Schon wieder ein unbequemer Professor

Einer der bekanntesten Natur-Wissenschaftler Skandinaviens hat mit Kritik an der modischen Artenschutz-Ideologie eine breite Debatte ausgelöst – auch um Wölfe und andere Raubtiere.

Schweden

Mats Nylinder, emeritierter Professor an der schwedischen Landwirtschaftsuniversität (SLU) und seit 1994 Mitglied der königlichen Akademie, hat in einem Intelligenz-Blatt eine provozierende Frage gestellt: „Wer hat die Wortführerschaft zur biologischen Vielfalt?“ Seine Antwort: Zunehmend bestimmen kleine Interessengruppen mit großem Einfluss auf die Politik den Gang der Dinge – zum Schaden der ländlichen Räume.

Dass solch eine Kampfansage lautstarken Protest auslöst, war dem Professor wohl schon beim Schreiben klar. Sein Aufsatz aus der angesehenen „Upsala Nya Tidning“ wurde quer durchs Königreich nachgedruckt. Und wir sind sicher: Bald landet die Debatte auch in Mitteleuropa. Mit provozierenden Fragen wie der, warum niemand aus der Tierschutz-Szene die Bekämpfung der explodierenden Graugans-Population fordert, obwohl diese nicht nur landwirtschaftliche Existenzen bedroht, sondern ohnehin schon gefährdete Arten verdrängt.

Nylinder vertritt die These, dass Wandel zur biologischen Vielfalt gehört. Auch durch menschlichen Einfluss. Was wir heute unter Artenvielfalt verstehen, sei das Ergebnis solchen Wandels. Der Versuch, ihn zu stoppen, sei typisch für die aktuelle Artenschutz-Debatte. Nicht aber die Frage, wie sehr die Natur, wie sie heute schützenswert erscheint, in Wahrheit durch Wandel entstanden ist.

Die nächste provozierende Frage betrifft das Lieblingsraubtier der Tierschutz-Szene, auch in Schweden: „Womöglich ist der Wolf eine Bedrohung der biologischen Vielfalt, weil er dazu beiträgt, dass Menschen die ländlichen Räume verlassen.“ Wie sehr auch die lange Abwesenheit von Wolf, Biber und Wildschwein in Schweden die Zusammensetzung der Arten prägte – und was die Rückkehr dieser Tiere für die biologische Vielfalt bedeutet – sei weitgehend unerforscht, stellt der Wissenschaftler fest.

„Sind sieben Unglückshäher wichtiger als ein Raubwürger?“

Mats Nylinder

Zudem beklagt Nylinder den Einfluss von Interessengruppen bis hinein in die offiziellen Statistiken. Die Gefahr, dass mitunter „Herzensanliegen“ in die Zahlen einfließen, sei realistisch. Völlig ungeklärt sei auch die tatsächliche Bedeutung der Arten für die Kulturlandschaft: „Sind sieben Unglückshäher wichtiger als ein Raubwürger?“, fragt der Professor und fährt fort: „Wer hat das Recht, eine Rangordnung zur Bedeutung der Arten für das Überleben der Menschen aufzustellen?“ Behörden und Staatsmacht, argwöhnt der Forstexperte, seien versucht, kurzfristig-populistischen Regeln zu folgen. Ob diese für künftige Generationen richtig sind, sei zweifelhaft. Die Umlaufszeit eines Waldbestandes entspreche immerhin 20 Wahlperioden.

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