In wenigen Schritten zum Weltverbesserer

Von Peta & Co. können wir Jäger viel lernen. Wir haben uns die Welt der Weltverbesserer mal näher angesehen.

Mann am Laptop

Symbolbild

Mal angenommen, du besitzt eine Kneipe, die nicht so gut läuft. Oder du bist ein Koch, der unbedingt ins Fernsehen will. Probier’s doch einfach mal mit veganer Küche und bediene dich dabei der vielen Internet-Communities von Menschen, die nie wieder Tiere essen wollen. 



In einem Web-Leitfaden für Newbees sagt Peta wie es geht: „Das Internet hat den Einsatz für die Tiere erleichtert. Durch Petitionen und andere Mitmachaktionen können viele Menschen schnell für Tierrechtsthemen mobilisiert werden. Es ist einfacher geworden, Druck auf Unternehmen auszuüben und Menschen mit unseren Ideen in Berührung zu bringen.“

An gleicher Stelle erfährst du auch, dass ein wenig Maskerade nützlich ist: „Wenn es unser Ziel ist, so effektiv wie möglich für die Tiere zu arbeiten, muss unser persönlicher Stil hinter diesem Wunsch anstehen. Frage dich, wer dein Publikum ist, und spiele mit, um dazu zu passen. Je mehr du dich deinem Publikum optisch anpasst, desto eher kommt deine Botschaft bei deiner Zielgruppe an.“

Also nie wieder Lederschuhe tragen, zumindest nicht in der Öffentlichkeit. Ungefragt bei jeder Gelegenheit erzählen, wie wunderbar Latte Macchiato mit Pflanzenfett statt Kuhmilch schmeckt. Und die Presse informieren, dass du ohne Rücksicht auf finanzielle Verluste alle tierischen Produkte von der Speisekarte verbannt hast. 



Für den Anfang reichen ein paar Promis aus der zweiten oder dritten Reihe als Test-Esser. Wenn Journalisten kommen, verzichten die sogar auf liebgewonnene Nahrungsgewohnheiten und schwärmen vor laufenden Kameras, wie wunderbar Raclette ganz ohne Käse schmeckt. 



Wenn das gelungen ist und deine Facebook-Freunde verlässlich jeden deiner Genuss-Tipps liken, zündest du die zweite Stufe: Ein paar Spontan-Demos gegen die Gänseleber auf der Karte deiner Konkurrenz können nicht schaden. Suche Bündnispartner, zum Beispiel Eisdielen-Betreiber, deren Bude schwächelt: Vegane Kugeln laufen auch an Problem-Standorten, zumindest in den Szene-Quartieren.

Zitiere bei jeder Gelegenheit Theodor Heuss

Für Jäger könnte das bedeuten: Die grünen Klamotten müssen in die Altkleidersammlung. Berichte, wie gut du dich fühlst, seit du aufgehört hast, Tiere zu töten. Und zitiere bei jeder Gelegenheit Theodor Heuss, der die Jagd mal „eine Nebenform von menschlicher Geisteskrankheit" nannte. Dass der Altbundespräsident den Satz später in seinen Tagebuchbriefen als nicht so ernst gemeinte „Ironie" bezeichnete, musst du ja nicht unbedingt dazu sagen.



Ab einer gewissen Promi-Stufe musst du nicht einmal mehr auf Liebgewonnenes verzichten: Peta bereitet seine Jünger auch auf die irgendwie blöde Situation vor, dass sich Schauspieler(innen) einerseits für die Tierrechte nackig machen und bei anderer Gelegenheit mit einem Oktoberfest-Hühnchen ablichten lassen. Hauptsache, die Berühmtheiten nutzen der gemeinsamen Sache.

Mal angenommen, ein bekehrter Jäger würde bei der Hasen-Hatz erwischt, wäre das wohl auch kein Problem: Wie sonst soll er seine ehemaligen Waidgenossen denn zwecks Bekehrung noch erreichen? Wir ahnen, dass es auf diesem Weg irgendwann auch den „Vegan-Jäger“ geben wird. So lange er die Flinte im Dienst der guten Sache schultert, geht auch das in Ordnung. Peta tötet schließlich auch Tiere, um ihnen das Leben als verstoßener Schoßhund oder Stubentiger zu ersparen.

Das Leben mit Widersprüchen gehört ja irgendwie zur Taktik. Du darfst gern auch längst widerlegte Wissenschaftler mit abstrusen Thesen zitieren. Etwa jene, dass die explosionsartige Sauenvermehrung der Jagd auf die armen Schweine geschuldet sei. Auch für Unsinn finden sich allemal vermeintlich seriöse Quellen. Im Notfall der Artikel des Lokalreporters, dem du solche Thesen bei einem Veggie-Burger selber in den Block diktiert hast.

30.000 Peta-Aktivisten sind lauter als 370.000 Jäger

Von großer Wichtigkeit ist es zudem, sich möglichst viele Identitäten zuzulegen. So bekommst du notfalls auch ganz alleine einen passablen Shitstorm hin. Noch besser ist natürlich ein möglichst großer Kreis von (Facebook-)Freunden, die Gewehr bei Fuß stehen, um Redaktionen mit Beschwerden und Leserbriefen zuzumüllen. Wetten, die meisten lassen irgendwann ganz von selber die Finger von heiklen Themen wie dem Peta-Umgang mit Spendengeldern?

Brief schreiben

Symbolbild

Peta-Originalton: „Wir schreiben zudem Leserbriefe und starten Protestaktionen für mehr Tierrechte – für die Tiere in Zoo und Zirkus, in den Ställen und Schlachthöfen, den Tierversuchslaboren und Zoohandlungen, der Bekleidungsindustrie und der Unterhaltungsbranche. Gemeinsam sind wir eine mächtige Stimme für die Tiere, die niemand überhören kann!“ 



Zumindest ist die gefühlte Lautstärke der gut 30.000 deutschen Peta-Aktivisten auf diesem Weg vernehmlicher als die von 370.000 Jägern, die mehrheitlich nicht wissen, wie wenig Mühe das Verfassen von Leserbriefen aus wohlfeilen Textbausteinen macht. Und die so blauäugig sind, im Internet unter dem eigenen Namen zu posten. Wo doch sogar handfeste Beleidigungen auch per Nickname prima laufen. 



Beginnen wir unsere Tage für den Anfang erst mal wie die Konkurrenz: Zum Frühstückskaffee die News zu Reizworten wie Treibjagd oder Wettfischen googeln, dann die Aufreger-Treffer bei Facebook teilen. Und hoffen, dass die Leute von der Gegenseite schon längst bei der Arbeit sind und Vorgesetzte haben, die Privatvergnügen am Dienst-PC gar nicht schätzen. 



Womöglich noch besser: Erstmal eine Sabbat-Auszeit nehmen, fleißig und möglichst beleidigend posten. Und warten, bis mal wieder einer dieser feinen Posten als hauptamtlicher Vollzeit-Aktivist frei ist.

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