Das Wahljahr und die Illusionen 

Das Wahljahr wirft Schatten: Kompromisslose Tierschützer erleben, dass auch Politiker von Grünen und SPD auf Distanz zu Maximalforderungen gehen, um im ländlichen Raum zu punkten.

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Foto: wobogre

Mitunter lohnt sich die Mühe, ein wenig durch einschlägige Internet-Foren zu stöbern. Von den Fans einer bedingungslosen Ausbreitung von Raubtieren bis zu den militanten Jagdgegnern: Die Reaktionen auf den Lernprozess so mancher Mandatsträger reichen dort von Ernüchterung bis zum blanken Entsetzen. Zugleich sind die Versuche offenkundig, von der Verunsicherung der rot-grünen Öko-Stammwähler zu profitieren – von der Linkspartei über die Freidemokraten bis zur AfD.

Immer klarer wird bei diesem Prozess, dass der Konflikt zwischen ländlichen Strukturen und urbanen Befindlichkeiten endgültig als wichtiger Faktor der politischen Auseinandersetzung wahrgenommen wird. Die auf Großstadt-Milieus fixierten Parteien erkennen zunehmend die Risiken des Bruchs mit Landwirten und anderen Naturnutzern wie Jägern und Fischern.

Die Debatte um die Regulierung der heimgekehrten Wölfe zum Beispiel hat längst auch Fan-Seiten erreicht. Vor allem durch das Bemühen der dort traditionell hofierten Parteien, ihre Wackel-Politik zu rechtfertigen. Was nicht selten zu Shitstorm-Reaktionen führt, wie sie bisher nur Bauern- und Jäger-Seiten wie diese hier aushalten mussten.

Seriöse Seiten wie „Wolfsmonitor“, die immer schon kontroverse Debatten und realitätsnahe Beiträge zugelassen haben, geraten in solchen Glaubenskriegen unter Beschuss. Es ist eine gewisse Verzweiflung zu spüren beim Versuch, sicher geglaubte Kampfgemeinschaften über die Wahltermine zu retten, vor allem in Regionen mit noch nennenswerter Präsenz der Grünen im ländlichen Raum, etwa in Baden-Württemberg.

Für Jäger ist die durchaus spannende Entwicklung kein Grund, zurückgelehnt zu genießen. Sie ist die Chance, zu einer sachorientierten Debatte zurückzukehren. Unsere guten Argumente werden dann wieder mehr gehört, wenn wir auf Häme und Beißreflexe verzichten und als Partner für Problemlösungen zur Verfügung stehen – auch für Parteien und Verbände, die bisher glaubten, es sei wichtiger, sich dem Gartenlauben-Zeitgeist anzubiedern.

Klar ist jetzt bereits: Die Zeiten sind vorbei, in denen selbst konservative Parteien in Versuchung waren, sich bei den Öko-Phantasten anzubiedern. Allmacht-Fantasien wie jene, dass sich mit politisierten Veganern Mehrheiten erzielen lassen, werden obsolet. Dafür wächst die Erkenntnis, dass Tofu-Verzehr wohl doch nicht zwangsläufig tragfähige Wahlentscheidungen verhindert.

Während hungrige Sauen Vorgärten zerwühlen und das wirkliche Zusammenleben mit dem Wolf sogar die ersten Hobby-Reiter einholt, scheint so mancher Grabenkampf in der Enthusiasten-Szene eher grotesk als real. Wie der Nabu-Spagat zwischen Artenschutz und Affenliebe zu eingewanderten Störenfrieden wie dem Waschbär. Im Zweifel ist auch dem Balkon-Tierfreund die aufgeräumte Natur näher als die Illusion, dass sich die Dinge von alleine regeln.

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