Goodbye, Muffelwild!

Am Czorneboh haben Wölfe das Mufflon-Schaf beinahe ausgerottet – von über 150 Tieren sind nur noch etwa zehn übrig. Was uns das Mufflon-Sterben über den Wert eines Tierlebens verrät.

Mufflons

Symbolbild: Marc-André Rehberg

Die Menschen in Lawalde in der Lausitz trauern um ihre Mufflon-Schafe: Einst lebten hier rund 150 Tiere in der freien Natur, nun sind nur noch etwa zehn übrig geblieben. Der Grund für ihr Verschwinden: Der Wolf ist hier heimisch geworden. „Bei Ausritten haben wir oft die Mufflon-Herde am Waldrand weiden sehen“, erinnert sich eine Bewohnerin gegenüber sz-online.de. „Das war immer so ein schöner Anblick“ – einer, den sie so wohl nie wieder erleben wird. Denn durch die Wölfe sind die Mufflons fast ausgerottet worden. Dieses Artensterben wirft tierethische Fragen auf.

Doch zunächst zur über 100-jährigen Geschichte des Mufflon-Schafs in der Lausitz. Aus Sardinien und Korsika brachte man es nach Deutschland, wo seither insgesamt rund 8000 Tiere leben, viele davon in der Lausitz. Vor wenigen Jahren prognostizierten Experten in einem Bericht der „Welt“ bereits, dass der Wolf den Wildschafen auf Dauer keine Chance lassen würde, wenn er sich weiter ausbreitet. Dabei wird den Mufflons ihr Fluchttrieb zum Verhängnis: Da sie normalerweise nur kurze Sprints brauchen, um sich in ihrer gebirgigen Heimat in Sicherheit zu bringen, haben Wölfe im Flachland leichtes Spiel. Die holen sich erfahrungsgemäß das, was sie am leichtesten erreichen können.

Viele Wolfsfreunde wollen das dem Bericht der Sächsischen Zeitung zufolge nicht wahrhaben. Sie meinen, das Mufflon-Schaf wäre in Deutschland ohnehin nicht heimisch – ursprünglich stammt die Art tatsächlich aus Asien. Spätestens hier ist ein kurzes „Moment mal!“ angebracht. Denn bei anderen Tierarten wird auch gerne mal andersherum argumentiert. Zum Beispiel bei einem gefräßigen, aber niedlichen Einwanderer aus Nordamerika: „Durch umsichtiges Verhalten ist ein friedliches Neben- und Miteinander von Mensch und Waschbär möglich“, schreibt man beim Nabu über den Waschbären, der in der Vergangenheit schon für interessante Diskussionen zwischen Basis und Spitze der Tierfreunde sorgte (wir berichteten) und der unterdessen unseren Bodenbrütern und Feldhamstern zu Leibe rückt (wir berichteten). Warum sollten Mufflons also weniger schützenswert sein als Waschbär oder Wolf? Weil die Schafe hier angeblich nicht heimisch sind?

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„Mufflons sind schon lange in Sachsen. Wir betrachten sie als heimische Art“, meint jedenfalls Mediziner und Wolf-Sachverständiger Dr. Adolf Wirth. Das Argument, dass das Mufflon nicht nach Deutschland gehöre, will er nicht gelten lassen. Tatsächlich ist das Argument nicht nur nach einer Mufflon-Population von über 100 Jahren ungültig; es wird auch unglaubwürdig, wenn damit einer Tierart mehr Wert beigemessen wird als einer anderen. Dabei kritisieren Tierschützer und Wolfsfreunde oft genug das tierethische Dilemma, dass das Leben eines Nutztiers vermeintlich weniger wert sei als das eines Haustiers.

Sobald Tierschutz-Galionsfiguren wie Wolf, Waschbär und Co. auf den Plan treten, sind andere arten plötzlich zweitrangig

Doch die Wolfsfreunde tragen nichts dazu bei, dieses Dilemma zu lösen – das zeigt das Mufflon-Sterben in der Lausitz. Stattdessen verstricken sie sich immer mehr darin. Sobald Tierschutz-Galionsfiguren wie Wolf, Waschbär, Luchs und Co. auf den Plan treten, sind andere Tierarten plötzlich zweitrangig. Man erinnere sich beispielsweise daran, wie Ehrenamtliche vom Nabu Schutzzäune für Kröten, Frösche und Molche errichteten, damit sie nicht von Autos plattgefahren werden; nur um dann festzustellen, das Waschbären die Eimer als Snackstation benutzen (wir berichteten). Ein Ehrenamtlicher, der daraufhin eine ganzjährige Bejagung von Waschbären forderte, wurde von den Nabu-Oberen zurückgepfiffen (wir berichteten). Oder man denke an die unzähligen Fälle von unnötigem Tierleid, das dank dem Wolf zwischen Weidezäunen und Stallwänden stattfindet. Wahlweise wird das Leben von Nutztieren dann wieder aufgewertet, wenn man Haltungsbedingungen anprangern oder eine vegane Lebensweise unter die Leute bringen will.

Man sieht also: Welches Tierleben einen Wert hat, entscheiden selbsternannte Tierfreunde nach ihren ganz eigenen Kriterien.

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