Kopflos dank Kopfgeld? Über den Umgang mit der „Sauenschwemme“

Wachsende Wildschweinbestände werden deutschlandweit zu einem immer größeren Problem. Viele Jagdpächter ächzen unter enormen Wildschäden. Der Staat versucht nun mit finanziellen Anreizen mehr Abschüsse herbeizuführen, verkennt aber, dass die Heterogenität der Jägerschaft ein Teil des Problems ist.

Wildschweinrotte im Maisfeld

Symbolbild: Carol Schol

Es gibt zu viele Wildschweine in Deutschland. Dieser eindeutige Tenor wird kaum in Frage gestellt. Umso uneinheitlicher präsentiert sich die Jägerschaft im Umgang mit den Tieren. Während einige Jäger haareraufend ihre Wildschadensabrechnung erhalten, möchten andere das Schwarzwild am liebsten wie Rothirsche umsorgen. Ein Vorstoß aus Sachsen bringt neue Aspekte in die Debatte.

Der Landkreis Görlitz, einer der Kreise mit der höchsten Sauendichte der Republik, möchte eine Abschussprämie für Schwarzwild einführen. Zeitnah sollen pro erlegtem Wildschwein pauschal fünf Euro gezahlt werden, für Frischlinge bis 20 Kilogramm sogar zehn Euro, berichtet die Sächsische Zeitung. Vor dem Hintergrund der Afrikanischen Schweinepest, die derzeit knapp 300 Kilometer entfernt in Tschechien grassiert, sollen so Anreize für eine verstärkte Bejagung geschaffen werden.

Ob der gewünschte Effekt eintritt, ist dabei durchaus fraglich. Aufgrund der obligatorischen Trichinenuntersuchung der erlegten Tiere – eine verpflichtende, lebensmittelhygienische Maßnahme vor dem Verkauf – erscheint das „Kopfgeld“ wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Die Beprobung kostet pro Tier generell neun Euro, de facto bleibt bei Frischlingen also nur ein Euro übrig. Letztlich ähnelt die Maßnahme also stark derjenigen, die vor Kurzem auch in Nordrhein-Westfalen beschlossen wurde (wir berichteten): eine Subventionierung der Kosten der Trichinenprobe.

Auch soll somit natürlich der Abschuss von Frischlingen, dem Sauennachwuchs, forciert werden. Als Frischlinge gelten alle Schweinchen, die jünger als ein Lebensjahr sind. Sofern sie noch ihre Streifenzeichnung tragen, sehen sie nicht nur außerordentlich niedlich aus, sie werden auch aus Gründen der Waidgerechtigkeit von vielen Jägern geschont. Nimmt man allerdings den gesetzlichen Auftrag der Jagd zur Wildschadensabwehr, zur Seuchenprävention und auch zur Hege ernst, müssten genau solche Tiere geschossen werden, da sie die Basis der Population bilden. Und nur eine Reduktion der Basis kann eine Reduktion der Wilddichte bewirken. 

Der Abschuss von jungen Frischlingen mag sinnbildlich für die Diskrepanzen im Umgang mit dieser Wildart stehen. Ähnlich uneinheitlich werden auch andere Maßnahmen gesehen, die zunehmend diskutiert werden. Sei es die Jagd an Kirrungen, sei es die Jagd mit Nachtzieltechnik (wir berichteten). Seien es Saufänge (Fallen) oder gar der Abschuss von Bachen, ausgewachsenen weiblichen Wildschweinen. Während manche Jäger den Untergang der waidgerechten Jagdkultur und Hegepflicht herbeireden, kann es für andere den Sauen nicht radikal genug an den Kragen gehen (wir berichteten). 

Leider entscheidet oft der Geldbeutel über die persönliche Einstellung und die Emotionalität der Debatte. Für manche Jäger nimmt der auszugleichende Wildschaden existenzbedrohende Ausmaße an, führt zur Unverpachtbarkeit ganzer Reviere: obwohl die Jäger, trotz Berufstätigkeit, ganze Nächte hindurch auf die Sauen ansitzen, werden sie der Menge nicht mehr Herr. Andere wiederum können selbst fünfstellige Schadenssummen aus der „Portokasse“ begleichen. Möglicherweise sind sie auch nur alle paar Wochenenden mal im weit entfernten Revier präsent. Entsprechend diametral können sich auch die jagdlichen Interessen gegenüberstehen. Während der Erstgenannte so viele Sauen wie möglich erlegen muss, steht für den Zweiten das Erlebnis im Vordergrund, da er nur so selten auf die Jagd geht und aber dann bitte auch sofort Wild sehen möchte. Liegen derartige Extremfälle in unmittelbarer Nachbarschaft, ist Streit und Zwist vorherbestimmt.

Diese beiden Stereotypen repräsentieren glücklicherweise nicht die Mehrheit der Jägerschaft. Der weit überwiegende Teil leistet Hervorragendes. Und doch zeigen die immer neuen Vorstöße und Forderungen nach einer schärferen Bejagung, dass etwas nicht rund läuft. Solange wir Jäger noch das Heft des Handelns in der Hand haben, sollten wir endlich flächendeckend „in die Puschen“ kommen: Revierübergreifendes Jagen, konsequente Gruppenansitze und vor allem weniger Jagdneid können die Situation deutlich entspannen.
Denn spätestens, wenn die ASP Deutschland erreicht hat und in die Mastschweinbestände getragen wird, werden auch wir Jäger für diese Katastrophe kritisiert werden. Wenn das tägliche Schnitzel 20 Euro kostet, juckt es niemanden mehr, wie vermeintlich waidgerecht ein Jäger vorher war oder wie sehr ihm die Hege am Herzen lag. Und dann läge es auch nahe, generell an der Fähigkeit der Jäger zu zweifeln, derartige Katastrophen wirksam zu verhindern.

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