Kleines Handbuch der tierischen Landschaftspflege

Bei der Landschaftspflege mit Weidetieren denken viele nur an Schafe. Zu Unrecht! Wir haben unterschiedliche tierische Landschaftspfleger unter die Lupe genommen.

Weidende Kühe

Symbolbild: BarbeeAnne

Weidetiere wie Ziegen, Schafe, Pferde oder Rinder beleben die Landschaft nicht nur optisch, sondern können seltene Arten retten oder Deiche sicherer machen. Selbst Schweine eignen sich für die Beweidung und können, wenn man es richtig macht, einen Beitrag zum Naturschutz leisten.

Trotz ihrer vielen Vorzüge ist die Beweidung mit Vieh in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zurückgegangen. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Zum einen sind die Berufe des Hirten, Senners oder Schäfers einfach nicht mehr allzu beliebt, weshalb es an Nachwuchs fehlt. Gesetzliche Vorschriften und nicht zuletzt der Wolf machen ihnen zusätzlich das Leben schwer. Zum anderen verlassen immer mehr Menschen den ländlichen Raum: Durch den demographischen Wandel ist die Bedeutung der Landschaftspflege immer weniger Menschen bewusst. Wer doch aufs Land zieht, der baut sein Bauernhaus oftmals lieber zum Wohnhaus um, anstatt Unterstände für Tiere bereitzustellen oder selbst Tiere zu halten.

Dabei hat die Landschaftspflege mit Tieren nicht nur Vorteile für die Natur, sondern je nach Tierart auch einen ganz praktischen Nutzen. Die Rede ist von tierischen Erzeugnissen wie Fleisch, Wolle, Leder oder Milch, aber auch vom hohen Freizeitwert der Tiere. Wir haben die verschiedenen tierischen Landschaftspfleger einmal genauer unter die Lupe genommen.

Schafe: Hochwasserschützer und natürliche Rasenmäher

Schafe sind die wohl ältesten Haustiere überhaupt. Schon etwa 8.000 Jahre vor Christus soll es die ersten Hausschafe gegeben haben. Bis heute sind die wolligen Tiere besonders beliebte Landschaftspfleger. Dafür gibt es gute Gründe: Sie sorgen nicht nur für gut gemähte Weiden, sondern auch für einen natürlichen Hochwasserschutz. Ihre Klauen verdichten die Erde und wirken auf einem Deich wie eine Walze – Wühlmäuse und Maulwürfe werden verscheucht. Deiche, die von Schafen beweidet werden, halten dem Hochwasser besser stand als andere. Trotz ihrer wichtigen Aufgabe ist der Beruf des Schäfers allerdings immer unattraktiver geworden. Das liegt unter anderem an einem Mangel an Weideflächen, aber auch daran, dass man nur schwer davon leben kann.

Ziegen: Geschickt und effizient

Grasende Ziegen

Foto: christels

Obwohl sie mit den Schafen eng verwandt sind, haben Ziegen in der Landschaftspflege andere Talente. Sie werden vor allem dann wichtig, wenn ungenutzte landwirtschaftliche Flächen zu verbuschen drohen. Ihre gespaltene Oberlippe ermöglicht es ihnen, stachelige oder dornenbewehrte Büsche wie Rosen, Weißdorn oder Schlehen zu fressen. Auch Gehölze werden effektiv verbissen. Weil sie sich mühelos auf die Hinterbeine stellen können, sind selbst Zweige in einer Höhe von bis zu zwei Metern nicht vor ihnen sicher. Zur Not werden Büsche und Bäume auch von oben abgefressen, denn Ziegen können hervorragend klettern. Durch ihr geringes Gewicht schonen sie zudem den Boden. Brachgefallene Flächen können mithilfe von Ziegen wieder nutzbar gemacht werden – ganz ohne Maschinen.

Rinder: Retter bedrohter Vogelarten

Seit Mitte Mai grast im Naturschutzgebiet Katinger Watt in Schleswig-Holstein eine Herde asiatischer Wasserbüffel (wir berichteten). Wie passen diese exotischen Tiere ausgerechnet in die norddeutsche Landschaft? Das Nabu-Projekt zeigt: Sie passen perfekt dorthin. Nicht nur, weil die Tiere sehr gute Schwimmer sind und sogar tauchen können, weshalb sie für die gewässerreiche Landschaft geradezu prädestiniert sind. Sondern auch, weil die Büffel Gräser kurz halten und Gehölze zurückdrängen. So verhindern sie eine Verbuschung und schaffen Lebensräume für Wiesenvögel wie Säbelschnäbler und Kiebitze. Das funktioniert so gut, weil die Rinder die Pflanzen mit ihrer rauen Zunge gleichmäßig etwa zwei Zentimeter über dem Boden abreißen, was für viele Arten reicht, um schnell wieder nachzuwachsen. Dadurch werden artenreiche Landschaften mit steppenartigen Grasfluren geschaffen. Manche Projekte setzen auch speziell gezüchtete Heckrinder ein, die dem einst heimischen aber seit fast 400 Jahren ausgestorbenen Auerochsen ähneln.

Wildpferde: Ihre Bewegung schafft Biotope

Konik-Pferde

Foto: Owls1867 / Konik-Pferde als Landschaftspfleger

Die Landschaftspflege mit Rindern kann perfekt durch Wildpferde ergänzt werden. In Thüringen beispielsweise setzt man im Naturschutzgebiet Alperstedter Ried neben Wasserbüffeln und Taurusrindern auf Exmoor-Ponys (wir berichteten). In der Moorlandschaft des Rieds sorgen die großen Weidetiere dafür, dass die Lebensräume von Wiesenbrütern oder Amphibien selbst bei höherem Wasserstand erhalten bleiben. Die Wildpferde haben andere Nahrungsvorlieben als Rinder und können beispielsweise auch schwer verdauliche Grasarten verwerten. Durch ihren Bewegungsdrang und ihre Verhaltensweisen, insbesondere das Wälzen, schaffen sie Mini-Biotope und Pfade, die von anderen Wildtieren genutzt werden können. Wie bei den Rindern können unterschiedliche Rassen für die verschiedensten Landschaften genutzt werden: Zum Beispiel Przewalski-Pferde in der Schorfheide nordöstlich von Berlin, Koniks in holländischen Feuchtgebieten oder Exmoor-Ponys auf offenen Heideflächen. Fast überall, wo es Wildpferde gibt, entstehen zudem attraktive Naherholungsgebiete für Naturfreunde.

Schweine: Sympathische Exoten

Noch etwas exotischer wird es bei der Landschaftspflege mit Schweinen – ja, Schweinen. In frühgeschichtlichen Kulturen waren Schweine sogar noch häufigere Haustiere als Rinder oder Schafe. Einer der Gründe ist auch noch heute ziemlich aktuell, Stichwort: Speck. Doch Schweine können noch vielmehr, insbesondere ältere Schweinerassen wie das Deutsche Sattelschwein oder das Wollschwein. Sie fressen neben Gras auch Wurzeln, Knollen und Insekten und graben die Bodendecke um, wodurch artenreiche Lebensräume entstehen. Wo Schweine weiden, wachsen mehr unterschiedliche Pflanzenarten nebeneinander. Die Freilandhaltung von älteren Schweinerassen ist zwar relativ arbeitsintensiv – allerdings kann sie für Landwirte, die sich für traditionellere Nutzungsformen interessieren und Besucher anlocken wollen, durchaus attraktiv sein.

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