Luxus-Probleme im Veganer-Lager

Starkoch Attila Hildmann hat Ärger mit der Veggie-Szene – denn er steht für die Erkenntnis, dass veganes Leben auch Spaß machen darf.

Veganer-Starkoch Attila Hildmann und die militante Veggie-Szene geraten zunehmend aneinander. Jetzt störten Vermummte eine Veranstaltung des erfolgreichen Kochbuchautors. Obwohl er inzwischen einen Porsche ohne Ledersitze fährt.

Die Szenen aus Hannover, wo Hildmann für seine fleischlosen Rezepte warb, sind irgendwie typisch für die ideologiegeladene Auseinandersetzung um Tierwohl und ethisch korrekte Lebensweise. Und dafür, dass der überaus erfolgreiche Sympathieträger der veganen Küche (1,5 Millionen verkaufte Kochbücher) der eigenen Stammkundschaft offensichtlich verdächtig geworden ist.

Vermutlich das Kernproblem: Hildmann steht zunehmend für die durchaus sympathische Erkenntnis, dass veganes Leben auch Spaß machen darf. Schon vor Jahren erlebte er einen Internet-Shitstorm, weil er einen Porsche fährt – damals noch dazu mit Ledersitzen. Jetzt belästigten vermummte Aktivisten Besucher einer Lesung aus seinem Kochbuch „Vegan For Fit – Gipfelstürmer“.

Der Starkoch hat zwar mittlerweile seinen Sportwagen gegen ein Exemplar ohne Ledersitze getauscht. Aber Hassfigur bleibt er offensichtlich trotzdem: „Ich weiß gar nicht, ob es militante Metzger waren oder sehr linke Veganer, ich gerate mit beiden Gruppen aneinander“, sagte er der „FAZ“ nach dem Zwischenfall in Hannover.

Klar ist: Es geht längst nicht mehr allein um gesunde Ernährung und Tierwohl. Es geht um eine Lebensweise, die anscheinend keinen Platz hat für Erfolg und Annehmlichkeiten. Und womöglich geht es auch ums Geschäft: Hildmann hat soeben eine eigene Produktserie veganer Feinkost-Produkte gestartet. Eine prominente Konkurrenz für viele Körner- und Tofu-Läden, denen schon Aldi & Co. zunehmend die Kundschaft abspenstig machen.

Wie sehr die Veggie-Mode auch die Hersteller von Luxus-Produkten bewegt, zeigt schließlich auch die Autoindustrie: Den Anfang machte Elektro-Pionier Tesla und stellte mit dem Segen der Peta-Tierrechtler garantiert vegane Sondermodelle seiner sündhaft teuren Autos vor. Deutsche Nobelmarken wie Porsche, Mercedes und BMW haben den Trend ebenfalls erkannt und bieten vegan korrekte Varianten an – meist mit Ausnahme der Lederlenkräder. Wer auch die nicht mag, muss wohl auf einfachere Modelle der Massenhersteller zurückgreifen. Die gab´s schon immer ohne Leder und Schurwolle.

Wie ernst das Thema wirklich ist, zeigt der Umsatz mit veganen Lebensmitteln. Der hat sich seit dem Jahr 2011 verdoppelt, auf mittlerweile gut 450 Millionen Euro. Solche Summen locken auch Marktteilnehmer, die sich ganz privat vielleicht sogar ein Steak vom Kobe-Rind in die Pfanne hauen und ihr Auto mit Extra-Büffelleder tapezieren lassen. Während Anhänger der reinen Lehre auf Ersatz für den Ledersattel ihres Fahrrads sparen.

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