Schüsse, die nach hinten losgehen

Das Grusel-Video einer Drückjagd im bayerischen Oberland wird zur ernsten Belastung für Jagd und Jäger. Nicht nur Wasser auf die Mühlen der Jagdgegner, sondern eine Schande für das Waidwerk, findet unser Blog-Autor.

Hochsitz

Dass das Internet eine Spielwiese für allerlei Grobheiten und Grausamkeiten abgibt, ist nicht neu. Aber dass ein Jäger mitmischt beim Wettbewerb der Geschmacklosigkeit, ist ein starkes Stück (wir berichteten). Kopfschüsse in Zeitlupe, unterlegt mit Popmusik von AC/DC. Schweiß und Hirn spritzen. Hirnlos handelte wohl auch der Mann, der den Film ins Netz stellte.

Klar, einem echten Jäger graust es vor nix, sagen wir gerne, wenn wir unter uns sind. Die „rote Arbeit“ ist nichts für zart besaitete Gemüter. Aber müssen sich Jäger damit brüsten? Wo doch die ganz große Mehrheit nicht um des Tötens willen zur Jagd geht und viele von uns ein Jägerleben lang mit Skrupeln kämpfen.

Auch wenn Jagdgegner es nicht glauben wollen: Das Töten, das Aufbrechen und Zerwirken sind unausweichlicher Teil der Jagd, machen aber ihre Faszination nicht aus. Aber so wie es Tierrechtler gibt, die nicht nur Jäger hassen, sondern irgendwie auch die Menschheit insgesamt, gibt es wohl auch Jagdscheininhaber, die nicht begriffen haben, dass Respekt vor dem Beutetier unverzichtbar dazu gehört.

Wer meint, dass Traditionen wie der „letzte Bissen“ und ein würdiges Streckelegen Schnee von gestern seien, kommt wohlverdient in Rechtfertigungsnot. Da hilft auch das modische Gerede nicht, dass die Jagd hauptsächlich dem Schutz der Wälder gelte – und nicht der natürlichsten Form des Nahrungserwerbs. Solche Schädlingsbekämpfer sind die Totengräber der Passion.

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Zum Thema gehört der Ruf nach Vollautomaten mit Mega-Magazinen ebenso wie das mitleidige Lächeln über Jäger, die im Zweifel lieber keine Doubletten schießen und auch mal Schneider bleiben, ohne deshalb über einen verlorenen Tag zu klagen. Die lieber über Wildbretzerstörung diskutieren als über die Rasanz irgendwelcher Highspeed-Kaliber.

Jagd ist eben kein Sportschießen auf lebende Ziele. Sie ist – im wahren Sinn verstanden – viel mehr geprägt durch Selbstbeschränkung. Der Waidgerechte nützt nicht alle Möglichkeiten moderner Technik, sondern akzeptiert die Verpflichtung, dem Wild eine faire Chance zu lassen. Auch wegen der Nachhaltigkeit, die unter gerechten Jägern eine lange Tradition hat.

Den Schuss, den du nicht abgegeben hast, musst du nie bereuen. Eine Weisheit, die wohl auch im akuten Fall gilt. „Jeder blamiert sich, so gut er kann“, passt womöglich auch, ist aber zu harmlos formuliert. Treffender ist die Feststellung, dass wir nicht über Peta & Co. klagen müssen, wenn wir solche Jagdfreunde dulden.

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