Der Wolf und die Frauen

Die ARD zeigte zu Pfingsten den ebenso gefeierten wie umstrittenen Film „Wild“. Er handelt von der Liebe zwischen Wolf und Frau. Und steht dabei symptomatisch für die andauernde Wolfsdebatte in Deutschland.

Wolfswelpe in Gewässer

Foto: Tobias Bürger

Es gibt Filme, die muss man gesehen haben, um die kollektive Endzeitsehnsucht einer nach Orientierung gierenden Moderne zu begreifen. „Wild“ ist so ein Streifen. Die ARD mutete das Stück über die auch körperliche Liebe zwischen Frau und Wolf dem Publikum zu Pfingsten zu. Nichts für schlichte Gemüter. 

Wer sich für den Wolf interessiert, kennt die Bilder zur erotischen Facette. Die Frauen, die für ziemlich viel Geld im norwegischen Polar-Zoo mit dem Raubtier tiefe Küsse wechseln und dabei so glücklich wirken. Oder die Internet-Kommentare, die ahnen lassen, dass es beim Thema um viel mehr geht als um Artenschutz und Tierrechte. Um Beziehungen, zu denen Menschen-Männchen scheinbar nur noch eingeschränkt taugen.

Die Feuilletons haben sich vor Interesse überschlagen, als Nicolette Krebitz ihren Streifen vor zwei Jahren präsentierte, meist auch vor Begeisterung. Überwiegend kamen sie auch zu den Schluss, dass die Hauptdarstellerin im Wolf das Wilde sucht, also das Animalische, vielleicht auch die Gefahr und ziemlich sicher Herrschaft. Facetten einer längst überwunden geglaubten Sexualität, inszeniert von einer Filmemacherin, die sich gern mit dem Satz zitieren lässt, dass sie zum Glücklichsein keinen Mann brauche.

Sicher ist: Solche Sicht auf den Wolf ist keine Befindlichkeit verschwindend kleiner Minderheiten. Die erotisch angehauchte Sodomie wird durchaus salonfähig, geht oft einher mit tiefem Misstrauen gegen eine menschgemachte Welt, deren selbstzerstörerische Elemente zunehmend offenkundig werden. Da wirkt das Raubtier wie die Lösung aller Zivilisationsprobleme.

Die Idee, dass wir den Wolf die Natur regulieren lassen, hat sich bereits verbreitet. Nun folgt die nächste Stufe: Ein Geschöpf, das die Jagd im Blut hat, dem das Töten fürs Überleben keine Bewusstseinskrisen bereitet. Das Art und Familie verteidigt mit archaischen Methoden, die der Mensch Seinesgleichen nicht mehr gestatten will. Was die Frage aufwirft, ob derart verstörende Sexualität nicht auch verdrängte Sehnsüchte bloß legt. Bis hin zu den Instinkten, die Wolf und Jäger wohl gemeinsam haben. Nur Letztere dabei konfrontiert mit Skrupeln, die dem Raubtier fremd sind.

Ob die Exzesse der Wolfsliebe dem Objekt der Begierde einen Gefallen tun, steht auf einem anderen Blatt. Der Durchschnittskonsument wird eher verstört zurück gelassen und begreift, dass die Welt der Wölfe wohl nicht mehr seine Welt ist. Sondern eine Utopie, die – zum Exzess ausgelebt – ahnen lässt, dass Traum und Albtraum ganz nahe beieinander sind.

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