Norwegen beharrt auf Wolfsjagd

Klare Worte von der Regierungschefin zum Miteinander von Wolf und Landbevölkerung.

Wolf

Foto: Dieter Hopf

Norwegens Regierungschefin Erna Solberg spricht Klartext zum Thema Wolfsjagd: Mehr als ein halbes Dutzend Reviere, findet die Staatsministerin, sind zum Erhalt der Art nicht nötig. In den übrigen Landesteilen haben die Interessen der Nutztierhalter Vorrang – auch die Rentierwirtschaft.

Der Erklärung der Ministerpräsidentin ging ein heftiger Rechtsstreit voraus: Zuletzt war der Naturschutzverband WWF bei Norwegens höchsten Richtern mit der Forderung abgeblitzt, die Lizenzjagd völlig einzustellen (wir berichteten). Interessant: Der WWF berief sich dabei ausdrücklich auf die Berner Konvention, der auch Norwegen beigetreten ist. Aber wie die Obergerichte in Schweden ließen die Richter das Argument nicht gelten, dass die Wolfspopulation in ihrem Bestand bedroht sei.

Norwegens Parlamentsmehrheit geht in der Abgrenzung von Wolfsgebieten und Zonen, aus denen die Raubtiere ferngehalten werden sollen, deutlich weiter als die skandinavischen EU-Länder Schweden und Finnland. Mit aktuell 42 genehmigten Abschüssen erfasst die Lizenzjagd-Quote rund die Hälfte des nachgewiesenen Wolfsbestands im Königreich.

Mehr als vier bis sechs Reviere in einer sogenannten „Wolfszone“ soll es in Norwegen nicht geben, erklärte die Regierungschefin. Außerhalb dieser Zone hätten die Interessen der Landbevölkerung Vorrang. Auch die der Schafhalter, deren Herden – wie die Rentiere – sich traditionell frei und uneingezäunt bewegen.

Nachdem die aktuelle Lizenzjagd höchstrichterlich abgesegnet ist, kam es zu einem bemerkenswerten Zufall: Einer der beiden zum Auftakt erlegten Wölfe wurde ausgerechnet von Tierrechtlern, die zur Störung der Jagd unterwegs waren, hochgemacht und einem Jäger zugetrieben, berichtet die Tageszeitung „Nationen“.

In Schweden, wo die Behörden bei ungleich höherem Bestand als in Norwegen 22 Lizenzjagd-Abschüsse zugeteilt haben, fielen in der ersten Jagdwoche zehn Wölfe, darunter zwei Tiere mit schwerem Räude-Befall. Norwegen beruft sich bei seiner Wolfspolitik auch darauf, dass es sich um eine gemeinsame schwedisch-norwegische Population handelt, deren Überlebensfähigkeit grenzüberschreitend beurteilt werden müsse. Regelmäßig gehen Tiere aus dieser „Wolfszone“ auf weite Wanderschaft – zuletzt bis in den Großraum Stockholm.


Die neuesten Abschusszahlen

In Norwegen geht es offenbar blitzschnell mit der Lizenzjagd: Innerhalb der ersten Jagdwoche fielen in der sogenannten Wolfszone 15 der 16 dort zugeteilten Wölfe. In Schweden geht es hingegen nach den Premiere-Jagdtagen eher zäh voran, vor allem, weil es am Neuschnee zur Fährtensuche fehlt. Elf von insgesamt 22 freigegebenen Wölfen sind dort noch zu schießen.

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