Der Minister und die Wölfe

Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel glaubt, dass die Jäger mit schuld sind, wenn die Raubtiere sich rasant vermehren.

Stefan Wenzel

Landesumweltminister Stefan Wenzel (Foto: Grüne Niedersachsen/Tom Figiel)

Wenn Politiker dazulernen, kann das nicht schaden. Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel kann sich vorstellen, dass Wölfe doch gefährlich sein könnten. Nun glaubt er, dass auch die Jäger schuld sind, wenn die Raubtiere sich rasant vermehren.

Fangen wir mit der jüngsten Erkenntnis des Ministers an. Im Interview mit der Hannoverschen Allgemeinen tut Wenzel kund, dass es so viele Wölfe gibt, weil die Jäger zu wenig Rehe schießen: „Je mehr Rehe es gibt, desto größer ist nämlich erwiesenermaßen die Zahl der Beutegreifer. Weniger Rehe würden also auch weniger Wölfe bedeuten.“

Wir wagen hier die Gegenrede, dass die Wölfe womöglich noch mehr Nutztiere reißen, wenn die Jäger ihnen nicht genug Wildbret übrig lassen. Und dass es aus Skandinavien erste Berichte über durch Nahrungsmangel verendete Wölfe gibt.

Und wir erinnern an die alte Weisheit, dass Menschen dazu neigen, „hinterher“ meistens schlauer zu sein. Das gilt wohl auch für Wenzels Interview-Geständnis, dass Wölfe womöglich doch gefährlich werden können: „Mein Vor-Vorgänger im Umweltministerium hatte gemeint, dass nur ‚liebe Wölfe‘ kommen, das war so natürlich nicht haltbar.“

Ohne weiter zu spekulieren, ob Wölfe womöglich erst böse werden, wenn ihnen Jäger die Rehe vor der Schnauze wegschießen, ziehen wir den Hut vor derartiger Lernfähigkeit und schließen uns vollinhaltlich dem Folgesatz des Ministers an: „Uns war immer klar, dass die Rückkehr der hier 150 Jahre lange ausgestorbenen Beutegreifer eine große Herausforderung sein würde.“

Dass Trillerpfeifen gegen allzu zutrauliche Wölfe helfen, will Stefan Wenzel nunmehr nicht unbedingt bestätigen. Er beschränkt seine Einschätzung, dass die Tiere dem Menschen „in der Regel“ nicht gefährlich werden, jedoch auf „gesunde Wölfe“ – und wohl auch auf solche, die gerade keinen großen Hunger haben.

Womit wir bei den Viehhaltern wären, die aus Minister-Sicht irgendwie auch selber schuld sind: „Der Herdenschutz gehört aber zu den Pflichten jedes Weidetierhalters, das ergibt sich auch aus der Nutztierverordnung.“ Außerdem gibt es ja Zuschüsse für Weidezäune und Herdenschutzhunde – und einen Minister, der die Sorgen der Bauern und Schäfer durchaus nachempfinden kann: „Verständnis habe ich auf jeden Fall, ich habe selbst mal Ziegen gehalten.“

Ernste Sorgen müssen sich aber auch die Wölfe nicht machen, wenn es nach dem Minister geht: „Vergrämen oder gar Entnahme eines Wolfes geht erst dann, wenn er Menschen gegenüber zu wenig scheu ist oder wenn Herdenschutzmaßnahmen bei ihm nicht greifen, er also auch mehrmals einen normalerweise wolfssicheren Zaun überwindet.“

Ob die Wölfe jemals einen derart überlebensfähigen Bestand erreichen, dass auch nach den strengen Regeln der Europäischen Union einer Bejagung nichts mehr im Wege stünde, hängt aus Stefan Wenzels Sicht ebenfalls von der Jägern ab: „Einen schnellen Beitrag zur Regulierung könnten jetzt schon die Jäger leisten, indem sie mehr Schalenwild schießen.“

Eine Einschätzung, die ganz nebenbei auch uns betrifft: Unser durchaus ironisch gemeinter Aufruf, dass die Jäger den Wölfen genug Rehe übrig lassen sollten, war womöglich ein nicht unwesentlicher Beitrag zur gelungenen Heimkehr der doch nicht ganz ungefährlichen Tiere. Zumindest, wenn die Wenzel-Rechnung stimmt.

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