Jägerkurs für Tierrechtler

Wenn sie selbst einmal einen ordentlichen Jägerkurs absolvieren würden, könnte sich für Gelegenheitstierschützer so einiges ändern.

Jagdausflug

Mitunter wäre es überaus hilfreich, wenn auch engagierte Tierschützer einen Jägerkurs absolvieren. Nicht nur wegen der Debattenkultur, sondern vor allem, weil ein Diskurs auf Augenhöhe der gemeinsamen Sache nützt.

Was mit diesem Vorschlag gemeint ist, wird auch auf diesen Seiten regelmäßig deutlich. Zuletzt in einer Debatte um das Auerwild (wir berichteten). So manche Beiträge gut gemeint und trotzdem voll daneben. Nicht zu wissen, dass die selten gewordenen Tiere zu den Hühnervögeln gehören, mag auf den ersten Blick nicht weiter schlimm sein. Aber damit erklärt sich auch, dass Birk- und Auerwild mitnichten zur Gattung der Veganer gehören, sondern – zumal als Küken – tierisches Eiweiß brauchen, um zu gedeihen.

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Wer einen ordentlichen Jägerkurs besucht hat, weiß nicht nur um den beschriebenen Zusammenhang, sondern auch, dass Ameisen deshalb für die Rauhfußhühner existenziell wichtig sind. Und er weiß zudem: Im Nadelwald gibt es mehr Ameisenhaufen als im Laubwald, der im Laiennaturschutz nicht selten zum Maß aller Dinge erklärt wird – und so scheinbar nebenbei eine mitunter abwegige Debatte um die Daseinsberechtigung von Reh, Hirsch und Gams befeuert.

Im Jägerkurs lernen alle, die’s vorher nicht wussten, dass Rauhfußhühner zu den Bodenbrütern gehören.

Dass Fichte, Tanne und Lärche gut für die Ameisen sind – und damit für die Auerhähne –, erschließt sich bei solchem Grundwissen ganz von selbst. Und dass Wälder mit einem ordentlichen Nadelbaum-Anteil höhere Schalenwildbestände vertragen, ist auch nicht zu bestreiten. Selbst dann nicht, wenn wir menschgemachte „Natur“-Mischwälder an den Grenzen von Tierschutz und Waidgerechtigkeit von solchen „Baumschädlingen“ befreien wollen – und zugleich behaupten, dass Natur die Probleme von alleine regelt, wenn wir sie nur lassen. Das glauben höchstens Leute, die meinen, dass Rehe die Kinder der Hirsche seien.

Auch wenn’s nerven sollte: Im Jägerkurs lernen alle, die’s vorher nicht wussten, dass Rauhfußhühner zu den Bodenbrütern gehören. In Skandinavien gab es förmliche Bestandsexplosionen, als die Räude übel unter den Fuchsbeständen wütete. Wir lernen: wenig Füchse, viele Hühnervögel. Was logisch auch für die putzigen Waschbären gilt und die unnatürliche Bekämpfung von Wildtierseuchen wie der Tollwut fragwürdig werden lässt – wenn die Natur tatsächlich das Maß aller Dinge sein soll.

Dass so manche Wahrheiten dem Spenden-Tierschutz nur sehr begrenzt in den Kram passen, hat zwar nichts mit Natur zu tun, ist aber irgendwie logisch. Musterbeispiel ist da das Reklamefilmchen aus dem Yellowstone, an dem sich Leute wie der Plaudershow-Naturschützer Markus Lanz nicht satt sehen können: Angeblich sorgten im US-Naturpark die Wölfe für die dramatische Verbesserung der Artenvielfalt (wir berichteten). In Wahrheit war’s das Aussterben einer Forellen-Rasse, das die Bären gezwungen hat, sich vermehrt von Weißwedel-Hirschen zu ernähren.

Nach einem ordentlich geführten Jägerkurs könnte es sogar Tierrechtler geben, die begreifen, wie sehr ihre Sache auch dem „gerechten“ Jäger am Herzen liegt.

Jagd gehört nun mal zum gedeihlichen Neben- und Miteinander von menschlicher Kultur und möglichst intakter Natur. Dazu sollten Jagdgegner wenigstens wissen, dass die Jägerprüfung für die gern gescholtenen „Hobby-Jäger“ identisch ist mit der für Forstbeamte. Und dass die Zahl der tatsächlich besser ausgebildeten Berufsjäger verschwindend klein ist – eher ein Relikt aus Zeiten, in denen die Jagd noch nicht zum Feindbild stilisiert wurde und noch kein Jagdscheininhaber wagte, den Rotwildabschuss im Wintergatter zu erledigen.

Nach einem ordentlich geführten Jägerkurs könnte es sogar Tierrechtler geben, die begreifen, wie sehr ihre Sache auch dem „gerechten“ Jäger am Herzen liegt. Die haben die Wildtiere nämlich nicht nur zum Fressen gern, sondern ein ureigenes Interesse daran, dass es ihrer Beute gut geht. Wer Rehe lieber „natürlich“ verhungern lässt, als sie zur Notzeit zu füttern, wird mit solcher Tradition nichts anzufangen wissen. Aber jene, die Tierrechte nicht allein als Mittel begreifen, die Jagd abzuschaffen, werden dazulernen. Zum Beispiel, dass meistens Welten liegen zwischen der praktisch erlebten Wahrheit und so manchen Schlagwort-Theorien wie der verstärkten Wildschwein-Vermehrung durch hohen Jagddruck.

Und – vor allem – derart geschult, müssten sich Gelegenheitstierschützer nicht mehr blamieren, weil sie im Internet zu Dingen posten, von denen sie schlicht keine Ahnung haben. So, wie es letztes Jahr sogar den Profis der Nabu-Zentrale passierte, als sie in einer groß angelegten Werbeaktion die Kiebitze zur Zeit der Maisernte brüten ließen (wir berichteten).

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