen sich Fragen. Die Betroffenen stellen sie mit dem nachvollziehbaren Anspruch, dass Argumente und Sachkunde entscheidend sein müssen. Und nicht Emotionen und „gefühlte“ Annahmen. Aber genau solche Gefühle werden zunehmend zur Grundlage der gesellschaftlichen und politischen Meinungsbildung. Die Gegner der Jagd üben Druck aus, gerne mit populären Klischees, die mit der Wirklichkeit nur wenig gemein haben.

„Wenn die Trophäenjagd verboten wird, haben wir kein Einkommen mehr und die Wilderei, die wir unter Kontrolle bekommen haben, wird wieder drastisch zunehmen“

Chunga Chunga, Vorsitzender des kommunalen Hegegebiets Bamunu

EU-Parlament in Straßburg

Aktuell ist die Ankündigung der französischen Umweltministerin, in Europa eine weitere Beschränkung von Jagdtrophäen zu betreiben. Auch die britische Regierung denkt in diese Richtung. Das deutsche Umweltministerium hat bereits dafür gesorgt, dass die EU kürzlich die Einfuhrbestimmungen verschärfte. Wie die USA bei den Löwen-Trophäen soll die Europäische Union die Trophäen-Einfuhr generell beschränken. Das fordert eine Gruppe von EU-Parlamentariern, nicht nur für Löwen oder Elefanten aus Afrika, sondern auch für Tieren von anderen Kontinente.

Die Frage, wie sinnvoll oder unsinnig beispielsweise die Jagd auf Löwen ist, sollten aber erst einmal die fachlich und politisch Verantwortlichen beantworten, die mit Löwen leben. „Das Wissen um die Geschichte der Jagd und des Naturschutzes in Afrika ist wichtig zum Verständnis der heutigen Herausforderungen bei der Erhaltung unseres Wildes“, sagt Gerald Bigurube, Generaldirektor a.D. der tansanischen Nationalparkbehörde TANAPA.

Elefanten und Zebras in Afrika

Dr. Rolf Baldus, der ehemalige Leiter eines großen Naturschutzprogramms in Tansania, ein Praktiker mit umfangreicher Afrika-Erfahrung, spitzt es zu, wenn er davor warnt, dass Tierrechtler mit ihrem Urteil fernab der betroffenen Regionen in „Kolonialherrenmanier“ darüber urteilen, ob Menschen von der Natur profitieren dürfen oder nicht. Man müsse vor Ort die Wildschutzbehörden stärken und die Einheimischen an Schutz und Nutzung stärker beteiligen. Aus Erfahrung weiß er zu berichten, dass die nachhaltig ausgeübte Jagd auch mit dem geordneten Jagdtourismus gestärkt wurde und so der verbreiteten ungeordneten Nutzung durch Wilderei Einhalt geboten wird.

Jagd ist dann nachhaltig, wenn langfristig gewährleistet ist, dass durch das Erlegen von Tieren die Struktur der Population, deren Rolle im Ökosystem und deren langfristiges Überleben nicht beeinträchtigt werden. Das drückt eine UN-Resolution aus, in der es um die Bekämpfung der Wilderei und des illegalen Handels mit Wildtieren geht. Überall dort, wo in verschiedenen afrikanischen Ländern die Kontrolle durch funktionierende Jagdbehörden fehlt, blühen Wilderei und illegaler Handel etwa mit Elefanten-Stoßzähnen und Rhinozeros-Horn.

Nashorn in Afrika

Weiter heißt es in den Erläuterungen zur UN-Resolution: „In Artikel 3 der Konvention über die biologische Vielfalt ist festgehalten, dass es ein souveränes Recht der Nationen ist, ihre eigenen Ressourcen im Einklang mit ihrer Umweltpolitik zu nutzen. Zahlreiche Staaten, darunter viele Entwicklungsländer, nutzen ihre Wildbestände auch durch kontrollierte Jagd. Zunehmend fließen namhafte Erträge daraus mittlerweile der Bevölkerung vor Ort direkt zu bzw. werden in den Schutz des Wildes reinvestiert. Die vorwiegend emotional oder ideologisch begründeten Angriffe der Tierschutzbewegung der Industrieländer auf solche Nutzungsformen werden in den Entwicklungsländern zu Recht als Eingriffe in die nationale Souveränität angesehen. Es ist ethisch bedenklich, wenn Nichtregierungsorganisationen in den reichen Ländern solche Anti-Nutzungskampagnen einsetzen, um auf Kosten armer Staaten und deren ländlicher Bevölkerung selbst Einnahmen zu erzielen. Gerade indigene Völker, die ihr wirtschaftliches und kulturelles Überleben mit der Jagd verbinden, haben unter solchen Anti-Jagd-Kampagnen gelitten und können in ihrer Existenz gefährdet werden“.

Zu der Erklärung der neun EU-Parlamentarier zur Abschaffung der Trophäenjagd, die diese als gesetzliche Regelung anstreben, erklärte Dr. Philipp Harmer, österreichischer Delegierter des Internationalen Rates zur Erhaltung des Wildes und der Jagd (CIC), gegenüber dem Fachsender JagdundNatur.TV: „Würde dieses Gesetz verabschiedet werden, wäre das ein schwerer Schlag für die Wildtiere in zahlreichen Ländern. Denn die können durch die Jagd vor der Ausrottung durch Wilderer bewahrt werden.“

Ein konkretes Beispiel

Eine andere betroffene Stimme kommt in diesen Tagen in der „Allgemeinen Zeitung“ in Windhoek (Namibia) zu Wort. Unter der Überschrift „Jagdstopp bedeutet mehr Wilderei“ werden die Auswirkungen für ein kommunales Hegegebiet im Nordosten des Landes geschildert.

„Wenn die Trophäenjagd verboten wird, haben wir kein Einkommen mehr und die Wilderei, die wir unter Kontrolle bekommen haben, wird wieder drastisch zunehmen“, sagten der Vorsitzende des kommunalen Hegegebiets Bamunu, Chunga Chunga, und der technische Berater, John Musa Mwilima. „Wir sind ein Hegegebiet, wir sind nicht hier, um die wilden Tiere zu töten, wir schützen sie und wollen sie nachhaltig nutzen“, betonte Mwilima.

Wildhüter in Afrika

Die Zeitung berichtet weiter: In dem Hegegebiet leben etwa 3000 Menschen in fünf Siedlungen, in denen jeweils ein Dorfoberhaupt das Sagen hat. Im Jahr 2011 habe man 50.000 Namibia-Dollar durch die Jagd eingenommen, im Jahr darauf 694.000 N$ und im vergangenen Jahr 853.000 N$. Etwa 60 Prozent der Einnahmen gingen an die Mitglieder des Hegegebietes. Mit den restlichen 40 Prozent werden die Gehälter der sieben Wildwarte finanziert.

Dank der Jagd und der Tourismusunternehmen erhalten die Menschen der Region Bargeld und Fleisch, einige eine Arbeitsstelle. Schulkinder werden unterstützt, Transportmöglichkeiten gestellt und – vor allem – Anti-Wilderer-Patrouillen finanziert. „Diejenigen, die gegen die Jagd, gegen Trophäenjagd sind, müssen für die Verluste zahlen, die entstehen, wenn sie die Verbote durchsetzen. Es ist ungerecht, uns die Jagd wegnehmen zu wollen, wenn wir die wilden Tiere schützen und mit ihnen leben müssen“, sagt John Musa Mwilima.

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