Auch der Wolfspapst warnt vor Legenden

Momentan geistert wieder ein Film durchs Netz, der die segensreichen Auswirkungen der Wolfsheimkehr in Nordamerika in allerschönsten Farben zeigt. Ausgewiesene Fachleute bezweifeln die perfekte Harmonie.

Wolf

Foto: Steppinstars

Die Rechnung scheint ganz einfach: Mehr Wölfe geben weniger Schalenwild. Das bedeutet weniger Schäl- und Verbissschäden und damit mehr Bäume, zum Beispiel für seltene Vögel. Und mehr Feuchtgebiete, etwa für den Biber. Also alles in Butter.

Wahr ist aber auch: Schon vor fünf Jahren hat ausgerechnet der amerikanische Verhaltensforscher L. David Mech diese heile Welt in Zweifel gezogen. Also genau jener Wissenschaftler, der als Mentor aller Wolfsforschung gilt und auch hierzulande oft und gern zitiert wird. Für Zweifler vorab: die wohl unverdächtige Quelle.

Mech verweist in diesem Aufsatz für die angesehene Wissenschaftsplattform Biological Conservation, Ausgabe 150 (2012) 143–149, zum Beispiel darauf, dass einige Forscher beim Loblied auf den Wolf übersehen haben, dass etwa zeitgleich mit dem Wiedererstarken der Wolfspopulation im Yellowstone 129 Biber ausgewildert wurden und somit die positive Auswirkung der Prädatoren auf den Biberbestand fragwürdig sei.

Solchen Schluss legt, nebenbei bemerkt, auch die Erfahrung in Schweden nahe, wo die Biber eine Haupt-Winterbeute der heimgekehrten Wölfe bildeten. Mech, alles andere als ein Wolfsgegner, warnt vor überhöhter Darstellung der positiven Effekte durch den Wolf, im Interesse der Wissenschaft – und der Wölfe. Und er kommt zu einem klaren Urteil, das einige Fans besonders ärgern dürfte: Nicht die Jäger gefährden das Überleben der Wölfe, sondern die Menschen insgesamt, weil sie den Tieren ihren Lebensraum beschneiden.

Der Wolf ist weder Heiliger noch Sünder – außer bei den Menschen, die ihn dazu machen wollen.

Der Wolf, schreibt der anerkannte Experte, sei weder Heiliger noch Sünder – außer bei den Menschen, die ihn dazu machen wollen. Nebenbei: Auch Altmeister Mech beschreibt die Geschichte von den Fischen, die für den Wald mehr bedeuten als so manches Raubtier: Nachdem die dort eigentlich nicht heimischen Seesaiblinge die angestammten Cutthroat-Forellen immer mehr aus ihren angestammten Gewässern im Yellowstone verdrängten, fehlte den Bären ein wesentlicher Nahrungsbestandteil und sie tun sich deshalb vermehrt an Hirschen und Elchen gütlich. Nicht gänzlich erforscht, aber womöglich für den Waldzustand so wichtig wie die Wölfe.

Wir lernen: Wer nichts von Fischen versteht, kennt auch als Vogelkundler vermutlich nur die halbe Wahrheit. Und lässt sich womöglich gern einen Bären aufbinden.

Sehen Sie hier das YouTube-Video zum Thema:

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