Der Käfer und das Schalenwild

Die Kommerzialisierung der Staatswälder wird zum Naturschutzproblem – auch für das Wild.

Wald mit Sonnenuntergang

Foto: 12019

Jüngstes Beispiel Hessen: Nach Insider-Auskunft wird dort das Sturmholz, das der Orkan Frederike hinterlassen hat – insgesamt rund 2,4 Millionen Festmeter – nur zögerlich aufgearbeitet und sorgt für erhöhte Borkenkäfer-Gefahr.

Besorgte Privatwaldbesitzer vermuten hinter dieser Politik wirtschaftliche Interessen: Die Angst, dass ein Überangebot die Stammholzpreise verdirbt. Hessen-Forst begründet den schleppenden Fortgang hingegen mit Personalnot und der Sorge, dass das Wild durch den übermäßigen Maschineneinsatz zu sehr beunruhigt wird.

Wahr ist aber auch: Nach großen Kalamitäten mussten sich die Staatsförster – etwa in Bayern – auch schon Vorwürfe anhören, dass sie zu viel Holz auf den Markt gebracht haben und so die Preise ruinierten. Ökonomisch betrachtet hat die Medaille also durchaus zwei Seiten.

In Zeiten allgegenwärtiger Umwelt-Debatten geht es aber nicht mehr nur ums Geld. Das Käfer-Risiko gehört auch zur Urwald-Diskussion und könnte den Waldumbau beschleunigen, weil mehr Flächen für den umweltpolitisch erwünschten Mischwald frei werden.

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Die Sorge vieler Jäger: Der Druck auf das Schalenwild dürfte weiter steigen. Die im Nadelwald angestammten Rot- und Rehwildbestände erschweren das Aufkommen der Laubholz-Pflanzungen. Und das dürfte für noch intensivere Reduktionsjagd im Staatsforst sorgen.

Ob der Verzicht auf konsequente Käferbekämpfung so indirekt für noch mehr Schalenwild-Abschüsse sorgen wird, ist der eine Streitpunkt. Der andere betrifft die Sinnhaftigkeit des Waldumbaus in Grenzlagen. Nicht nur im Nationalpark Bayerischer Wald zeigt sich, dass Nadelhölzer in höher gelegenen Regionen ihren Lebensraum gegen alle Forstpolitik behaupten – gerade, wenn die Natur sich selbst überlassen bleibt.

So oder so: Wenn es nach den erholungssuchenden Normalverbrauchern geht, ist konsequente Käferbekämpfung ohnehin das Mittel der Wahl. So sehr Baumleichen-Urwälder eine überschaubare Zahl von Öko-Touristen begeistern, so sehr klagt der große Rest über Waldgebiete mit Totholz so weit das Auge reicht.

Und wenn sie zwischendurch ein Reh oder gar einen Hirsch erblicken, sind die Freizeit-Waldläufer überwiegend begeistert. Sogar gegen moderne Waldbau-Dichtung: „Ist das Rehlein in der Pfanne, wächst auch ohne Zaun die Tanne“. Könnte auch heißen: "Treibst die Buche du zu Blüte, fehlt die Fichte zur Rendite".

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