Grüne Fantasten im „Fachgespräch“

Die grüne Landtagsfraktion in Hessen diskutierte mit Natur- und Tierschützern über den Umgang mit invasiven Tier- und Pflanzenarten wie Waschbär, Nilgans & Co.

Waschbär im Wasser

Foto: Mingo123

Für die Grünen war es ein „Fachgespräch“ – echte Fachleute wären aber vermutlich schreiend aus dem Raum gelaufen, hätten sie miterleben müssen, was da jetzt auf Einladung der grünen hessischen Landtagsfraktion vor sich ging. Eigentlich sollte das Gespräch über „Fragen zum Umgang mit Neobiota“ einem „konstruktiven Dialog“ darüber dienen, „wie wir in Zukunft mit Tier- und Pflanzenarten umgehen, die von Natur aus nicht in unserer Naturlandschaft vorkommen“. So erläutert es Ursula Hammann, die Fraktionssprecherin für Natur- und Tierschutz. Wobei die Herausforderungen aus Hammanns Sicht eigentlich gar nicht so gewaltig sind: „Von einigen Neobiota gehen keine Gefahren für unsere Natur oder Gesundheit aus, und sie haben auch keine negativen wirtschaftlichen Auswirkungen. Dennoch können invasive Arten Probleme bereiten, denen man begegnen muss.“ Und so trafen die Grünen sich nun mit „Fachexpertinnen und -experten aus den Bereichen Wissenschaft, Naturschutz und Tierschutz“.

Dabei drehte es sich vor allem um den in Hessen sehr weit verbreiteten Waschbären. Ursula Hammann räumt ein, dass das Tier zum „Störenfried in Haus und Hof“ werden kann. „Die Frage ist nun, wie er sich in der freien Wildbahn verhält, ob er beispielsweise als Schädling für die heimische Artenvielfalt auftritt“, schreibt die grüne Natur- und Tierschutzexpertin weiter und ist sich da offenbar nicht so sicher. Angesichts „etwaiger negativer Auswirkungen“ sei es beim „Fachgespräch“ vor allem um Möglichkeiten gegangen, die nicht allein auf das Töten der Tiere abzielen – „etwa Immunkastration der Waschbären, Vorrichtungen an Häusern, die Waschbären den Zugang verhindern, oder Schutzeinrichtungen gegen Eierklau an Vogelnistplätzen“.

„Es ist nie bewiesen worden, dass eine hessische Gelbbauchunke von einem Waschbären gefressen wurde.“

Thomas Norgall vom BUND

Statt auf die spannenden Details dazu einzugehen, belässt es Fachfrau Hammann dabei, lediglich auf die noch laufende Online-Anhörung zu invasiven Arten in der EU (wir berichteten) zu verweisen. Weitere Einzelheiten darf der interessierte Leser dann einem verlinkten Zeitungsbericht entnehmen. Demnach sprach sich Hessens Tierschutzbeauftragte Madeleine Martin bei dem „Fachgespräch“ dafür aus, unerwünschte Spezies mit „Anti-Baby-Pillen“ zu füttern, und Thomas Norgall vom BUND sagte: „Es ist nie bewiesen worden, dass eine hessische Gelbbauchunke von einem Waschbären gefressen wurde.“ Den Vogel schoss jedoch ein anderer ab: Stefan Stübing von der hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz schlug dem Bericht zufolge vor, am Boden brütende Kiebitze mit einem Elektrozaun zu schützen und Horstbäume mit Manschetten zu versehen. Über die Kosten und den Realitätssinn dieser Vorschläge wollte offenbar leider kein Grüner mit Stübing diskutieren.

Frau Hammann, Herr Stübing, daher nur schnell einige Fragen, die uns brennend interessieren: Wie zäunt man wildlebende Kiebitze eigentlich ein? Woher kommt der Strom für den Elektrozaun? Wer schneidet am Zaun regelmäßig das Gras, damit dieser auch weiter Strom führen kann? Wie stört man die brütenden Tiere dabei nicht? Wer bezahlt diese Maßnahmen? Und was würde es kosten, dann zusätzlich noch zahlreiche Horstbäume mit Manschetten zu bestücken? Was machen dann die vielen anderen harmlosen Tiere, die gerne an den Bäumen emporklettern würden? Wir freuen uns schon auf Antworten, gerne unten in den Kommentaren!

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