Hiobsbotschaften aus Griechenland

In Griechenland wurde eine Touristin mutmaßlich von Tieren getötet und verspeist. Der tragische Vorfall entlarvt die Beißreflexe in der Raubtier-Diskussion – bei Befürwortern wie Gegnern.

Wolf

Foto: Tobias Bürger

Zunächst die unstrittigen Tatsachen: Die Engländerin wurde auf einer Wanderung angefallen, in Stücke gerissen und zu großen Teilen verspeist. Stücke der Leiche wurden vom Tatort verschleppt. Das Skelett wurde bisher nicht vollständig gefunden.

Der Gerichtsmediziner vermutete einen Wolfsangriff und zog einen Tierarzt hinzu, um sicherzugehen. Die beiden Mediziner stellten fest, dass sich der Anfangsverdacht erhärtet habe: Beide Oberschenkelknochen des Opfers waren durchgebissen. Dazu genüge die Beißkraft eines Hundes nicht.

Nun sollen DNA-Tests Klarheit bringen. Das dauert in Griechenland wohl einen Monat. Die deutsche Pro-Wolf-Szene entwickelt bereits Abwehr-Thesen: Sollte sich Wolfs-DNA an den Leichenteilen finden, sei dies noch lange kein Beweis dafür, dass Wölfe die Frau getötet haben.

Nächste Rückzugsposition: Waren es doch Wölfe, hatten sie vermutlich Tollwut. Damit werden ja auch Wolfsübergriffe in Südosteuropa gern erklärt – äußerst selten mit konkretem Nachweis. Der dritte Grund für Wolfsangriffe, bei dem sich Wissenschaftler von Russland bis Alaska einig sind, bleibt erst mal außen vor: Hunger.

Zur Fairness gehört der Hinweis, dass in Wolfsgegner-Kreisen die Täterschaft schon beim Auftauchen der ersten Meldungen klar war. Und auch aus der Politik mehren sich die Forderungen, das Wolfsmanagement in den deutschen Wolfsregionen zu verschärfen.

Sachgerechte Debatten scheinen – wie so oft bei dieser Materie – weitgehend unmöglich. Schließlich steht das lange kompromisslos verteidigte Credo auf dem Spiel, dass Wölfe harmlos sind und der Mensch nicht in ihr Beuteschema passt – es sei denn allenfalls, sie leiden unter Tollwut.

Wer die Bildzeitung zum Griechenland-Fall liest, der ahnt: Die Sache ist geeignet, die Stimmung zu kippen. Auch wegen der über Jahre betriebenen Verharmlosung, die in weiten Teilen Deutschlands bisher ein echtes Risiko-Management verhindert hat. 

Das begann in den siebziger Jahren in halb Europa mit der Verbreitung von „Rotkäppchen lügt“-Broschüren, die nicht nur die Gebrüder Grimm, sondern auch Scharen von Historikern zu Märchenerzählern stempeln. Die Meinungsmache ging so weit, dass die norwegische Naturschutzbehörde die Übersetzung eines russischen Wissenschaftler-Berichts über Wolfsübergriffe auf Menschen aus dem Verkehr ziehen musste.

Totgeschwiegen wurden nicht nur Russen, sondern auch amerikanische Nationalpark-Ranger, die der Entnahme von verhaltensauffälligen Wölfen energisch das Wort reden: „Wer Wölfe haben will, muss auch Wölfe töten.“

Lieber wurde eine vermeintlich unheilige Allianz von Jägern und Viehhaltern zum Hauptproblem erklärt. Mit der Folge, dass sich die allermeisten Jäger der Debatte am liebsten fernhalten, auch um der Hetze bis hin zu Morddrohungen zu entgehen. Den Bauern wurden wirksame Schutzmaßnahmen und großzügiger Schadenersatz versprochen – beides wird in der Praxis nur unzureichend eingelöst.

Während sich bei uns Politiker auch unter dem Eindruck jüngster Wahlergebnisse aus der Pro-Wolf-Allianz stehlen, zeigen andere EU-Länder schon länger mehr Realitätssinn: Nicht nur Schweden und Finnland, wo die reguläre Wolfsjagd wieder eingeführt wurde und Ballungsgebiete mit wachsender Konsequenz wolfsfrei gehalten werden, sondern auch Frankreich und nun auch Italien.

Mit dem AfD-Schlachtruf „Lügenpresse“ wird es jedenfalls kaum gelingen, die heiß laufende Debatte wieder in vernünftigen Bahnen zu lenken. Wir hier bleiben bei unserer Position: Wölfe in Deutschland – ja bitte. Aber nicht überall und nicht ohne klare Regeln. Das betrifft auch das anderwärts so gern strapazierte Wort einer Obergrenze. Bevor die Fanatiker dem Bildzeitungsleser erklären müssen, dass ihre Schützlinge einfach nur Hunger haben und sich deshalb nicht artgerecht verhalten.

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