Tierrechtszank statt Erntedank

Regelmäßig kritisieren Tierrechtler Jagd und Jäger aufs Schärfste. Genau so regelmäßig wird aber auch deutlich, dass eine Debatte nicht ohne Faktenkenntnis funktionieren wird. Wie Streitlust und Unwissenheit eine Diskussion vergiften können, zeigt sich leider immer wieder aufs Neue.

Scherenleiter am Maisschlag

Foto: Bernd Strohbach

Als bekannte und streitbare Tierrechtlerin scheut Hilal Sezgin keine Auseinandersetzung. Sie sieht sich als Verfechterin absoluter Prinzipien, die Tiere und Menschen rechtlich gleichsetzen sollen. Monatlich kommentiert sie in ihrer Rubrik „Unter Tieren“ in der Frankfurter Rundschau Themen rund um die Landwirtschaft.

Bei der Lektüre verdeutlicht sich allerdings schnell die mangelnde (oder zumindest nicht ausformulierte) Sachkenntnis der Autorin. Für sie kollidieren zwei Welten: auf der einen Seite Landidylle „wie ein Gemälde von Monet oder van Gogh“, auf der anderen Seite knallhartes Wirtschaften der Bauern. Wohlfeil verschweigt sie, dass das eine ohne das andere nicht möglich ist.

Oft kann man ein solches Muster in derartigen Streitfragen beobachten. Die Idealisierung des Landlebens schreitet voran, und insbesondere die Tiere, seien es Nutz- oder Wildtiere, werden vermenschlicht. Wildschweine als „lebensfrohe Wesen, die voller Angst dem Tod entgegenblicken“, entlocken den wildschadensgeplagten Landwirten und Jägern nur ein müdes Lächeln. Es scheint vielen Kritikern schwerzufallen, die menschengemachte Kulturlandschaft als solche anzuerkennen. Dass unsere Umwelt seit Jahrtausenden vom Menschen maßgeblich geprägt wird und erst dadurch zu unserer Lebensgrundlage wurde, rückt kaum ins Bewusstsein.

Problematisch wird es immer dann, wenn aus eigenen Wahrnehmungen die vermeintliche Gesamtsituation konstruiert wird. So vermischt die Autorin unkommentiert die Arbeitsprozesse Ernte und Mahd, sie kritisiert, dass „kaum“ von innen nach außen gemäht werde. Gleichzeitig suggeriert ihr Text, dass auch bei der Mahd die Jäger („Männer mit Gewehren“) das Gebiet umstellen, um Wild zu erlegen („erschießen“). Das enorme Engagement der Jäger, um jährlich im Frühjahr tausendfach den Nachwuchs der Wildtiere aus ebenjenen Wiesenflächen zu retten, wird mit keiner Silbe erwähnt.

Konsens statt Polemik

Eben genau diese Symbiose aus Hege und Jagd wird vollständig negiert. Natürlich sind Wildtiere wunderschöne, sensible Geschöpfe. Natürlich ist die Jagd mit ihren doch vorhandenen Schrulligkeiten für Beobachter nicht immer sehr zugänglich. Und natürlich darf, ja muss man die Jagd auch kritisieren und über sie diskutieren. Nur so kann ein Konsens zwischen den Anforderungen der Gesellschaft und den berechtigten Interessen von Grundeigentümern geschaffen werden. 

Die Grundeigentümer von immerhin mehr als 80 Prozent unserer Landesfläche sind Land- und Forstwirte. Diese haben ein Anrecht auf die Nutzung ihrer Fläche. Schäden durch Wildtiere sind ihnen in einem gewissen Rahmen von den Jägern zu ersetzen. Hierbei geht es nicht um Peanuts, sondern schnell um fünfstellige Beträge pro Jahr und Revier. Zum größten Teil können Wildschäden nur durch eine durchdachte Bejagung verhindert werden. Dazu gehört auch die Erntejagd, die die Autorin als „unnötiges Gemetzel“ ansieht. Eigene Lösungsvorschläge bleibt sie allerdings schuldig. Vielmehr wirft sie wieder mit eigenen Beobachtungen und Vorurteilen um sich: „viele Tiere werden nur verletzt“, es wird „meist gar nicht nach dem angeschossenen Tier gesucht“. Auch hier kein Hinweis auf die in Deutschland bestehende Pflicht, verletzte Tiere zu suchen und zu erlösen. Und kein Hinweis darauf, dass dieses nur in den seltensten Fällen nicht erfolgt. 

Leider kommen immer mehr Debatten über Jagd, Natur sowie Land- und Forstwirtschaft nicht mehr ohne eine solch unnötige Polemik aus. Dabei beginnt nun für viele die schönste Zeit im Jahr. Das Laub fällt, die Sonne lacht. Für die Menschen auf dem Land ist es eine Zeit des Innehaltens und des Rückblicks auf die vergangene Saison. Dankbar für die Ernte eines weiteren Jahres.

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