Mordlust in der Wolfsgemeinde

Der Tod von 44 Schwarzwald-Schafen hat die Debatte um Deutschlands Wölfe einem neuen Höhepunkt zugetrieben. Die kaum verhohlene Mordlust so mancher Internet-Kommentatoren ist bestürzend. Ganz gleich, ob sie den ungehemmten Abschuss der Wölfe fordern – oder den von Politikern, die Bestandsregulierung vorschlagen.

Wolf und Birke

Symbolbild: Dieter Hopf

Demokratie geht anders: Niemand hat das Recht, einem ordentlich gewählten Volksvertreter den Mund zu verbieten, so lange sich Politiker an die Schranken von Moral und Anstand halten. Harte Kritik gehört zum Ringen um die Sache. Nicht aber der Gossen-Jargon, mit dem nicht wenige Wolfsfanatiker nun auf den Debattenbeitrag der Bundeslandwirtschaftsministerin reagieren.

Über Abschüsse von Tieren darf gestritten werden. Das gilt auch für Wölfe und ist überall dort, wo die Raubtiere wieder heimisch werden, an der Tagesordnung. Wer lieber Politiker erschießen will, verletzt nicht nur die Grenzen der Rechtsordnung, sondern vor allem auch alle Regeln einer zivilisierten Gesellschaft. Und leugnet sogar das gern und oft beschworene Sozialverhalten der Wölfe. Die töten Ihresgleichen allenfalls zur Arterhaltung.

Aber die unsäglichen Auswüchse der Wortwahl belegen vor allem, dass die Wolfsgemeinde merkt, wie ihre Felle in der demokratischen Debatte davon schwimmen. Der politische Rückhalt für die unkontrollierte Ausbreitung des Wolfs schwindet erkennbar – auch in den Reihen der Grünen, in der Sozialdemokratie sowieso. Letztendlich entscheiden Wählerinnen und Wähler – und das offenbar anders als in Umfragen zur Willkommenskultur für ein Raubtier.

Damit bröckelt auch die perfide Taktik, die Wolfsproblematik gezielt den Jägern anzulasten. Als gäbe es nicht jede Menge andere Bevölkerungsgruppen, die eine blauäugige Hurra-Stimmung kritisch betrachten. Gerade die Jäger-Kritik an der Forderung ihres Verbandes, den Wolf in Jagdrecht aufzunehmen, sagt da viel: Am Waidwerk soll die Heimkehr der Wölfe nicht scheitern, aber wir sind auch nicht die Nothelfer, wenn diese Heimkehr aus dem Ruder läuft.

Was Not tut, ist Verantwortung. Auch in Bundesländern, deren Regierungspolitiker sich vor Begeisterung schier überschlugen, als die ersten Wölfe auftauchten, ist es nicht sehr weit her, wenn es um Schadensausgleich und die Finanzierung von Herdenschutzmaßnahmen geht. In Wahrheit lassen nicht wenige Behörden mit deutscher Gründlichkeit nach Hunde-Genen fahnden, um der Zahlpflicht zu entkommen. Auch dort, wo der Zeugung von Mischlingswölfen ein Eiertanz um deren Abschuss folgte.

Was aus den Träumen von Wolkenkuckucksheim werden kann, wenn die Wähler gesprochen haben, zeigt der Blick nach Niedersachsen. Der Aufschrei, der dort den Wandel zu einer realistischen Wolfspolitik begleitet, ist in Wahrheit das Aufbäumen gegen das Ergebnis einer demokratischen Wahl. Gute Verlierer überlegen, was sie in der Zukunft besser machen müssen. Dumme versuchen es mit Mordaufrufen.

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