Gastbeitrag: Der Wolf in Deutschland – Ideologien und Fakten

Wölfe

„Der Wolf ist nach Deutschland zurückgekehrt.“ Was die Naturschützer enthusiastisch bejubeln, erfüllt die Schaf- und Mutterkuh-Halter mit großer Sorge (wir berichteten). Auch der Großteil der Jäger in Deutschland sieht die „Heimkehr“ des Wolfes eher skeptisch.

Die Jäger ärgert besonders die bevorzugte Behandlung des Wolfes gegenüber den in Deutschland heimischen übrigen Wildarten. Stellvertretend für die wiederkäuenden Schalenwildarten (ausgenommen das Reh) möchte ich in dieser Gegenüberstellung den Rothirsch dem Wolf gegenüberstellen.

Das Rotwild darf nur in behördlich ausgewiesenen Regionen leben. Verlässt es diese, dann muss es (bis auf sehr wenige Ausnahmen beim männlichen Wild) geschossen werden. Die Populationsdichte orientiert sich an der von dieser Wildart verursachten Schadenssituation am Wald. Die verursachten Schäden bestimmen auch die Höhe der jährlich zu tätigenden Abschüsse. Die Rotwildschäden am Wald werden – meist durch so genannte „Waldwildschadenspauschalen“ – vom Waldbesitzer festgelegt und von den Jagdausübungsberechtigten getragen. Die im Feld vom Rotwild verursachten Schäden werden in voller Höhe ebenfalls von den Jagdausübungsberechtigten bezahlt. Eine Verpflichtung zum Anbringen von Schutzvorrichtungen (etwa Gattern) besteht nicht. Auf alle Aufwendungen für die Jagd zahlt der Jagdausübungsberechtigte zusätzlich eine Jagdsteuer an den Landkreis.

Es gibt keine ausgewiesenen Lebensräume für den Wolf. Er darf sich überall ausbreiten, wo er möchte. Derzeit sollen in Deutschland etwa 400 Wölfe leben. Bei einer Reproduktionsrate von 35 % werden wir im Jahre 2023, also in sieben Jahren, weit mehr als 3.000 Wölfe in Deutschland haben. Schutzvorrichtungen gegen die Wölfe für Schafherden und Mutterkuhhaltungen werden aus Steuermitteln bezuschusst. Ebenso werden Schafs-, Kälber- und Fohlenrisse vom Steuerzahler erstattet. Warum eigentlich nicht von den Grünen und den ihnen nahe stehenden Naturschutz-Organisationen, denen wir die Wölfe ja „verdanken“?

Es würde viel Pfeffer aus der derzeitigen Diskussion genommen, würde man – analog wie beim Rotwild – „Wolfsgebiete“ ausweisen, in denen der Wolf unbehelligt leben kann. Dazu würden sich die großen, ohnehin überwiegend in staatlichem Besitz befindlichen Waldgebiete anbieten, ebenso wie die Truppenübungsplätze. Außerhalb dieser Wolfsregionen müsste der Wolf aber bejagt werden, vor allem dann, wenn er in intensiv land- und viehwirtschaftlich genutzten Landesteilen auftaucht und dort Schäden verursacht.

Das würde auch dem Wolf die Scheu vor dem Menschen erhalten, die ihm teilweise – siehe Munsteraner Rudel – durch allzu große Nähe zum aus seiner Sicht ungefährlichen Menschen abhanden gekommen ist.

Ist das Rotwild nur ein Schädling?

Es würde auch das Unverständnis vieler Menschen in unserem Lande, vor allem der Jäger, abbauen helfen, die nicht einsehen wollen, dass das Rotwild in Deutschland nur noch als Schadensverursacher angesehen und behandelt wird, während die Wölfe wie Mutter Teresa mit einem Heiligenschein durch Deutschland traben dürfen.  

Bernd Krewer

Bernd Krewer. Förster, Autor und Jäger.

Was ist für ein bürokratischer Aufwand notwendig, wenn das Kind einer Hartz-IV-Empfängerin eine Computertomografie zur Abklärung eines Krankheitsbildes benötigt? Wird ein verendeter Wolf gefunden, dann ist das Geld für eine CT da. Man will ja die Todesursache finden und damit vielleicht einen Jäger überführen. Da spielen die paar hundert oder gar tausend Euro keine Rolle. Wer zahlt das wohl?

In welcher Welt leben wir eigentlich?       

In Deutschland wohnen etwa 240 Menschen auf dem Quadratkilometer, in Polen die Hälfte davon und in Kanada drei – und Deutschland hat das dichteste Straßennetz Europas. 

Deutschland ein Wolfsland? Ganz sicher nicht. Es wird bald mehr Probleme mit den Wölfen geben, als wir lösen können. Irgendwann wird man die Jäger bitten (müssen), helfend einzugreifen. Ich jedenfalls werde mich dann sehr, sehr lange bitten lassen… 

Noch haben Ideologien die Oberhand und Fakten werden einfach ausgeblendet und ignoriert. Das kann und wird nicht lange gut gehen!

Zum Autor:

Bernd Krewer, Jahrgang 1939, hat jahrzehntelang als Förster gearbeitet, ist ein ausgewiesener Fachmann der Jagdkynologie, Nachsuchespezialist, Richter bei Jagdhundeprüfungen und Sachbuchautor. Er lebt in Kinderbeuern im Alftal, ist verheiratet und hat drei Kinder. 

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