„Blau auf allen Straßen“: Reflektoren als Erfolgsprojekt

Eine Studie der Kreisjägerschaft in Ahrweiler (Rheinland-Pfalz) belegt, wie stark Warnreflektoren dazu beitragen, die Zahl der Wildunfälle zu reduzieren.

Wildwarnreflektor

Foto: Thorsten Neuhaus

Sind Wildwarnreflektoren wirkungslos? Ja, sagt jedenfalls aktuell die Verwaltungsbehörde Hessen Mobil (wir berichteten). Und auch in Niedersachsen gab es unlängst behördlichen Ärger um die von Jägern angebrachten blauen Reflektoren (wir berichteten). Ralf Schmidt von der Kreisjägerschaft in Ahrweiler (Rheinland-Pfalz) ärgert sich schon lange darüber, dass die Wirkung der Reflektoren von verschiedenen Behörden und Institutionen angezweifelt wird. Seine Erfahrungen sind da ganz anders – er hat Outfox-World davon berichtet:

„Nachdem in meinem Revier von 20 Stück Rehwild 17 durch Verkehrsunfälle verendet waren, entschloss ich mich, Wildwarnreflektoren zu installieren. Die entsprechenden Anträge wurden gestellt und ich montierte insgesamt 175 Reflektoren an besonders unfallträchtigen Straßenabschnitten. Insgesamt reduzierten sich die Unfälle im folgenden Jagdjahr um 87 Prozent. Als Obmann für Naturschutz der Kreisjägerschaft Ahrweiler startete ich dann die Aktion ‚Blau auf allen Straßen‘, die von Oktober 2014 bis März 2017 lief. In insgesamt 24 Revieren, die nach unterschiedlichen Biotop-Typen und Topographien ausgesucht wurden, installierten die dortigen Jagdausübungsberechtigten insgesamt 2164 Reflektoren an unfallträchtigen Straßenabschnitten (ca. 105 Kilometer). Aus jedem Revier wurden die Wildunfallzahlen des vorherigen Jahres notiert. Nach genau einem Jahr erfassten wir dann die neuen Zahlen. Insgesamt reduzierten sich die Unfälle von 168 Stücken Fallwild auf 52 Stücke, was einen Rückgang von 116 Stücken, also mehr als 70 Prozent bedeutete.

Aber wie kommen nun derart abweichende Ergebnisse zustande, dass diese Maßnahme mancherorts als wirkungslos propagiert wird? Zunächst muss man bemerken, dass die meisten ‚offiziellen‘ Stellen lediglich die Gesamtunfallzahlen abrufen können. Die Unterscheidung, ob Wildunfälle während der Dunkelheit oder bei Tageslicht passieren, ist Grundlage einer genauen Qualifizierung und der folgenden statistischen Auswertung. Kein Personenkreis – außer Jäger – kann diese Unterscheidung genau erfassen, da die Polizei bei den gemeldeten Unfällen eben diese anruft. Man weiß, dass zwei Drittel aller Wildunfälle zwischen 20.00 Uhr abends und 8.00 Uhr morgens stattfinden, aber auch hier muss man die Unfälle bei ausreichendem Licht (Sommer) abziehen. Auch die nicht gemeldeten Wildunfälle verfälschen offizielle Statistiken. Immer wieder finden Jäger verendetes Wild, ohne zuvor von der zuständigen Polizeistation informiert worden zu sein.

„Bei unserer Studie gab es Reviere mit 100 Prozent weniger Unfällen, aber auch mit 0 Prozent Erfolg.“

Ralf Schmidt

Bei unserer Studie gab es Reviere mit 100 Prozent weniger Unfällen, aber auch mit 0 Prozent Erfolg. Die Spitze war ein Revier mit zwei Wildunfällen mehr als vor der Installation der Reflektoren (im Jahr darauf wurde auch in diesem Revier eine deutliche Reduktion erfasst). Bei unseren Recherchen zu diesen stark differierenden Ergebnissen fielen folgende Fakten auf:

Fruchtfolgen: Raps/Mais bis an den Straßenrand ist die häufigste Unfallursache. Der Lichtreflex wird vom Wild nicht ausreichend wahrgenommen. Im nächsten Jahr traten hier deutliche Verbesserungen ein.
Unfallzeitpunkt: Viele Unfälle werden verzögert gemeldet und es gelingt meist nicht die Unterscheidung von Tageslicht- oder Dunkelunfällen.
Straßenränder: Grundsätzlich kaschiert stärkerer Randbewuchs (Wald) den Lichtreflex ebenfalls. Beste Ergebnisse wurden stets auf dem platten Land registriert.
Hanglagen und Böschungen: Diese Geländestrukturen stellten sich ebenfalls als erfolgslimitierend heraus.
Gewöhnung: Grundsätzlich konnte eine Gewöhnung in keinem Revier festgestellt werden. Hierzu stellt sich auch die Frage: Wie alt wird ein Reh in unseren Revieren?

Aufgrund der Vielzahl dieser Besonderheiten ist es nur möglich, in mehreren unterschiedlichen Revieren und bei längerer Laufzeit eine reale Bewertung zu treffen. Als Fazit teilte ich dem Landesbetrieb Mobilität (RLP) mit: ‚Die Sicherheit von Menschen und Tieren ist hinsichtlich der Fürsorgepflicht Sache des Staates. Wirksame Reflektoren müssten bereits bei der Herstellung in den Fertigungsprozess integriert werden. Diese Praxis würde nur einen Bruchteil dessen kosten, was Jäger aus eigener Tasche investieren müssen. Bei einem Tausch der alten Reflektoren sollten sukzessive Reflektorpfosten montiert werden. Binnen weniger Jahre wären alle Straßen erheblich sicherer, denn auch beschädigte Pfosten würden fortlaufend ergänzt.‘

Leider erhielt ich dazu keine Stellungnahme.“

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