Tote Bracke: Nun hetzt auch Ethia mit

Deutschlands Hundeführer sind nach dem Wolfstod eines Jagdhunds in Sorge – aber nicht in Panik. Dafür drehen manche Tierrechtler durch – voran die Ethia-Partei, die dabei sogar einen toten Wolf erfunden hat. 

Dieter Hopf - Zähnefletschend

Foto: Dieter Hopf

Ethia-Parteichefin Bettina Jung hat den Hundeführer angezeigt, weil er seine Bracke frei suchen ließ und so daran schuld sei, dass der Wolf den Hund tötete und deshalb selbst erschossen wurde. Peinlich daran: Der Wolfsrüde, der die Bracke riss, erfreut sich nach wie vor bester Gesundheit (wir berichteten).

Dafür hat Frau Jung ihre Strafanzeige gleich noch erweitert – gegen die Bundesforsten und das Kontaktbüro „Wölfe in Sachsen“. Grund: Von dort gibt es eine gemeinsame Presseerklärung, dass der getötete Hund nicht zur Jagd eingesetzt wurde. Das, glaubt die Mini-Parteichefin, sei gelogen. 

Zukunft der Stöberjagd

Nachdem Outfox-World durch Rücksprache mit direkt Beteiligten den Hergang von Beginn an korrekt darstellte, widmen wir uns nun lieber der Realität und haben den Chef des Deutschen Bracken-Clubs gefragt, ob die Jagd mit dem frei suchenden Hund in Wolfsgebieten noch eine Zukunft hat.

Wichtigste Antwort: Der Club-Präsident warnt vor Überreaktionen. Noch sei der Einsatz weit suchender Hunde in weiten Teilen Deutschlands möglich. Für das, was er und seine Clubfreunde nach dem Zwischenfall auf dem Truppenübungsplatz in der Lausitz an Verdächtigungen und Schuldzuweisungen aushalten müssen, reagiert Johannes Lang ausgesprochen besonnen: „Wir müssen unsere Hunde jetzt nicht einsperren.“

„Beim Einsatz unserer Hunde bleibt immer ein gewisses Risiko“, glaubt der erfahrene Rüdemann. „Vor allem durch immer wehrhaftere Sauen, durch den Straßenverkehr – und leider auch durch manche Schützen.“ Der Verband habe nicht ohne Grund eine Gruppenversicherung für seine Mitglieder und ihre Hunde abgeschlossen.

Eindeutig ein Wolfsriss

Auf einem anderen Blatt stehen die anhaltenden Spekulationen und Schuldzuweisungen gegen den direkt betroffenen Hundeführer. Endgültig entkräftet dürfte aber zumindest die These sein, dass es sich um keinen Wolfsriss handelte. Oder sogar die Verletzungen des getöteten Tieres manipuliert wurden.

In einer gemeinsamen Presseerklärung der Bundesforstverwaltung und des Kontaktbüros „Wölfe in Sachsen“ heißt es: „Der Hund war etwa 1500 Meter vom Hundeführer entfernt durch den territorialen Wolfsrüden des Daubitzer Rudels getötet worden, wie anschließende genetische Untersuchungen ergaben.“

Der Hund, heißt in der Erklärung weiter, „war nicht im jagdlichen Einsatz“. Und: „Anders als der in verschiedenen Medienberichten vermittelte Eindruck, wurde der Stöberhund nicht im Rahmen einer Gemeinschaftsjagd durch einen Wolf getötet.“ Das entspricht der Darstellung direkt Beteiligter im Gespräch mit Outfox-World.

Auseinander gehen die Berichte nach wie vor zur Frage, ob der Hund ausbüxte oder vom Hundeführer auf einer Rotwild-Fährte trainiert wurde. Forst und Wolfsbüro erklären: „Der Hundeführer, der den Hund während der Abwesenheit des Besitzers in Pflege hatte, ließ diesen frei laufen … Dabei entfernte sich die Bracke, beunruhigte Wild über einen Zeitraum von circa einer Stunde, und kam nicht wieder zurück.“

Dass der Hund nicht zurückkehrte, ist logisch: Er war schließlich tot. Nach Darstellung des Hundeführers, aus dessen Zwinger das Tier stammt, war der Hund unter Kontrolle, bis er vor dem Wolf flüchtete. Dies zeigt auch der Ausdruck der GPS-Daten vom Sender-Halsband.

Aus verschiedenen Quellen wird zudem deutlich: Auf dem Truppenübungsplatz gab es im vergangenen Herbst und Winter mehrere Bewegungsjagden mit frei suchenden Hunden. Und es gibt Schilderungen, dass bereits auf diesen Jagden Hunde den Wolf spürten und Schutz bei Jägern suchten. Verbandspräsident Lang will solche Spekulationen nicht kommentieren. 

Besondere Vorsicht in  Wolfsgebieten

Das Risiko, sagt Lang, müsse der Hundeführer im Einzelfall einschätzen. Das gilt wohl auch für die Abwägung, auf Bewegungsjagden in Wolfsregionen ganz zu verzichten – mit allen Folgen für die Schalenwildbewirtschaftung und den Verbiss. Bisher herrscht hierzulande die Hoffnung vor, dass Wölfe größere Jagdgesellschaften meiden und spätestens eine halbe Stunde nach dem Anstellen das Weite gesucht haben.

Immerhin empfehlen Forst und Wolfsbüro: „Generell sollten Hunde im Wolfsgebiet angeleint bzw. nahe bei ihrem Besitzer geführt werden. Es kann vorkommen, dass Wölfe sich für diese Artgenossen interessieren, die aus Wolfssicht ‚dreist‘ in ihrem Territorium markieren.“ Dies gelte insbesondere in der Paarungszeit der Wölfe.

Auch wenn Vergleiche mit Schweden die Pro-Wolf-Gemeinde nerven: Die Landesverwaltung der schwedischen Provinz Värmland hat eben die „Entnahme“ eines ganzen Wolfsrudels angeordnet, nachdem die Tiere vier Jagdhunde gerissen und drei weitere angegriffen haben. Die Behörde folgte der Antragsbegründung der betroffenen Jäger und Waldbesitzer: Eine ordnungsgemäße Wildbewirtschaftung werde „unmöglich“, wenn die örtliche Wolfspopulation Hunde in ihr Nahrungsspektrum aufgenommen hat. Nun versuchen die Hundeführer, den Hunden den zuvor antrainierten Sichtlaut abzugewöhnen, weil dieser Ton offenbar die Raubtiere anlockt.

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