Das Horrormärchen und die Wolfsgemeinde

Die Wolfsgemeinde hat ein neues Problem: In der Presse gibt es nach dem Angriff auf zwei Kinder in Ostpolen kaum noch Fragezeichen hinter der Meldung, dass ein Wolf der Übeltäter war.

Wolf

Symbolbild: Rycky21

Noch ist das Tier nicht untersucht, das unmittelbar erlegt wurde, nachdem es am Dienstag im ostpolnischen Bieszczady-Gebirge einem achtjährigen Mädchen und einem zehnjährigen Jungen in die Beine gebissen haben soll. Aber schon gibt es Schlagzeilen mit eindeutiger Zielrichtung: „Ein Horrormärchen wird wahr“, titeln beispielsweise die Stuttgarter Nachrichten.

Das zielt auf die ständig wiederholte Behauptung der Raubtier-Fans: „Rotkäppchen lügt.“ Unter diesem Motto wurde die Wiederansiedlung der Wölfe nicht nur in Deutschland, sondern auch in Skandinavien vorbereitet. Als Urheber der Kampagne gilt der deutsch-schwedische Verhaltensforscher Erik Ziemen.

Mit dem Verweis auf Grimms Märchen sollten die historischen Quellen über Wolfsangriffe auf Menschen insgesamt in Zweifel gezogen werden. Wahr ist aber auch: Die Urheber dieser Anfänge waren zunächst sehr bescheiden. In Schweden etwa träumten sie von einem Großgehege mit einigen Dutzend Tieren.

Die Schlagzeilen aus dem polnischen Bieszczady-Gebirge kommen heute in einer Phase, in der Wolfsfreunde gar nicht mehr genug bekommen und von 1000 oder gar 4000 Wölfen in Deutschland träumen. Das dürfte schwer werden, wenn der Vorfall in Polen sich bestätigt.

Die Frage, ob es sich bei dem Angreifer überhaupt um einen Wolf handelte, stellen übrigens neben den Fan-Seiten hauptsächlich die Jagd-Medien. Das lässt ahnen, wie sich die öffentliche Debatte entwickeln dürfte, wenn es wirklich zu Übergriffen gekommen ist.

Sicher scheint: Euphorie und Risikoverleugnung sind schlechte Ratgeber, wenn das „Projekt Wolf“ auf die Dauer gelingen soll. Die realistische Sicht von Jägern und Jagdverband ist da deutlich zukunftsfester. Auch weil sie schnelles Handeln möglich macht, wenn Wölfe sich mal wie im Märchen verhalten.

Einen umfangreichen Überblick über das Thema Wolf finden Sie auch hier in unserem Wolfsticker: Hier klicken!

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