Grabenkämpfe unter Wolfsfreunden

Unter den Wolfsfreunden macht sich eine Spaltung bemerkbar, zwischen Fundamentalisten und Realisten – eine Analyse.

Ein Wolf

Zoff unter Wolfsfreunden: In der Szene bekannte Wortführer gehen aufeinander los, seit es in Sachsen den neuen Verein „Wolfsschutz Deutschland“ gibt. Eine Spaltung zwischen „Fundis“ und „Realos“ – wie bei den Grünen? Sicher ist: Die Akteure bekämpfen sich auf offener Bühne und mit harten Bandagen. „Einen solchen Verein haben die Wölfe nicht nötig“, schreibt der in diesem Umfeld geachtete Forstmann und Jäger Ulrich Wotschikowsky auf seiner „Wolfsite“. Dafür schimpft ihn die Gegenseite einen „selbsternannten Wolfsexperten“ und attackiert ihn mit einschlägiger Jäger-Schelte: „Ein Jägermeister auf Kriegszug!“

„Wotsch“, wie Wotschikowsky in der Szene gern genannt wird, ist einer der bekanntesten Wolf-Befürworter in Deutschland – und zugleich Jäger. Allein schon dieser Umstand macht den Mann aus den Ammergauer Bergen in solchen Kreisen offenbar verdächtig, obwohl er sich zugleich gerne mit dem traditionsbewussten Waidwerk anlegt. Auf der Gegenseite finden sich sattsam Bekannte: Vereinsvorsitzender bei „Wolfsschutz Deutschland“ ist jener Wolfgang Riether, der es bis in überregionale Zeitungen brachte, als er seinen Posten als langjähriger Geschäftsführer beim sächsischen Landesverband des BUND im Unfrieden räumen musste. Auch damals ging es um Fundi-Streit wie die Frage, ob Windräder der Preis für den Atomausstieg sein dürfen. Und um viel schmutzige Wäsche.

Riether beruft sich auf persönliche Bekanntschaft mit jenem Erik Ziemen, der zu den „Vätern" der Wiederansiedlung von Wölfen in Europa zählt. Ziemen, ein Schüler des bekannten Verhaltensforschers Konrad Lorenz, gilt als Schöpfer des Schlagworts „Rotkäppchen lügt", mit dem vom Nordkap bis in die Abruzzen die „Heimkehr“ wilder Wölfe vorbereitet wurde. In Deutschland machte der gebürtige Schwede Angst-Schlagzeilen, als einige seiner im Bayerischen Wald gezüchteten Zahm-Wölfe ausbüxten.

Die Frau im Wolfsschutz-Boot heißt Brigitte Sommer und arbeitet als freie Journalistin, seit Jahren hauptsächlich zum Thema Wolf, gern auch für Seifenoper-Blätter. Gefunden haben sich die Führungskräfte der neuen Raubtier-Gruppe in der „Grünen Liga“, einem Dachverband, der sich im Zusammenhang mit den Grabenkämpfen beim sächsischen BUND formierte und kompromisslos gegen jegliche „Entnahme“ von Wölfen auftritt. Ein weiteres Merkmal dieser „Grünen Liga“ ist die herzliche Abneigung gegen die Partei der „Grünen“, die dort als Handlanger der Öko-Energie-Industrie gilt. Ein Thema, das im BUND schon für prominente Austritte sorgte. Enoch von und zu Guttenberg etwa, Star-Dirigent und Ex-Minister-Vater, verließ Deutschlands wichtigsten Umweltverband in diesem Windmühlen-Streit.

Ob nun auch der Wolf seine Freundeskreise spaltet, scheint eine eher offene Frage.

Ob nun auch der Wolf seine Freundeskreise spaltet, scheint eine eher offene Frage. Von Bedeutung ist dabei ein gewisser Ernüchterungsprozess, der sich durchaus auch als Realitätssinn verstehen lässt. Selbst die Einlassungen einiger bekennender Wolf-Befürworter sind deutlich vorsichtiger geworden, seit die Raubtiere in immer mehr Regionen zum Alltag der Menschen gehören. Und seit die früher höchst vorbehaltlose Unterstützung aus dem rotgrünen Parteienspektrum bröckelt.

Ob da Raum entsteht für einen neuen, kompromisslosen Pro-Wolf-Verein, ist eine durchaus spannende Frage. Zumindest besteht Hoffnung, dass sich die Spreu vom Weizen trennt. Auf seriös-positiven Internet-Foren wie „Wolfsmonitor“, wo auch kritische Stimmen zu Wort kommen, ist bereits Stimmungswandel zu spüren – nicht nur, weil das Spendenkonto ganz oben steht beim Internet-Auftritt von „Wolfsschutz Deutschland“.

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