Trophäenjagd: Unerwartete Schützenhilfe von YouTubern

Die Online-Komiker von CollegeHumor räumen mit westlichen Vorurteilen gegenüber der Trophäenjagd auf. Ein erfrischendes wie lehrreiches Video!

Namibia

Foto: teetasse

Es erscheint fast unmöglich, unvoreingenommene Informationen über ein so emotional diskutiertes Thema wie die Trophäenjagd zu bekommen. Wie auch, wenn Tierrechtler diese als „blutiges Vergnügen der Hobbjäger“ anprangern? Wenn uns Nashörner, Löwen und Elefanten seit unserer Kindheit vor allem als Zeichentrickfiguren oder aus dem Zoo bekannt sind? Wenn Jäger regelmäßig in sozialen Medien den blanken Hass des Internet-Mobs zu spüren bekommen? Insbesondere seit dem Tod des Löwen Cecil sind Trophäen- und Großwildjagd gesellschaftlich verpönt (wir berichteten).

Jäger, die in heimischen Gefilden Wildtiere abknallen, sind schon schlimm genug – Trophäenjäger hingegen sind das personifizierte Böse, so der öffentlich-mediale Konsens. Besonders gern werden ihnen Geisteskrankheit oder Potenzprobleme unterstellt. Wer selbst Trophäenjäger ist oder schon einmal im Ausland gejagt hat, hält sich verständlicherweise lieber bedeckt. Auf der anderen Seite gehört es fast schon zum guten Ton, gegen solch eine Barbarei lautstark zu protestieren, wie es namhafte Tierrechtler vormachen.

So auch eine der Protagonistinnen in einem Video der Comedy-Seite CollegeHumor. Die junge Frau ist so sehr davon überzeugt, dass sie gar einen Slogan-Jutebeutel mit sich herumträgt: „I’m horn-y for banning hunting“. Trophäenjagd ist die blutige Freizeitbeschäftigung von reichen, weißen Männern mit Potenzproblemen, richtig? Naja, ganz so einfach ist es leider nicht. Dass ein nachhaltiger Jagdtourismus vor allem in afrikanischen Ländern ein wirksames Instrument für den Artenschutz sein kann, weiß mittlerweile sogar der WWF (wir berichteten). Bei der CITES-Konferenz im vergangenen Jahr wurde die Bedeutung der Jagd für den Artenschutz ebenfalls unterstrichen (wir berichteten). Und auch die meist arme ländliche Bevölkerung kann von jagenden Touristen durchaus profitieren. Für alle Zweifler, Jutebeutel-Träger und Balkon-Biologen hat die Comedy-Internetseite CollegeHumor dieses Video veröffentlicht, das auf erfrischende Weise erklärt, warum die reale Gefahr für bedrohte Tierarten nicht die Trophäenjagd ist.

Der Komiker Adam Conover, der für CollegeHumor vor allem unbequeme Wahrheiten entlarvt, wirft im Video einen kritischen Blick auf die Hintergründe des Artenschutzes in Afrika. Dabei kriegen natürlich auch die reichen, weißen Typen ihr Fett weg, die es sich finanziell leisten können, auf einer Jagdreise einen Elefanten oder einen Löwen zu erlegen – aber auf eine augenzwinkernde Art und Weise, die von den üblichen Lynchaufrufen weit entfernt ist. Die erstaunliche Leistung von Conover besteht jedoch darin, dass er die durchaus komplizierten Verflechtungen von Wilderei, Landwirtschaft, Großwildjagd und den Bedürfnissen der afrikanischen Einwohner humorvoll und lehrreich herunterbricht.

Als gute Beispiele für eine gelungene Nutzung von Jagdtourismus werden im Video Namibia und Südafrika genannt. Dort geht ein Teil der Einnahmen direkt an heimische Grundbesitzer, damit sie Wildtieren Lebensraum schaffen und sie vor Wilderern schützen können. Seit es diese Regelung gibt, hat sich etwa die Nashornpopulation in Südafrika erholt. Um die Vorteile der Trophäenjagd zu belegen, leiht IUCN-Expertin Rosie Cooney einer Zeichentrickfigur im Film ihre Stimme. Sie erklärt: Gut organisierte Programme, wie sie beispielsweise in Namibia existieren, können dem Artenschutz einen großen Dienst erweisen.

Auf den Protest der Jutebeutel-Trägerin erwidert Cooney: „Viele Länder sind auf die Gelder aus dem Jagdtourismus angewiesen, um Tiere zu schützen, um die Wildhüter zu bezahlen, um die Fahrzeuge zu kaufen. Was passiert, wenn diese Geldquelle versiegt?“ Sie legt den Finger direkt in die Wunde der wohlmeinenden Tierschützer. „Es ist sehr einfach für uns in der entwickelten Welt, darüber zu urteilen, wie andere Länder mit ihren Wildtieren umgehen. Aber sollte es unsere Entscheidung sein – oder sollte es lieber den Menschen überlassen bleiben, die dort jeden Tag mit diesen Tieren leben?“ Schließlich erklärt sie: Sollte Trophäenjagd von heute auf morgen verboten werden, so würden viele Länder die wichtigste Geldquelle für den Artenschutz verlieren. Letztendlich ist es besser, wenn nur einzelne Tiere kontrolliert gejagt werden, als wenn ganze Arten durch Wilderei und Lebensraumrückgang ausgerottet werden. 

Das Video verdeutlicht, dass die gute Seite der Trophäenjagd für viele Menschen verständlicherweise eine schwer verdauliche Tatsache ist. Daher ist es auch so erstaunlich, dass sich gerade eine beliebte Website wie CollegeHumor dieses Themas angenommen und daraus ein Video gemacht hat, das die Zielgruppe nicht nur zum Lachen bringt, sondern vielleicht sogar dazu animiert, die Slogans auf Jutebeuteln und die Parolen von Tierrechtlern kritischer zu hinterfragen. Bei über drei Millionen Klicks besteht dazu immerhin eine berechtigte Hoffnung.

Das komplette Video können Sie sich hier ansehen:

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