Der Tod als unbequeme Wahrheit

In die beiden Fälle in Merseburg und Grünwald waren jeweils Schulkinder und Jäger verwickelt. Sie zeigen die Doppelmoral in unserer Gesellschaft, wenn es um das Töten von Tieren geht.

Wildtiere im Wald

In kurzem Abstand bewegen zwei ähnliche Ereignisse Menschen und Medien: Erst das Abnicken eines Damwild-Tiers bei Merseburg (wir berichteten). Dann der Tod einer Wildsau im Münchner Vorort Grünwald. Beide Ereignisse vor den Augen von Schulkindern, in beiden Fällen mit heftigen Vorwürfen gegen die beteiligten Jäger.

Im Grünwalder Fall ist ein Walderlebniszentrum der bayerischen Staatsforstverwaltung betroffen: Während sich eine Schulklasse nebst Lehrerin im verglasten Pavillon der Anlage Wald und Wild erklären ließ, schleppte sich ein sterbendes Schwein vors Fenster und verendete im zweiten Schuss des zuständigen Jägers.

Das Tier hatte nicht lange gelitten, aber es floss Blut. Ein Schulbub, Asthmatiker, bekam Atembeschwerden, heißt es in der „Abendzeitung“.

Eine Mutter, von Beruf Ergotherapeutin, beschwerte sich: „Das Walderlebniszentrum hat seine Sorgfaltspflicht verletzt.“

Und prompt kam auch ein Tierrechtler von „Animals United“ zu Wort: „Die rasante Vermehrung der Wildschweine ist vor allem auf die starke Bejagung zurückzuführen, da bejagte Wildschweine schneller geschlechtsreif werden, um sich an die Bejagung anzupassen.“

Die Aufregung ähnelt dem Vorfall von Merseburg: Dort hatte die Polizei versucht, Schaulustige fernzuhalten, als der zu Hilfe gerufene Jäger das Tier abnickte. Aber zwei Frauen schafften es nicht, ihre Kinder außer Sichtweite zu schaffen. Sie waren mit der Forderung beschäftigt, das waidwunde Wildtier in eine Tierklinik zu bringen.

Was Kindern im Zusammenhang mit Tod und Sterben zugemutet werden darf, ist sicher eine hochsensible Frage. Nur, solange es Natur gibt, werden sich solche Begegnungen kaum völlig verhindern lassen. Geboten wären dann Gespräche zur Aufarbeitung des Geschehens – wie von der Leiterin des Grünwalder Erlebniszentrums bisher vergeblich angeboten. 

Und geboten wäre ein Nachdenken über den Kreis betroffener Kinder hinaus: Eine Gesellschaft, in der das Sterben im Kreis der Angehörigen zur Ausnahme geworden ist, hat Anlass, ihr Verhältnis zum Tod zu hinterfragen. Und Pietät nicht erst dann einzufordern, wenn Tiere sterben und Ignorieren ausnahmsweise nicht möglich ist.

Dabei könnte ein Abstecher in die nächste Hamburger-Bude eine gute Kulisse geben zur Aufarbeitung des Zusammenhangs zwischen Fleischessen und Tieretöten. Und wir Jäger sind sicher, dass auch Kinder hinterher besser verstehen könnten, was die Jagd besonders macht in einer Gesellschaft, die am liebsten wegschaut, wenn es ums Sterben geht.

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