Rituelle Auseinandersetzung mit dem Fleischkonsum

Die deutschen Landwirte werden immer stärker unter Druck gesetzt – politisch, wirtschaftlich und moralisch.

Fleischtheke

Zur drohenden Afrikanischen Schweinepest, mit der sicher zu rechnen ist und die unabsehbare Folgen erwarten lässt, kommt aktuell wieder die fast schon rituelle Auseinandersetzung mit dem Thema Fleischkonsum als größte Umweltsünde. Unter den tausenden von Familienbetrieben in der Schweinemast herrscht eine unvorstellbare Existenzangst.

Gerade jetzt wieder tauchen im Vorfeld der Koalitionsverhandlungen von Union und SPD Schlagzeilen auf wie „Ein XXL-Schnitzel ist pervers“ oder „Ungebremste Fleischlust“. Zur erprobten Allianz von Tierrechtlern und Umweltverbänden gesellt sich aktuell die grüne Böll-Stiftung mit ihrem Fleischatlas und der sehr gewagten zusammenfassenden Feststellung: Kein anderer Sektor trage so massiv zum Verlust der Artenvielfalt, der Rodung von Wäldern und der Zerstörung unseres Klimas, der Gefährdung unserer Gesundheitssysteme und zum Leid der Tiere bei wie die industrielle Fleischproduktion. Das muss erst mal belegt werden.

Es scheint unverändert kaum Wichtigeres zu geben als das Bemühen von dieser Seite, ständig den Deutschen ihre Ernährungsgewohnheiten madig zu machen. Wahr ist wohl, dass wir zu viel Fleisch essen und dass ein gnadenloser Preiswettbewerb ein qualitätsbewusstes Konsumverhalten schwer behindert. Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie bekommen für ihre Produkte nicht das Geld, das zur Umsetzung von Idealvorstellungen nötig wäre. Das gilt auch fürs Tierwohl – trotz aller Gesetze und Vorschriften, die im internationalen Vergleich hoch anzusiedeln sind.

Gerade Ernährungstrends zeigen, dass die vermeintlich reine Lehre ihre Tücken hat. Zum Beispiel, wenn die Mode-Frucht Avocado um den halben Globus transportiert wird und in den Erzeugerländern nennenswerte Mengen Regenwald verdrängt. Aber was juckt das den vermeintlich mündigen Verbraucher, wenn ihm weisgemacht wird, dass Avocado-Fett im Gegensatz zum Fett des deutschen Landschweins überhaupt nicht dick macht? 

Die Deutschen werden ihren Schweinebraten vermissen, wenn es der Tierrechtsszene gelungen ist, jene verschärfte Wildschweinbejagung zu verhindern, die unentbehrlich ist, wenn eine flächendeckende Ausbreitung der Schweinepest verhindert werden soll. Das Lieblingsfleisch der Nation wird zur Mangelware, wenn Hausschweine zu Abertausenden gekeult werden müssen.

So offenbart das Menetekel Schweinepest ein zunehmend gestörtes Verhältnis zur landwirtschaftlichen Produktion. Sie ist wohl unentbehrlich, aber zugleich beliebter Sündenbock einer zwiespältigen Gesellschaft, die Natur-Romantik mit Naturnähe verwechselt und dabei nur allzu gern das Natürliche verdrängt.

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