TIERSCHUTZ ABSURD

Müssen 7.000 Nashörner in Südafrika zu Gulasch verarbeitet werden? Die sukzessive Abschaffung der Trophäenjagd und die bestehenden Handelsverbote befördern die WIlderei und setzen die Nashornzüchter unter finanziellen Druck.

Nashorn in der Savanne

Fotos: John Hume

7.000 Nashörner auf privaten Farmen in Südafrika können bald nicht mehr geschützt werden. Das angeblich dem Schutz der Dickhäuter dienende Handelsverbot verhindert, dass ihre Besitzer Einnahmen haben. Die jährlichen Kosten für den Schutz dieser gefährdeten Hornträger betragen im Jahr an die 20 Millionen Euro. Tendenz steigend. Wenn es nicht bald eine Lösung gibt, dann müssen die Farmer ihre Nashörner schlachten und zu Gulasch verarbeiten.

Ranger im Kampf gegen Wilderer

Schwer bewaffnete Ranger

Dabei müssten alle Naturschützer diese Züchter unterstützen, denn überall sonst in Afrika werden die Nashörner weiterhin gewildert. Ihr Horn wird in China zu Medizin verarbeitet, und die Neureichen in Shanghai und Peking rühren es als Modedroge in ihre Cocktails. Jeder soll sehen, dass sie sich das pulverisierte und völlig unwirksame Keratin für 100 Dollar pro Gramm leisten können. In zwei Dritteln aller Staaten in Afrika, in denen Nashörner einst vorkamen, sind sie schon verschwunden. Seit vier Jahrzehnten ist jeglicher internationaler Handel mit den Tieren und ihrem Horn verboten. Dies war völlig nutzlos. Das zeigen die Zahlen. Seit Januar sind in Südafrika schon wieder über 500 der meist gutmütigen Dickhäuter von Wilderern abgeschlachtet worden. Manchmal lebten die Tiere noch, wenn die Hörner brutal mit der Axt durch den Schädelknochen abgeschlagen oder mit Motorsägen abgesägt wurden. Im ganzen letzten Jahr waren es 1.000. Der südafrikanische Staat kann die Nashörner in seinen Nationalparks nicht ausreichend schützen.

Eine einzige Erfolgsstory sind hingegen die privaten Züchter, die auf ihren Farmen Nashörner halten. 320 Wildfarmer in Südafrika besitzen 7.000 Nashörner. Das sind mehr als alle anderen Staaten in Afrika überhaupt noch an Spitz- und Breitmaulsnashörnern ihr Eigen nennen. Die meisten davon hat der 76-jährige John Hume. 1.636 Tiere schützt er auf seinen Ländereien, die allermeisten davon selbst gezüchtet. 300 sind trächtige Kühe. Bald wird John 2.000 Nashörner haben. Nur 32 hat er in den letzten Jahren durch Wilderer verloren. Doch dafür hat er seit Jahren sein gesamtes Vermögen, insgesamt an die 90 Millionen Euro, ausgegeben. Über vier Millionen Euro kostet ihn jedes Jahr der Schutz seiner Tiere. Die Wilderergangs arbeiten mit Nachtsichtgeräten, Funk und Helikoptern, und deshalb müssen die Rhino-Rancher ständig weiter aufrüsten.

Nur noch die Kriminellen verdienen an den Nashörnern, nicht mehr die Rancher.

Bis 2009 konnte innerhalb von Südafrika noch mit Horn gehandelt werden. Das Washingtoner Artenschutzabkommen erlaubt dies, wenn die Tiere schon mehrere Generationen in Gefangenschaft gezüchtet wurden. Doch über 400 Tierschutzorganisationen setzen sich weltweit für den Totalschutz der Dickhäuter und ähnliche Zwecke ein. Auch der interne Handel in Südafrika wurde gebannt. Die vermeintlichen Tierschützer haben mehr als eine Milliarde Euro gesammelt und für massive Kampagnen eingesetzt, die Millionen wenig informierter, wenn auch meist gutwilliger Tierfreunde dazu bringen, gegen den Handel mit Horn oder gar den Abschuss von Nashörnern durch zahlende Jagdtouristen zu protestieren. Seit dem Moratorium von 2009 konnten die Nashornfarmer nur noch etwas Geld verdienen, wenn sie überalterte und nicht mehr zuchttaugliche Bullen zum Abschuss freigaben. Durch massiven Druck auf Nashornjäger und ihre Familien ist auch diese letzte Einnahmequelle zu einem Rinnsal versiegt. Nur noch die Kriminellen verdienen an den Nashörnern, nicht mehr die Rancher.

Nashornkalb

Junges Nashornkalb

Doch wer soll die Kosten tragen? Die Besitzer der Tiere sind jedenfalls am Ende. 80 von ihnen haben in den letzten Jahren schon aufgegeben. Statt Nashörner grasen wieder Kühe oder Antilopen auf ihren Weiden. Das ist billiger und bringt Einnahmen in die Kassen. John Humes Geld reicht noch bis zum August. Dann muss er entscheiden, wie es weiter geht. Schweren Herzens hat er schon seinem Sicherheitspersonal gekündigt. Ein Investor, der die Hälfte seiner Farm übernähme, wäre eine Lösung. Oder die Farm in Teile von 500 oder 1.000 Hektar mit jeweils ein paar Nashörnern drauf zerstückeln und dafür Kleinanleger finden. Hume denkt sogar an „Crowdfunding“ oder eine den Bitcoin ähnliche Kryptowährung, die er „Rhino Coin“ nennt. Die Tierschutzorganisationen werden ihm von den hunderten Millionen, die sie jedes Jahr angeblich für den Schutz von Nashörnern und Elefanten einnehmen, wohl nichts abgeben. Die Öffentlichkeit sollte sie fragen, was sie mit dem Geld angestellt haben. War es gerechtfertigt, dass die Finanzämter großzügig Steuerquittungen an die Spenden ausstellten?

Dabei wäre die Lösung für den Erhalt der Nashörner und ihre Besitzer so einfach. In Südostasien gibt es einen Bedarf an Horn, der heute ausschließlich von Wilderern und der organisierten Kriminalität bedient wird. Jedes Nashorn produziert im Jahr im Schnitt ein Kilo Horn. Die Hörner werden ohnehin alle paar Jahre als Vorsichtsmaßnahme schmerzlos über dem Knochen abgeschnitten. Ein bis zwei Tonnen könnte John Hume jedes Jahr auf den Markt werfen, ohne ein einziges seiner Tiere töten zu müssen.

„Das Handelsverbot ist ein totaler Misserfolg“, sagt der Biologe John Hanks, der viele Jahre das Afrikaprogramm des WWF geleitet hat: „Ein legaler Handel mit Rhino-Horn könnte hingegen ein Anreiz sein, die Tiere zu schützen, und ein substantielles Einkommen für Leute wie John Hume zu schaffen. Sie brauchen ganz dringend finanzielle Unterstützung.“ Doch der politische Einfluss der Tierschutzorganisationen mit ihren Kampagnen für Totalschutz und Handelsverbote ist zu stark. Bald könnte es 7.000 Nashörner weniger geben. Tierschutz absurd.

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