Jagdgegner-Logik im Tierschutzpelz

In Tirol und Kärnten gibt es in diesem Winter beim Rotwild ungewöhnlich hohe Fallwildquoten. Tierschützer nutzen die Diskussion aus, um Stimmung gegen die Jagd zu machen.

Rotwild im Winter

Foto: steinchen

Der schneereiche Winter in Österreich rückt das Thema Wildfütterung aktuell in den Fokus. Mehr als 170 Stück Rotwild will der Wiener Tierschutzverein (WTV) einem Bericht des Kuriers zufolge in drei Gemeinden in Oberkärnten verhungert aufgefunden haben. Weil Jäger angeblich keine Notfütterungen durchgeführt und die Tiere damit mutwillig getötet hätten, hat der Tierschutzverein jetzt Anzeige wegen Tierquälerei erstattet. Die Anzeige richtet sich gegen die Gemeinden Bad Kleinkirchheim, St. Oswald und Reichenau, deren Bezirksjägermeister sowie die Kärnter Landesregierung.

Im jungen Magazin der Kleinen Zeitung unterstellt man Österreichs Jägern in diesem Zusammenhang ein „brutales PR-Konzept“. So hätten die Jäger das Rotwild während der Kältewelle vor einigen Wochen bewusst nicht gefüttert und dutzende Tiere verhungern lassen. Der Vorwurf der Tierschützer vom WTV: Den Hungertod der Wildtiere hätten die Jäger in Kauf genommen, um dies der Tierschutzbewegung, die die unnatürliche Vermehrung des Wildes durch Fütterung kritisch betrachtet, anzuhängen.

Die Logik der Tierschützer: Die grausamen Bilder der verhungerten Tiere würden öffentlichkeitswirksam präsentiert und sollten den Menschen vorgaukeln, dass es ein Recht der Jäger sei, den Wildbestand künstlich hochzuhalten. Mit Tierschutz hat die Argumentation der Tierschützer indes nicht mehr viel zu tun – vielmehr werden verhungernde Wildtiere instrumentalisiert, um Stimmung gegen die Jagd zu machen.

Informiert haben sich die Tierschützer wohl nicht, bevor sie mit ihrer Theorie an die Öffentlichkeit gingen. Denn die Jäger haben das Füttern keineswegs eingestellt. Der Präsident der Kärntner Jäger, Ferdinand Gorton, widerspricht der Tierschützer-Theorie im Kurier. Aufgrund des strengen Winters und der Temperaturschwankungen sei im Moment mit einer ungewöhnlich hohen Fallwildrate zu rechnen – trotz Notfütterungen. Die hätte es selbstverständlich gegeben. Auch Gernot Darmann (FPÖ), Jagdreferent in Kärnten, bestätigte in einer Pressemitteilung, dass Jäger Streckenfütterungen durchgeführt hätten.

Leider seien diese nicht immer angenommen worden, weil im Bereich der Skigebiete teilweise Rotwildrudel durch Skifahrer gesprengt worden seien. Der intensive Freizeitdruck in Skigebieten hat bekanntermaßen verheerende Folgen für Wildtiere wie Rothirsche, Gams- und Steinwild – nicht selten sterben die Tiere an Erschöpfung. Die drei Gemeinden in Oberkärnten, gegen die die Tierschützer Anzeige erstattet haben, liegen in solchen Skigebieten.

Auf die Unterstellungen der Tierschützer reagierte Jagdreferent Darmann mit deutlichen Worten: „Ich weiß nicht, ob der Wiener Tierschutzverein in Unwissenheit oder bewusst mit ‚Fake News’ und bösen Unterstellungen agiert. Aber sie sollten sich vorab an geeigneter Stelle informieren, bevor sie haltlose Vorwürfe erheben. Ich verwehre mich dagegen, wie hier die verantwortungsvolle Tätigkeit der Kärntner Jägerschaft madig gemacht wird.“

Unbeeindruckt von den Unterstellungen aus der Tierschutz-Szene haben die Jäger in St. Anton (Tirol) angesichts hoher Fallwildzahlen eine ernste Tierschutzdiskussion angestoßen. Bei der Trophäenschau der Landecker Jäger betonte Bezirksjägermeister Hermann Siess laut einem Artikel der Tiroler Tageszeitung, dass die Jäger sich ein Fütterungsverbot für Rotwild nicht gefallen lassen würden. Dabei fiel der Blick vor allem auf Interessengruppen und Waldeigentümer, die ein Aussetzen der Fütterung fordern und dies mit „natürlicher Auslese“ begründen. „Man fragt sich, wo der Tierschutz bleibt“, sagte Siess. Landtagsvizepräsident Toni Mattle stimmte Siess zu und plädierte für ein tierschutzgerechtes Miteinander von Wald und Jagd.

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