Eiertanz um Wolfsmischlinge

Der Protest zeigt Wirkung: Thüringen will den Schießbefehl vermeiden und die Wolfshunde lebend fangen.

Wolf in freier Wildbahn

Symbolbild eines reinrassigen Wolfs: Fernando Schmidt

So blank liegen momentan die Nerven in der Politik: 11.200 Protest-Unterschriften und Thüringens rot-rot-grüne Landesregierung will vom Abschuss der Wolfsmischlinge nichts mehr wissen.

Damit riskiert die Ramelow-Regierung sogar den Verstoß gegen internationale Artenschutz-Abkommen: Die Berner Konvention schreibt die Entnahme von Mischlingen vor – ohne Wenn und Aber. Und mit der ausdrücklichen Begründung, dass der Schutz der ursprünglichen Wolfsgenetik Vorrang hat.

In Schweden, wo jetzt erstmals Wolfsmischlinge nachgewiesen wurden (wir berichteten), gehen die Behörden unter Berufung auf die Berner Konvention sogar einen Schritt weiter: Dort soll neben den Mischlingen auch das Muttertier entnommen werden. Das soll verhindern, dass sich die Wölfin erneut mit einem Hunderüden paart.

Normalerweise haben Wölfe mit Hunden nämlich nichts am Hut. Zumindest nicht sexuell. Deshalb enden Begegnungen so oft mit dem Tod des Hundes. Zu Kreuzungen kommt es überwiegend in der Gefangenschaft. So züchteten russische Militärs und DDR-Grenzer ihre super-mannscharfen Diensthunde.

Auch unter Wolfsfreunden gibt es Sachkundige, denen klar ist: Die Vermischung mit Haushunden gehört zu den großen Lebensrisiken der hier gerade wieder heimisch werdenden Wölfe. Das vom Bund eingerichtete „Dokumentations- und Beratungszentrum zum Wolf“ (DBBW) empfahl den Thüringern deshalb die Tötung der Mischlinge (wir berichteten).

Aber dann kam in Thüringen die Idee auf, die Tiere mit gepolsterten Fallen einzufangen. Was nach Experten-Erfahrung überaus schwierig ist – sogar bei den eben in Bayern entkommenen Gehegewölfen, die längst nicht so scheu sind wie ihre Artgenossen in freier Wildbahn (wir berichteten).

Die schwedischen Experten halten das Einfangen sogar für nahezu sinnlos: Sie sind gebrannte Kinder, seit sie einen Wolf in Lappland mit Millionenaufwand vom Hubschrauber aus betäuben ließen (anders kamen die Tierfänger nicht auf Schussentfernung) und erlebten, dass das Tier nach der Freilassung sich umgehend auf den Rückweg in die Rentier-Weidegebiete machte.

Ob Thüringen sündteure Hubschrauber einsetzt, wenn die Polsterfallen versagen, ist nicht bekannt. Auch nicht, was mit den Mischlingswölfen nach eventuell erfolgreicher Gefangennahme geschehen soll. Ein erster Versuch, in Freiheit aufgewachsene Mischlinge im Gatter zu halten, endete im Jahr 2004 in Sachsen mit einem Fiasko: Die Tiere litten derart unter der Gefangenschaft, dass sie am Ende doch getötet werden mussten.

Mehr Aufmerksamkeit als derart bittere Erfahrungen finden in der interessierten Öffentlichkeit vermeintliche Alternativen: So berichtet die Bildzeitung groß über einen älteren Herrn aus Hessen, der den Mischlingen auf seinem 35.000 Quadratmeter großen Waldgrundstück eine neue Heimat geben will. Thüringens Ramelow-Regierung scheint nicht abgeneigt: „Wir präferieren eine Lebendentnahme, um sowohl dem Artenschutz als auch dem Tierschutz gerecht zu werden.“

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