Amtliches zum Thema Wolf verwundert und empört

Das Bundesamt für Naturschutz sagt eine Pressekonferenz ab, erntet aber dennoch jede Menge Kritik für seine Handlungsempfehlungen zum Wolfsmanagement.

Wolf im Wald

Foto: Incy

Ausgerechnet beim bereits hitzig diskutierten Thema Wolf hat das Bundesamt für Naturschutz (BfN) jetzt für reichlich Verwirrung und heftige Kritik gesorgt. Eine für Mittwoch angesetzte Pressekonferenz sagte das Amt überraschend ab, ein Beitrag aus der hauseigenen Zeitschrift „Natur und Landschaft“ rief Kritik von Naturschützern und Jägerschaft hervor. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Dr. Till Backhaus zeigte sich „verwundert“ über das BfN.

Am Dienstagabend um 21.34 Uhr hatte die Pressesprecherin des Bundesamts die Pressekonferenz zum Thema „Der Wolf in Deutschland“ abgesagt, die am Mittwoch um 11 Uhr in Berlin hätte stattfinden sollen. Die Veranstaltung müsse „leider verschoben werden“, schrieb Sprecherin Ruth Schedlbauer. Weiter erklärte sie: „Mit der Verschiebung kommt das Bundesamt für Naturschutz dem Wunsch der Bundesländer nach, die aktuellen Informationen vorab und im Umfeld der Umweltministerkonferenz zu erhalten.“ Zu verdanken ist diese Entscheidung also auch dem mecklenburg-vorpommerschen Umweltminister Dr. Till Backhaus. Er hatte am Dienstag in einer Pressemitteilung „Unverständnis“ und „Verwunderung“ darüber geäußert, dass das BfN die Öffentlichkeit ausgerechnet vor der am 15. November beginnenden Umweltministerkonferenz über Bestandszahlen und die Verbreitung des Wolfes informieren wolle. Auch die Präsentation eines Handlungskonzepts mit umfangreichen Empfehlungen durch das Bundesamt hielt Backhaus momentan für unangebracht.

Thematisiert werden die BfN-Managementempfehlungen aber bereits in einem Beitrag, der in der hauseigenen Zeitschrift „Natur und Landschaft“ erschienen ist („Wolfsverhalten – Einschätzung und Handlungsempfehlungen für das Management“). Der Deutsche Jagdverband (DJV) hob dazu zwar lobend hervor, der „amtliche Naturschutz“ erkenne erstmals offiziell an, dass der Wolf keine natürliche Scheu vor dem Menschen hat. Allerdings betrachtet der Verband das skizzierte „Handlungskonzept zum Umgang mit auffälligen Wölfen“ mit großer Sorge: Die „kritiklose Grundhaltung“ sorge dafür, dass die Akzeptanz für den Fleischfresser zusehends schwinde. Laut dem Konzept „verlangt“ es lediglich „Aufmerksamkeit“, wenn Wölfe mehrere Tage weniger als 30 Meter entfernt von bewohnten Häusern gesehen werden. „Ungefährlich“ sei es, wenn Wölfe in der Dunkelheit durch Siedlungen laufen oder tagsüber in Sichtweite von Häusern auftauchen.

„Die Realitätsferne des BfN ist mittlerweile die Hauptursache für das Schwinden der Akzeptanz dem Wolf gegenüber.“

Henrik Wendorff, Präsident des Landesbauernverbandes Brandenburg

Mit drastischen Worten äußerte sich das Forum Natur Brandenburg zu den Handlungsempfehlungen. Henrik Wendorff, Präsident des Landesbauernverbandes und Vorstand im Forum Natur, sagte: „Die Realitätsferne des BfN ist mittlerweile die Hauptursache für das Schwinden der Akzeptanz dem Wolf gegenüber.“ In einer Pressemitteilung heißt es weiter, besonders unverständlich sei, dass der Bund die Problemlage bezüglich der Übergriffe von Wölfen auf Weidetiere nicht erkannt habe. Man könne es nur als Starrsinn bezeichnen, dass Wölfe, die Herdenschutzmaßnahmen überwunden haben und Weidetiere reißen, in Bezug auf die Gefährlichkeit nicht anders bewertet werden sollten als Wölfe, die keine Nutztiere töten. 

Dirk Wellershoff, Präsident des Landesjagdverbandes und ebenfalls Vorstand im Forum Natur, nannte das Konzept „eine verantwortungslose Zumutung für die Bevölkerung in Brandenburg und darüber hinaus“. Die Tatsache, dass Wölfe, die sich über mehrere Tage weniger als 30 Meter entfernt von Wohnhäusern zeigen, als grundsätzlich ungefährlich eingestuft werden sollen, sei eine vollständige Verkennung der Realität. „Wenn diese Zumutung für die Bevölkerung Gegenstand eines zukünftigen Wolfsmanagements werden würde, dann wäre der endgültige Verlust für die Akzeptanz des Wolfes todsicher“, betonte Wellershoff.

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