Liebe Katzenhalter, wir müssen reden!

In der Brut- und Setzzeit hat der Vogelnachwuchs besonders unter freilaufenden Hauskatzen zu leiden – ihre Halter sollten sich mitverantwortlich fühlen und handeln.

Katze frisst Vogel

Foto: rihaij

Vielerorts in Deutschland piept’s nicht mehr richtig: Gerade in diesem Frühling wurde wieder deutlich, wie wenig Vögel noch bei uns leben und brüten. Ihre Zahl geht in ganz Europa dramatisch zurück (wir berichteten) und selbst wenn nicht alle Gründe dafür bekannt sind: Die „Jäger auf Samtpfoten“ zählen zweifelsohne mit zu den Verursachern. Denn jede vermeintlich noch so zahme Katze kann zu einem todbringenden Räuber werden – wenn sie als „Freigänger“ um Häuser und durch Gärten streift und, obwohl daheim gut genährt, ihrem Jagdtrieb nachgeht.

Insbesondere Vögel, die am Boden brüten, stehen dann gerne auf der Speisekarte. Kaum ist der Nachwuchs auf die Welt gekommen, muss er sein Leben auch schon wieder lassen. Aber auch die pure Anwesenheit einer Katze kann Stress bedeuten: Schlimmstenfalls sind Vogeleltern, die durch ungebetenen Besuch aufgescheucht werden, anschließend derart verstört, dass sie nicht wieder zu ihrem Nachwuchs zurückkehren. Dieser bleibt dann hoffnungslos sich selbst überlassen.

Natürlich kann niemand die getöteten Vögel tatsächlich zählen, sodass Wissenschaftler es bei Schätzungen belassen müssen. Aber die klingen schlimm genug: Weltweit sollen es Milliarden an Vögeln sein, deutschlandweit immerhin zig Millionen, die den Katzen alljährlich zum Opfer fallen. Und weil nur ein geringer Teil der Beute nach Hause geschleppt und den Menschen dort präsentiert wird, ist der Spruch „Meine Katze macht sowas nicht“ teilweise sogar nachvollziehbar. Außerdem gilt: Die Vögel haben keine starke Lobby. Flattern sie doch mal hier, mal dort herum und waren ja irgendwie immer in ausreichender Zahl da. Außerdem landet das durch eine Katze getötete Vögelchen auch im Vergleich zu dem vom Hund gehetzten Reh nicht in der Zeitung. Wo also ist das Problem?

die Verantwortung liegt natürlich nicht bei dem Tier, das seinen Jagdtrieb auslebt

Weil sie durchaus ein Problem sehen, versuchen Jäger und andere Naturschützer Jahr für Jahr, die Haustierhalter zu sensibilisieren – mit leider überschaubarem Erfolg (wir berichteten). Aber sogar aus Sicht des Nabu gelten Hauskatzen mittlerweile als eine Bedrohung für die heimische Vogelwelt (wir berichteten). Guter Rat ist also gefragt – und muss in diesem Fall nicht einmal teuer sein. Denn die Verantwortung liegt natürlich nicht bei dem Tier, das seinen Jagdtrieb auslebt. Einzig und allein die Halter sind diejenigen, die tätig werden sollten. Was ihnen leider nicht immer einleuchtet: Allzu oft reagieren Katzen- genau wie Hundehalter äußerst „sensibel“, sobald es irgendwie gegen ihren geliebten Vierbeiner geht. Schnell bestimmt dann Unsachlichkeit die Diskussion und so mancher Halter muss sich durchaus zurecht den Vorwurf gefallen lassen, dass sich seine Tierliebe ausschließlich auf das eigene Tier erstreckt und dass man so etwas auch rücksichtslos nennen kann.

Vielleicht entsteht ja eine gewisse Bereitschaft zum Handeln, wenn wir den Katzenhaltern geradeheraus zugestehen, dass ein Leinenzwang für ihren Liebling wohl eine unverhältnismäßige Maßnahme wäre. Aber wie klingt die Idee, der Katze ein Glöckchen um den Hals zu hängen, damit der gefiederte Nachwuchs wenigstens eine Chance hat zu entkommen? Obschon bloß ansatzweise. Die allerwirksamste Methode ist dann auch zugleich die simpelste: Einprägen kann man sie sich mit dem Merkspruch „Unser Stubentiger bleibt heute mal in der Stube“. Und gelten sollte dies zumindest für die Dauer der Brut- und Setzzeit – und dann auf jeden Fall in den Morgen- und Abendstunden, wenn viele Jungvögel unterwegs sind. Wir sagen: Einfach mal ausprobieren! Die Vogelwelt wird es freuen. Und wenn es bald in Deutschland dann wieder vielstimmiger piept, kann jeder Katzenhalter, der „mitgeholfen“ hat, dies als ganz persönlichen Dank ansehen.

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