Deutscher Ordnungssinn: Eine Naturkatastrophe

„Alte Strukturen gehen immer weiter verloren“, erklärt Ulrich Lanz vom bayerischen Landesbund für Vogelschutz (LBV) und meint damit den Verlust von Lebensräumen durch Wiesenmahd, Monokulturen und Frühjahrsputz.

Rasenmäher

Foto: Counselling

Im Mai und Juni macht es endlich wieder Spaß, raus in die Natur zu gehen – sei es in den eigenen Garten oder aufs Land. Unkraut wird gejätet, der Rasen akkurat geschnitten und auch in Feld und Flur mähen die Bauern ihre Äcker und Wiesen. Frühlingsputz: Alles muss aufgeräumt aussehen. Aber wozu eigentlich? Was vielleicht die menschliche Ordnungsliebe befriedigt, ist für die ökologische Vielfalt eine Katastrophe. Böschungen, Feldränder, Ackerrandstreifen und selbst brachliegende Flächen werden niedergemäht und somit unnötigerweise zu Tode gepflegt, kritisiert ein „Plädoyer für naturnahe Landschaftspflege“ im Donaukurier.

Gerade in einer Kulturlandschaft, die von Monokulturen geprägt ist, sind Wildäcker und Blühstreifen von großer ökologischer Bedeutung. Für Insekten, Säugetiere und Vögel – insbesondere Bienen und Hummeln, Niederwild und Bodenbrüter – sind solche Flächen unverzichtbar, ebenso für heimische Pflanzenarten wie Huflattich, Klee, Kamille, Löwenzahn, Wiesenthymian oder Salbei. Fehlen Blühstreifen und Wildapotheken, wird den Wildtieren eine wichtige Lebensgrundlage entzogen.

„Alte Strukturen gehen immer weiter verloren“, kritisiert Ulrich Lanz vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) im bayerischen Hilpoltstein gegenüber dem Donaukurier. Er meint damit den Verlust von Lebensräumen durch Wiesenmahd, Monokulturen und Frühjahrsputz. „Mit den Pflanzensorten verschwinden auch immer mehr Brutarten wie Lerche, Rebhuhn, Stieglitz oder Wiesenpieper.“ Lanz plädiert dafür, die Ackerränder wenn überhaupt nur noch im Spätherbst zu mähen – auf keinen Fall jedoch jetzt, in der Brut- und Setzzeit, wo Wildtiere besonders schutzbedürftig sind.

 Vielen Jägern liegt das Thema naturgemäß am Herzen, so auch dem Ingolstädter Wendelin Schleicher: „Fasane und Rebhühner finden oft nichts mehr zu fressen, weil wir ihnen die Futterquellen vor dem Schnabel wegmähen“, zitiert ihn die Zeitung. Er ärgert sich über „so viel menschliche Unvernunft“. Doch er möchte nicht pauschal die Landwirte zum Buhmann machen. Vielmehr sollten aus seiner Sicht auch die Kommunen etwas tun: „Muss an Straßenrändern und Bahnlinien auf fünf Meter Breite oder sogar mehr alles weggeschnitten werden? Warum lässt man nicht an Spielplätzen, Schlittenbergen oder neben den Skaterbahnen ein wenig Wildwuchs aufkommen?“, zeigt sich Schleicher verständnislos. „Stattdessen herrscht Kahlschlag fast überall.“

Natürlich kann man nicht von einem Tag auf den anderen die gesamte Landwirtschaft umkrempeln, man muss es aber vielleicht auch nicht. Denn ökologische Vielfalt ist keine Utopie. Um mehr Lebensraum für Insekten, Wildtiere und -pflanzen zu schaffen, müsste aus Sicht von Schleicher vielerorts gar nicht viel passieren, besser sogar: nichts. „Bauern und Kommunen sollten ihre ungenutzten Flächen einfach sich selbst überlassen. Das spart Arbeit, Zeit und Geld.“ 

LBV-Artenschutzexperte Ulrich Lanz und Jäger Wendelin Schleicher sind indes nicht die einzigen, die ein Umdenken fordern. Jäger, Imker und Landwirte haben in den vergangenen Jahren bereits viele ambitionierte Projekte für mehr Artenvielfalt in die Tat umgesetzt. Das Anlegen von Wildäckern oder der Anbau von Energiepflanzen, die als Rückzugsort für Wildtiere dienen, sind nur zwei Beispiele.

Eine Auswahl an spannenden Projekten, Initiativen und Aktionen zum Thema Artenschutz finden Sie hier:

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