Käfer-Szenen aus dem Nationalpark

Im Harz folgt der Rotwild-Bekämpfung eine groß angelegte Totholz-Aktion.

Nationalpark Harz

Foto: Randy_Puh

Neues aus der Harzer Gerüchteküche: Im dortigen Nationalpark wird wohl bald im ganz großen Stil Totholz ausgeräumt. Das ist zwar gegen die reine Öko-Lehre, aber die Natur erledigt das Borkenkäfer-Problem wohl doch nicht von alleine.

Ortskundige berichten über die Freilegung längst zugewachsener Transport- und Rückewege. Aushilfspersonal wird auch schon angeworben. Und selbst größere Forstmaschinen kommen schon zum Einsatz: zunächst einmal entlang der Nationalpark-Grenzen. Dort werden bis zu 250 Meter breite Kahlschlag-Schneisen angelegt – in der eher vagen Hoffnung, dass die Borkenkäfer dann nicht mehr in die benachbarten (Staats-)Forsten einfallen. 

Borkenkäferbefall im Bayerischen Wald

Foto: Wikipedia /  Kurt Seebauer, Bayerischer wald kahlgefressen, CC BY-SA 3.0. / So sah es 2004 im Bayerischen Wald aus.

Wie vor Jahrzehnten schon im Nationalpark Bayerischer Wald scheitert das Credo von der unberührten Natur in der Praxis: Nicht nur am wachsenden Widerstand aus dem benachbarten, auch staatlichen, Forstbesitz, sondern auch an den Bürgern aus nah und fern. Seit selbst 250 Jahre alte Fichten am Käfer-Fraß sterben, erkennen viele Menschen ihren Wald vor lauter Totholz nicht wieder.

Ebenfalls offenkundig: Die Naturverjüngung klappt nicht so, wie sich das die Nationalpark-Förster wünschen. Wildwuchs von Fichten-Jungholz beherrscht vielerorts das Bild, von Laien meist schlicht als Gestrüpp empfunden. Dies bringt wiederum jene Kommunalpolitiker auf die Palme, denen ein Touristenmagnet versprochen wurde. Gerüchten zufolge sind bereits Klagen auf dem Weg gegen solchen Raubbau mit natürlichen Mitteln.

Die Aussicht auf Gerichtsverfahren könnte die Eile erklären, mit der nun das große Totholz-Räumen eingeleitet wird. Sicher ist, dass die im Reservat gehegten Käfer auch den geplanten Waldumbau im Park behindern, zumindest, was den Rückhalt in der Bevölkerung angeht.

Die sehr erwünschten Laubbäume kommen dennoch nicht so richtig hoch, obwohl die Rotwild-Hatz im Park an Schärfe kaum zu überbieten ist. Bis hin zum Massen-Abschuss von Einser-Hirschen, deren Stangen dann zur Produktion von Hosenknöpfen dienen, während sich der Kahlwild-Abschuss eher in Grenzen hält. Die durch Nationalpark-Touristen eher spärlich ausgelasteten Zimmervermieter trösten sich derweil mit der Beherbergung auswärtiger Waldarbeiter-Kolonnen.

Wie gesagt, alles schon gehabt in Bayern. Auch dort wird im Nationalpark zur Jagd geblasen, sogar auf den Borkenkäfer außerhalb der Kerngebiete. Und die Verantwortlichen haben gemerkt, dass zahlende Gäste nicht unbedingt jenen Wald suchen, von dem manche Forstwissenschaftler träumen. Sondern eher touristische Begleitangebote, um beispielsweise auch mal ein Stück Wild zu sehen.

Mit solchen Angeboten sieht’s im Harz eher düster aus. Und noch schlimmer ist in diesem Zusammenhang der in der Region verbreitete Verdacht, dass im Nationalpark-Teil jenseits der ehemaligen Zonengrenze alles irgendwie besser läuft im Sinne des Fremdenverkehrs.

Den vorläufigen Höhepunkt wird der traditionsreiche Streit wohl im Herbst erreichen: Dann erscheint ein Buch, mit dem der ehemalige Nationalpark-Chef Dr. Wolf-Eberhard Barth das Sündenregister seiner Nachfolger publik machen wird. Wohl auch die Sache mit der Rotwild-Reduktion.

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