München und Wien drängen auf wolfsfreie Zonen

Nicht nur Flüchtlingshelfer sind entsetzt über den Schulterschluss zwischen den Regierungen in München und Wien. Auch eine härtere Gangart mit dem Wolf im Alpenraum steht zur Debatte.

Wolf auf Felsen

Foto: Meli1670

Bayerns neue Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber und ihre österreichische Kollegin Elisabeth Köstinger forderten nach dem jüngsten Alpen-Gipfeltreffen in Linz gemeinsam wolfsfreie Zonen. Anders sei die traditionsreiche und landschaftsprägende Almwirtschaft in Gefahr.

Dass es zu solchen Vorstößen kommen wird, war abzusehen. Schon vor Monaten hatte Bayerns Staatsregierung vorrechnen lassen, welche horrenden Geldsummen ein wirksamer Herdenschutz in den Hochlagen kostet. Und auch zu den Problemen mit Herdenschutzhunden hat sich die bayerische Ministerin bald nach Amtsantritt geäußert: „Wer schon mal in meiner Heimatregion war, weiß, dass ein Zaunbau in solchen Hanglagen fast undenkbar ist. Wie sollen Schutzhunde funktionieren, wenn dort ständig Touristen unterwegs sind? Da bin ich sehr skeptisch.“

Frau Kaniber (40, gelernte Steuergehilfin) stammt aus dem Berchtesgadener Land. Also einer Gegend mit besonders hohem Stellenwert der Weidewirtschaft und vielen Bergbauern. Wie im Allgäu gehört die Bergweide dort auch zu den Touristenattraktionen und zum Landschaftsbild.

Die CSU-Ministerin im Interview mit dem „Münchner Merkur“: „Die Almbauern erbringen mit der Beweidung der Flächen eine wichtige ökologische Leistung. Ich empfinde es als Hohn, wenn man davon spricht, die sollen halt einen Zaun bauen. Da muss man sich bei uns mal die Berge anschauen, da ist das fast unmöglich. Wenn die Wolfspopulation überhandnimmt oder es zu Angriffen kommen würde, müssen wir über wolfsfreie Zonen sprechen.“

Die Zielrichtung scheint klar: Bayerns Staatsregierung strebt eine Sonderregelung nach dem Muster der schwedischen Rentierweidegebiete an. Diese hat Schwedens Regierung mit dem Segen der Europäischen Union zu wolfsfreien Zonen erklärt – und lässt dort die Raubtiere in großem Umfang einfangen oder abschießen.

Rentierweide und Almwirtschaft haben eine ähnliche, jahrtausendealte Tradition und prägen – auch wenn das Wolfsbefürworter nicht gerne hören – nicht nur die Landschaft, sondern auch ihre Menschen. Hier Allgäuer Viehscheid, dort Rentierscheid; uralte Trachten und Gebräuche in Lappland wie im Alpenraum.

Schweden hat sich den Schutz der Samen-Kultur schon zum EU-Beitritt garantieren lassen. Wie auch die baltischen EU-Länder, in denen Wolfsabschüsse im so begründeten Einzelfall möglich sind. Als Deutschland der Union beitrat gab es noch keine Wölfe, auch nicht in Bayern. Die Staatsregierung dort will es aber offenbar auf Nachverhandlungen ankommen lassen. Die Rotwildgebiete wurden schließlich ebenfalls aus Natur- und Landschaftsschutzgründen eingeführt.

Das könnte Sie auch interessieren
Aktuell & informativ

DER OUTFOX WORLD NEWSLETTER

Aus der Natur direkt in Ihr Postfach.

Folgen Sie uns!