Schindluder mit den Stammwählern

Mit Verlaub ein Zwischenruf zu den neuen, kunterbunten Regierungskoalitionen in den Ländern: Wir Jäger sollten unsere Beißreflexe unter Kontrolle bringen. Es geht mittlerweile längst nicht mehr so sehr um die Frage, welche Partei welches Ressort besetzt. Sondern weit mehr darum, wie sehr das Erpressungspotenzial diverser Verbände die Politik beherrscht.

Schnee von gestern ist sogar die Überzeugung, dass die Anliegen von Bauern, Jägern und Fischern bei unionsgeführten Regierungen am besten aufgehoben seien. Ein Blick nach Hessen zeigt: Dort wackelt der grüne Schwanz mit dem schwarzen Hund. Und beide Partner der schwarz-grünen Koalition buhlen um den Beifall von Nabu, PETA & Co., als ginge es dabei um Volkes Mehrheitsmeinung.

Das Kernproblem ist wohl, dass das Erpressungspotenzial höchst ungleich ausgeübt wird: Jäger und Bauern veranstalten zwischendurch mal eine Demo, gelten aber sonst als recht verlässliche Stammwählerschaft der Konservativen. Ganz anders als die Tierschutz-Klientel und die Stadtmenschen, die ihre lebensfremden Vorstellungen vom Leben auf dem Lande meist als gnadenlose Wechselwähler auch an der Wahlurne durchsetzen wollen.

Wahlen werden in der Großstadt und nicht im ländlichen Raum entschieden

So kommt es, dass zunehmend Minderheitenpositionen die Realpolitik prägen – ziemlich egal, welche Partei den Regierungschef oder die Umwelt- und Landwirtschaftsminister stellt. Sogar in Bayern, wo die CSU allein regiert, erscheint die Macht eines Öko-Jägervereins in der Praxis ausgeprägter als der Einfluss eines vielfach größeren etablierten Verbandes. Seine Mitglieder, glaubt die Staatsregierung, hat man ohnehin im Sack.

Zur Wahrheit gehört zudem, dass die allermeisten Jägerinnen und Jäger das gesamte Öko-Spektrum von den Grünen bis zum Bund Naturschutz gern undifferenziert und pauschal angehen und dann ebenso wahl- wie wirkungslos draufschlagen. Wir haben es schlicht versäumt, den glaubwürdigen Eindruck zu erwecken, dass wir zum Wechselwählen fähig sind, wenn es um unsere Interessen geht. Wers nicht glauben will, soll Wahlkampfstrategen fragen, die quer durch die Parteien damit kalkulieren, dass Wahlen in der Großstadt entschieden werden und nicht im ländlichen Raum.

Vereinzeltes Umdenken gibt es nun in Baden-Württemberg, wo ein Ministerpräsident von den Grünen tief in die Stammwählerschaft der Schwarzen eingedrungen ist. Auch damit, dass die Novellierung (und vor allem auch der Vollzug) des Landesjagdgesetzes zumindest in Teilen die Kirche im Dorf gelassen hat. Von Landesregierungen mit CDU-Beteiligung sind Jäger teilweise sogar Schlimmeres gewöhnt. Und die Unionsparteien haben nur das Glück, dass die Grünen als Bundespartei wohl kaum fähig sein werden, dem baden-württembergischen Vorbild zu folgen.

Zum Thema gehört auch, dass es Beispiele für Bündnisse ohne Scheuklappen gibt: Etwa, wenn in Bayern Jäger und der klassische Tierschutz gemeinsam gegen die Schalenwildbekämpfung im Staatsforst opponieren. Oder der Landesjagdverband gemeinsame Artenschutzprojekte mit jenem Bund Naturschutz verfolgt, der auch den Fischern im Freistaat ein verlässlicher Partner ist.

Dass der bis hierhin beschriebene Konflikt mittlerweile auch in diesem bayerischen Bund Naturschutz für schwere Zerreißproben sorgt, haben viele Jägerinnen und Jäger wohl noch gar nicht bemerkt. Dabei geht es beim Konfliktthema Energiewende vor allem auch um die Zukunft der ländlichen Räume, die ausnahmsweise mal die Chance hätten, von „grünen“ Projekten wie der Windkraft zu profitieren. Notfalls auch gegen einen CSU-Ministerpräsidenten, der Windkraftanlagen die Existenz schwer macht und damit Leuten das Wort redet, die glauben, dass der Strom aus der Steckdose kommt – und auf dem Land ohnehin nur CSU gewählt wird.

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