„Klaus“ und „Claus“ schreien, wenn der Wolf kommt

An einem Deich in Cuxhaven wird getestet, ob Esel eine Schafherde vor Wolfsübergriffen schützen können.

Esel

Symbolbild: PublicDomainPictures

„Klaus“ und „Claus“ sind an der Nordseeküste zuhause. Und das, obwohl es sich bei den beiden nicht um das hinlänglich bekannte Schlager-Duo handelt, sondern um zwei leibhaftige Esel. Diese versehen ihren Dienst auf einem Deich bei Cuxhaven – und zwar als „biologische Alarmanlagen“.

Wie das Hamburger Abendblatt berichtet, testet der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz mit „Klaus“ und „Claus“, ob sich Deichschafe durch Esel wirksam vor Wolfsattacken schützen lassen. Denn auf den Deichen gelten besondere Bedingungen: Das Aufstellen von wolfssicheren Zäunen ist dort nicht möglich und auch der Einsatz von Herdenschutzhunden kommt angesichts der spazierenden oder radelnden Urlaubermassen nicht infrage. Die Beweidung der Nordseedeiche und die Gefahren durch den Wolf hatten kürzlich sogar eine Rolle gespielt, als die grüne Landtagsabgeordnete Elke Twesten unter großem Medientrubel zur CDU hinüberwechselte (wir berichteten). Ganz aktuell wies die Landesjägerschaft Niedersachsen darauf hin, dass seit dem Jahr 2008 landesweit genau 500 Meldungen über Nutztierrisse verzeichnet wurden. Insgesamt seien durch Wölfe bei den Vorfällen 670 Tiere zu Tode gekommen.

Frank Faß, der Leiter des Wolfscenters Dörverden, ist dem Bericht zufolge von der Eignung der beiden „Kläuse“ überzeugt: „Esel schreien, wenn der Wolf kommt – das ist eine biologische Alarmanlage.“ Im Zweifelsfall seien die Tiere sogar in der Lage, Wölfe anzugreifen, nach ihnen zu treten oder sie zu beißen. Da verwundert es nicht, dass „Klaus“ und „Claus“ in Medienberichten auch schon als „tollkühn“ bezeichnet wurden.

Für Fachmann Faß ist es sinnvoll, alle Maßnahmen zur Wolfsabwehr zumindest auszuprobieren. Schafbesitzer Kay Krogmann, auf dessen mehr als 250 Tiere die beiden Esel nun aufpassen, verlor in früheren Jahren bereits rund 50 Schafe durch Wolfsangriffe. Wenn es nach ihm geht, dürfen „Klaus“ und „Claus“ nach dem Ende des Pilotprojekts im kommenden Sommer gerne bei seiner Herde bleiben. „Die Touristen sind begeistert“, sagte Krogmann laut dem Zeitungsbericht. Eigentlich halte er die Schutzfunktion der Tiere für gering – „aber einen einzelnen Wolf halten sie vielleicht ab“. Tatsächlich wurden in der Vergangenheit bereits Fälle bekannt, in denen Wölfe Angriffe auf Schafe verübten, obwohl den Tieren ein Esel zur Seite gestellt worden war (wir berichteten).

Die singenden Namensvettern „Klaus & Klaus“ widmeten sich in ihrem Nordseeküsten-Song übrigens weder Eseln noch Wölfen. Nur über die Schafe hieß es da: „Sie blöken wie blöd auf dem Deich – und mit schwarzgrünen Kugeln garnier’n sie ihn reich.“

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