„Dürfen wir Tiere essen?“: Asche vs. Wolf

Philosophin Ursula Wolf und Autor und Jäger Florian Asche haben sich im Deutschlandfunk der Diskussion zum Thema Tiere essen gestellt.

Kühe auf einem Bauernhof

Foto: Fred Lehmann

„Dürfen wir Tiere essen. Und wenn ja, unter welchen Bedingungen?“ – unter dieser Frage stand die Diskussion zwischen Philosophin Professor Ursula Wolf und Dr. Florian Asche, Autor von „Tiere essen dürfen. Ethik für Fleischfresser", im Deutschlandfunk. Während die Philosophin es infrage stellt, Tiere töten zu können, ohne ihnen Leid zuzufügen, sieht Florian Asche eine Naturgrundlage im Prinzip vom fressen und gefressen werden. Wir werfen noch einmal einen genauen Blick auf den philosophischen Schlagabtausch.

Abgebissene Ohren und Schwänze bei Schweinen, Pickwunden bei Puten: Bilder von untragbaren Bedingungen in Tierbetrieben begegnen uns regelmäßig in der deutschen Medienlandschaft. Meist steht dabei die Massentierhaltung am Pranger. Auch Philosophin Ursula Wolf stützt ihre Kritik am Konsum von Tieren darauf: „Die Tiere, die wir essen, stammen großenteils aus der Massentierhaltung, die auf das Leiden der Tiere keine Rücksicht nimmt. Dann lässt es sich ethisch nicht rechtfertigen, so gezüchtete Tiere zu essen“, sagt sie. Was das Töten der Tiere betrifft, sehe sie kein eindeutiges Argument, das dagegen spreche. Sie rückt hier vielmehr nur die Massentierhaltung in den Vordergrund. Tiere dürften demnach nicht getötet werden, wenn ihnen Leid entstünde – wie etwa durch deren Haltung und den Transport.

Auch Florian Asche bezeichnet die Massentierhaltung als „problematisch“, allerdings nicht aufgrund der Tierhaltung selbst, denn auch viele Tiere könnten tierschutzgerecht gehalten werden. Vielmehr kritisiert er die „Übersättigung mit Fleisch als quasi beliebiges Produkt“. Hier nähern sich die Positionen an, zumindest wird auf beiden Seiten eine Kritik laut, die den Wert von Tieren betrifft, der durch eine vermehrte Fleischproduktion gemindert wird. Während aber Wolf die „Massentierhaltung“ beziehungsweise industrielle Tierhaltung pauschalisiert, lenkt Asche das Augenmerk direkt auf die Problematik der Wertminderung von Tieren.

Bei der Jagd werden Tiere gezielt entnommen. Ein Einsperren der Tiere, wie Wolf, die industrielle Tierhaltung beschreibt, ist nicht gegeben. Wolf äußert zwar die These, dass sofern man die Tierethik an der Leidensfähigkeit festmache, bei einem überraschenden und schmerzfreien Töten wenig Bedenken bestehen würde. Ob das aber bei der Jagd gegeben sei, stellt sie infrage. „Ich habe Probleme beim Jagen, weil Sie beim Jagen natürlich auch nicht garantieren können, dass das Tier sofort tot ist. Ich meine, das kann sich plötzlich bewegen, anfangen wegzulaufen oder irgendwas, wenn Sie schießen. Und es gibt keine hundertprozentige Sicherheit, dass es sofort tot ist“.

„Wir können nicht die Natur in Ordnung bringen, ist auch nicht unsere Aufgabe.“

Professor Ursula Wolf

Dem stellt Asche entgegen, dass die Tötung eines Wildtieres weitaus schmerzloser sei als der natürliche Tod. „Denken wir uns den Jäger weg, dann altert das Tier, ihm fallen die Zähne aus, es wird von Prädatoren, also Beutegreifern gerissen oder es stirbt an einer Seuche“. Ein zusätzliches Leid werde nicht erzeugt. Wolf sieht aber gerade hier den Menschen als einziges Wesen in der Pflicht, das Zufügen von Leid generell zu unterlassen. Die Natur sei hingegen nicht „unsere Sache“. „Wir können nicht die Natur in Ordnung bringen, ist auch nicht unsere Aufgabe“, erklärt sie. Die Aussage macht stutzig. Der Mensch stehe zwar in der Verantwortung Leid, insbesondere das von Tieren, zu verhindern beziehungsweise gar nicht erst entstehen zu lassen. Die Verantwortung gegenüber der Natur entzieht sie dem Menschen aber gleichzeitig. Gerade Jäger setzen sich aber dafür ein, ein Gleichgewicht in der Natur durch die Hege und Pflege herzustellen, welches in der heutigen Kulturlandschaft einfach nicht gegeben ist. Aus ökologischer Sicht hat eine solche Aussage keinen Bestand. Als Philosophin fehlt es Ursula Wolf hier somit an Praxisnähe.

Ihrer Ansicht nach wäre ohnehin viel zugunsten des Welthungers getan, würde man gänzlich auf Fleisch verzichten. Sie meint: „Dadurch, dass die Nahrungsmittel in Pflanzen erst mal an Tiere verfüttert werden und danach wir erst die Tiere essen, geht ja sehr viel verloren, und Kalorien, die wir sonst zur Bekämpfung des Welthungers zur Verfügung hätten. Dem widerspricht Asche vehement: „Wir wissen ganz genau, dass Welthunger dort entsteht, wo die örtlichen Produktionen brachliegen, insbesondere dadurch, dass wir so bekloppt sind, dort Nahrungsmittel hinzuexportieren, und die örtlichen Märkte töten. Also, man sollte hier sehr, sehr vorsichtig sein.“ Florian Asche glaubt, dass der Mensch entweder anfangen müsste, seine Nahrungsmittel selbst zu gewinnen oder die Dinge wieder wertschätzen. „Oscar Wilde hat mal gesagt: Wir kennen von allem den Preis und von nichts den Wert. Und ich meine, dass wir endlich einmal anfangen müssen, dass vernünftige Tierhaltung auch Geld kostet“, bekräftigte er.

Realismus gegen Emotionalität

In der Diskussion wird deutlich, dass Florian Asche aus sachlicher, realistischer Sicht an das Thema herangeht und durchaus auch Kritik an einem übermäßigen Fleischkonsum äußert. Er stellt schließlich Lösungsansätze vor, wie diesem entgegengewirkt werden kann, um zu verhindern, dass Tiere lediglich als Massenware abgetan werden. Ursula Wolf hingegen wirkt vergleichsweise unsicher. Ihre Sätze sind konfus, teilweise nicht vollendet. Aussagen wie, dass die Natur „nicht unsere Sache“ sei, machen sie als Expertin wenig glaubwürdig, zumal ihr an dieser Stelle schlicht die Argumente fehlen und vor allem der Bezug zur Natur selbst. In diesem Fall wäre womöglich eine Ökologin oder Biologin als Ansprechpartnerin auf Seiten der Tierkonsum-Gegner geeigneter gewesen.

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