Persilschein vom CSU-Minister

In Bayern segnete Forstminister Helmut Brunner eine gnadenlose Drückjagd auf Rehwild ab – Kritik gibt es nicht nur aus der Jägerschaft. Auch Parteifreunde sind empört.

Springender Rehbock

Symbolbild: Karl-Heinz Fritschek

Sogar in Bayern werden die Gräben zwischen Staatsforst und Jägerschaft immer tiefer: Der Gnadenerlass, mit dem Forstminister Helmut Brunner eine gnadenlose Rehwild-Drückjagd im fränkischen Staatsrevier Edelmannsberg absegnete, empört auch Parteifreunde des CSU-Politikers.

61 Rehe lagen auf der Strecke, nachdem die Drückjagd im 152 Hektar großen Staatsrevier bei Forchheim abgeblasen war. Nach dem Abschussplan waren vor der überaus effektiven Hatz zwar nur noch drei Stück Rehwild frei. Aber der Jagdleiter zählte einfach den Abschuss für drei Jahre zusammen, der so auf einen Sitz nicht nur erledigt, sondern deutlich übererfüllt wurde. Wütend reagierten nicht nur die Pächter der Nachbarreviere: Ihnen war die Aktion als revierübergreifende Jagd auf Sauen schmackhaft gemacht worden. Aber am Ende lagen gerade mal sechs Schweine und besagte 61 Rehe, die meisten wohl aus den angrenzenden Flächen: Der Staatsforst hatte seinen Jahresabschuss zu diesem Zeitpunkt bereits weitgehend erfüllt und gerade mal noch drei Rehe frei.

Aber der großen Aufregung folgten nun milde Worte aus München. Dass der Forstbetrieb den Abschuss von drei Jahren an einem Tag erledigte, gehe in Ordnung, schrieb Forstminister Helmut Brunner: „Diese Variante ist rechtlich grundsätzlich zulässig, in der Praxis aber eher selten.“ Tatsächlich sieht das bayerische Jagdgesetz eine Überschreitung der Jahresstrecke um bis zu 20 Prozent vor, in Ausnahmefällen bis 30 Prozent.

Was aus der Strafanzeige wird, die der Landesjagdverband und eine Tierschutzorganisation stellten, scheint noch offen. Sicher ist: Unter privaten Revierpächtern hat die Bereitschaft, sich auf revierübergreifende Jagden mit dem Staat einzulassen, landesweit gelitten. Dem gemeinsamen Ziel, die Sauen kurz zu halten, hat die fränkische Aktion einen Bärendienst erwiesen. Mittlerweile kursieren obendrein Gerüchte, dass das Rehwild vor der Drückjagd zur Notzeit im Januar gezielt angefüttert worden sei. Anders sei die Strecke auf der relativ kleinen Staatsrevierfläche (152 Hektar) kaum zu erklären. Im Januar nächsten Jahres soll es Ortsbesichtigungen geben, um zu klären, ob der Massenabschuss wenigstens der Vegetation genützt hat.

Staatsforste betreiben „Ausrottungsstrategie“ 

Bis dahin belebt das Thema die heiße Phase des Bundestagswahlkampfs. Zu den heftigsten Kritikern der Jagdmethoden im Staatsforst gehört der CSU-Abgeordnete Georg Nüßlein, immerhin stellvertretender Vorsitzender der Unionsfraktion im Bundestag: Er spricht von „Ausrottungsstrategie“ und rät Revierpächtern von gemeinsamen Drückjagden mit dem Staatsforst ab, wenn dabei auch Rehwild geschossen wird. Bei der Gelegenheit nimmt Jäger Nüßlein auch gleich die neueste Idee aus bayerischen Försterkreisen aufs Korn: Die Forderung, die Schonzeit für Rehböcke aufzuheben, weil diese im Frühjahr den Bast vom Gehörn fegen und so den Bäumen schaden, findet der Abgeordnete „geradezu hanebüchen“.

Nebenbei: Nach ähnlichen Vorfällen im Nationalpark Müritz hat der dort zuständige SPD-Minister Till Backhaus den zuständigen Jagdleiter auf einen Schreibtischposten versetzt und den Freunden kostenloser Staatsjagden herbe Enttäuschung bereitet: Die Teilnehmerzahl ist nun auf 50 Schützen gedeckelt. Und auch darauf, dass die Regeln der Waidgerechtigkeit eingehalten werden, will der Minister persönlich achten.

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