Ein Forscher macht sich unbeliebt

Die Wolfsgemeinde empört sich über den Forstbiologen Frank Tottewitz. Er will wolfsfreie Zonen und mehr Rücksicht auf die Bevölkerung.

Geschützter Wolf

Foto: Rido7

Der renommierte Forstwissenschaftler Frank Tottewitz macht sich mal wieder unbeliebt. Diesmal mit der These, dass der Wolf in Deutschland nur dann eine gute Zukunft hat, wenn ihn die direkt betroffenen Menschen akzeptieren.

Manche Jäger haben sich auch schon geärgert, weil der diplomierte und promovierte Forstingenieur gegen überhöhte Schalenwildbestände kein Blatt vor den Mund nimmt. Nun legt sich der Wissenschaftler mit der Pro-Wolf-Gemeinde an. In der Zeitschrift des Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei (Thünen Institut) warnt er vor Versuchen, den Wolf zu hegen, ohne die Bevölkerung mitzunehmen. Für Wirbel sorgt vor allem der Schlusssatz des Forschers: „Es wäre fatal, den Dialog erst dann zu suchen, wenn das Ruder bereits aus den Händen geglitten ist und Aktionismus das Handeln bestimmt.“ Den ganzen Text finden Sie hier.

Tottewitz kritisiert darin, „dass der Faktor Mensch in solchen Betrachtungen völlig unbeachtet“ bleibe, wenn Modellrechnungen auf eine mögliche Population von bis zu 440 Wolfsrudeln in Deutschland abzielen. Es gehe dabei nämlich um die Akzeptanz für die dann eintretenden Nutztierrisse und die damit verbundenen Kosten für Entschädigungen und Herdenschutzmaßnahmen. Weil der Fachmann obendrein die Ansicht teilt, dass Abschüsse auch nötig werden könnten, damit die Raubtiere menschenscheu bleiben und nicht in dicht besiedelte Gebiete mit leichter Beute vordringen, scheint die Konfrontation komplett. Was hat ein Forstbiologe sich mit gesellschaftspolitischen Fragen zu beschäftigen, fragen Raubtier-Fans.

Sicher ist: In Ländern mit mehr Wolfserfahrung spielen genau diese gesellschaftspolitischen Fragen eine entscheidende Rolle. Vor allem in Finnland, aber zunehmend auch in Schweden werden Abschussgenehmigungen mit dem Erhalt der sozialen Akzeptanz für die Raubtiere begründet. In der schwedischen Örebro-Region wurde so ein ganzes Rudel „entnommen“. Und auch der Tottewitz-Vorschlag, Wolfsgebiete ebenso wie wolfsfreie Regionen auszuweisen, wird in Skandinavien praktiziert – etwa auf Lapplands Rentierweiden. Dort zugewanderte Wölfe wurden zunächst mit immensem Aufwand umgesiedelt. Inzwischen sind auch die teuren Hubschrauberflüge nicht mehr üblich – vor allem mangels sozialer Akzeptanz beim Steuerzahler.

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