Gehirnwäsche im Klassenzimmer

Radikale Tierschützer wollen jagdliche Naturbildung aus Schweizer Klassenzimmern verbannen. Wortführer Carl Sonnthal meint, dass Jäger in Schulen und Kindergärten „eine sektenartige Image-Kampagne betreiben“ und sammelt jetzt Unterschriften.

Klassenzimmer

Foto: Taken

Jäger in der Schweiz sind ähnlich wie in Deutschland und anderen Ländern in der Naturbildung aktiv. Ob im Klassenzimmer, hautnah im Wald oder mit Unterrichtsmaterialien im Netz: Die schweizerischen Jäger wollen der zunehmenden Naturentfremdung entgegenwirken und informieren die Kinder engagiert über Jagd und Natur.

Diese bewährte Form der Naturpädagogik ist radikalen Tierschützern allerdings ein Dorn im Auge. Weil sie besorgt sind, dass Jäger in den Klassenzimmern ihre Kinder manipulieren wollen, hat die schweizerische Jagdgegner-Gemeinschaft „Wild beim Wild“ um Carl Sonnthal jetzt eine Petition gestartet, berichtet Blick.ch.

Wir erinnern uns: Carl Sonnthal ist inzwischen schon fast eine Institution in der Tierrechtsszene. Vor einiger Zeit zeigte er ein schweizerisches Jagdmagazin an, weil es angeblich gewaltverherrlichende Bilder verbreitete. Mit der Strafanzeige blitzte er bei der Staatsanwaltschaft ab (wir berichteten). Bereits 2009 hatte Sonnthal es mit einer anderen interessanten Idee in die Schlagzeilen geschafft. Damals forderte er, dass Fleischesser beim Restaurantbesuch in ein Separee verbannt werden sollten. Schließlich sei es verstörend, insbesondere für Kinder, überall auf Tierleichen zu stoßen, sagte Sonnthal damals. Das neue Projekt des Tessiners ist jetzt offenbar die Petition gegen das pädagogische Engagement der „Hobby-Jäger“.

Unterrichtsmaterialien sehr gefragt

„Seit geraumer Zeit ist zu beobachten, dass Hobby-Jäger in Kindergärten und Schulen eine sektenartige Image-Kampagne betreiben, mit dem Ziel, unsere tierliebenden Kinder an das grausame Hobby Jagd heranzuführen“, heißt es in der Petition. Die Manipulation der Kinder erfolge nach spielerischer Methode und werde als Naturschutzprojekt beworben. Auch die üblichen Genozid- und Kriegsvergleiche finden sich im Petitionstext.

Tatsächlich sind die schweizerischen Jäger in der schulischen und außerschulischen Naturbildung sehr engagiert. David Clavadetscher vom Verband Jagd Schweiz erläuterte gegenüber Blick.ch, dass die Jäger auch Unterrichtsmaterialien im Internet zur Verfügung stellen. Im Fokus stehen je nach Jahrgangsstufe neben heimischen Wildtieren und Pflanzen auch die Beziehung zwischen Mensch und Tier, die Kulturlandschaft und das Thema Biodiversität. Das Angebot ist äußerst gefragt: Über 36.000 Unterrichtseinheiten wurden seit dem Start des Online-Angebots bereits heruntergeladen. Aus Sicht der radikalen Tierschützer dürfte diese Zahl geradezu alarmierend sein.

CSU-Politikerin Unterrichtsmaterialien von Peta

Was aber könnte die Alternative für dieses angeblich so „gewaltverherrlichende“ Unterrichtsprogramm sein, das der Petition zufolge auch noch gegen die UN-Kinderrechtskonvention verstoßen soll? Vielleicht lassen sich die schweizerischen Tierrechtler ja von ihren Kollegen der Tierrechtsorganisation Peta inspirieren. Diese hatten im vergangenen Jahr ungefragt Unterrichtsmaterialien an deutsche Grundschulen verschickt (wir berichteten). Darin enthalten: süße Tierbilder, eine vegane Ernährungspyramide und eine Menge schlecht getarnter Tierrechts-Propaganda. Statt einer fundierten Naturbildung lernen die Schulkinder in den Materialien vor allem, Jagd und Landwirtschaft mit Tierquälerei und Grausamkeit in Verbindung zu bringen.

Die CSU-Politikerin Marlene Mortler hatte die Aktion der Tierrechtler damals so auf die Palme gebracht, dass sie Deutschlands Lehrer aufrief, das Peta-Unterrichtsmaterial direkt in den Papierkorb zu werfen (wir berichteten). „Ideologiegetrieben wird definiert, wer gut und böse handelt. Landwirte und Jäger werden als quälende und rücksichtslose Menschen diffamiert. Sieht so eine offene und wertungsfreie Vermittlung von Tierschutzfragen aus?“, so Mortler. Sie empfahl den Lehrkräften, statt Peta-Propaganda zu unterrichten lieber mit den Schülern Landwirte und Jäger vor Ort zu besuchen.

Initiative fordert Verbot der Jagd – voraussichtlich erfolglos

Tatsächlich überrascht es wenig, dass es die schweizerischen Tierrechtler nun auch auf das pädagogische Engagement der Jäger abgesehen haben. Die Jagdgegner-Szene in der Schweiz ist bekanntlich recht aktiv im Kampf gegen die so genannten „Hobby-Jäger“. So fordern die Aktivisten auch immer wieder ein Verbot der Jagd, wie aktuell etwa in Zürich. Die Jagdverbotsinitiative aus dem Umfeld der Tierpartei Schweiz will die Jagd verstaatlichen und die „Hobby-Jagd“ verbieten – doch selbst Vertreter der Grünen und der Sozialdemokraten signalisierten jetzt laut einem NZZ-Bericht, dass sie dem Volksbegehren eine Absage erteilen wollen. Unter anderem deswegen, weil es die Steuerzahler zwischen 20 und 30 Millionen Franken jährlich kosten würde, die Arbeit der privaten Jäger zu ersetzen.

Abschließend noch ein kleiner Überblick über die zahlreichen schulischen und außerschulischen Naturbildungs-Aktionen von Jägern:

TV-Beitrag: Reviertag begeistert Kinder für Jagd
Jägerin bringt Kindern die Natur nah
Jäger begeistern Kinder für die Natur
Jäger erklären Kindern die Natur
Jägerstiftung will Deutschland wieder wild machen
Kinder retten Rehkitze
Geleber Naturschutz: Jägerin Anne-Marie Prem stellt uns ihren Tierschutzhof vor
Jugendgruppe des Hegerings setzt sich für den Naturschutz ein
Sachbuch erklärt Kindern die Landwirtschaft
Waldjugendspiele: Riesiges Interesse an Exkursion in die Natur

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