„Gutes Gefühl“: Umweltministerin Hendricks hört auf

Die SPD-Politikerin, die dem nächsten Kabinett nicht mehr angehören wird, brachte unter anderem Landwirte und Jäger gegen sich auf. Ein Abgesang.

Barbara Hendricks

Foto: BMUB/Thomas Imo

So langsam gibt es Personal-Klarheit bei der SPD: Nicht nur Sigmar Gabriel wird im neuen GroKo-Bundeskabinett fehlen. Wie heute bekannt wurde, nimmt auch die bisherige Umweltministerin Barbara Hendricks ihren Hut. Gegenüber RP Online sprach die 65-Jährige von einem „guten Gefühl“. Genau das werden angesichts der Neuigkeit auch zahlreiche Landwirte, Jäger und Naturnutzer spüren.

Hendricks erklärte: „Ich werde der neuen Bundesregierung nicht angehören.“ Sie sei jedoch „dankbar“, dass sie in den vergangenen vier Jahren dem Land, seinen Menschen und ihrer Partei habe dienen dürfen. Weiter sagte die SPD-Politikerin: „Ich gehe mit einem guten Gefühl aus diesem Amt, weil ich glaube, dass ich dazu beitragen konnte, Positives für unser Land und für die Umwelt bewegt zu haben.“

Bemerkenswert, dass Hendricks dies selbst auch nur „glaubt“ und nicht wirklich „weiß“. Etliche Nutzer des ländlichen Raums dürften ihre Selbsteinschätzung jedenfalls kaum nachvollziehen können. War Hendricks doch in den vergangenen Jahren immer wieder für einen Aufreger gut. Und ein vermutlich allerletzter gelang ihr jetzt sogar zum Ausklang ihrer Amtszeit noch – indem das Bundesumweltministerium anlässlich des Weltartenschutztages das Schreckensszenario eines Afrikas ohne Löwen zeichnete. Für den Deutschen Jagdverband schlicht ein „Märchen“.

Die größte Entrüstung löste Hendricks zweifelsohne im Februar 2017 mit ihrer millionenschweren „Bauernregeln“-Kampagne aus. Deutsche Landwirte liefen Sturm gegen die offiziell im Namen des Ministeriums entwickelten Sprüche wie „Steht das Schwein auf einem Bein, ist der Schweinestall zu klein“. Wegen der pauschalen Verhöhnung der gesamten Bauernschaft prasselte reichlich Kritik auf Hendricks nieder – sogar Forderungen nach ihrem Rücktritt wurden laut, bevor sie schließlich die Notbremse zog, die Kampagne stoppte und in einem Video Stellung bezog. Den Landwirtinnen und Landwirten, die sich in ihrer Berufsehre verletzt gefühlt haben könnten, sagte Hendricks: „Das tut mir leid.“

Auch mit Vorschriften zum Essensangebot im Umweltministerium machte Hendricks sich unbeliebt

Kaum war dieses Fiasko wenige Tage vorüber, da machte die Politikerin sich auch schon mit Vorschriften zum Essensangebot im Umweltministerium unbeliebt. Der Plan: Bei Veranstaltungen in ihrem Hause sollte es für die Gäste künftig weder Fisch noch Fleisch, sondern vegetarische Biokost geben. Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) zeigte sich entrüstet. Für ihn war das nicht weniger als ein „Veggie-Day durch die Hintertür“ (wir berichteten).

Auch beim Thema Wolf und dessen Management lag Hendricks vermutlich viel „Positives für unser Land“ am Herzen. Schließlich soll sie hier zuletzt sogar versucht haben, eine Sitzung der GroKo-Verhandler zu stürmen (wir berichteten). Damit scheiterte sie dann letztlich aber genau so wie im Juni 2017 mit ihrem Versuch, eine weitere Verschärfung der Trophäeneinfuhr bei der EU-Kommission zu erreichen (wir berichteten). 

Wie schön, dass Barbara Hendricks jetzt nicht nur mit einem „guten Gefühl“ zurückschaut, sondern auch den Blick nach vorn richtet. Gegenüber RP Online sagte sie, ihrer Nachfolgerin beziehungsweise ihrem Nachfolger wünsche sie „Glück und vor allem Kraft, diese Entwicklungen weiter voranzubringen“. Und weil ihr das offenbar noch nicht schwierig genug erscheint, setzte Hendricks noch einen Zukunftswunsch obendrauf: „Meiner Partei wünsche ich, dass sie nun zu alter Stärke zurückfindet.“

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