Von Tierrechten und Lebenslügen

Kompromisslosen Tierrechte-Fanatikern bricht die Unterstützung aus der Politik weg. Kein Wunder: Mit echtem Tier- und Artenschutz haben viele Forderungen aus der Szene nichts mehr zu tun.

Waschbär im Baum

Foto: Symbolbild

Die Entwicklung war abzusehen: Es war wohl nur eine Frage der Zeit und der Wahlergebnisse, bis der Bruch offenkundig wurde. Realpolitik kann es den Leuten nicht recht machen, die das so genannte Tierwohl höher ansiedeln als das Wohlergehen der Menschen. Zumal mittlerweile offenkundig wird, dass so manche Forderung mit Realitätsverlust einher geht.

Das beginnt beim Bemühen um eine Forstwirtschaft, die dem drohenden Klimawandel gerecht wird und sich zugleich auch finanziell rechnet. Und das endet – ganz aktuell – mit der Vorsorge gegen die Schweinepest. Hier wie dort müssen Wildtiere in Massen sterben, um Staatsziele wie das Gedeihen des Waldes und die größtmögliche Sicherheit vor Seuchen durchzusetzen.

Aber statt zu begreifen, dass vor allem die Jäger die krasse Reduzierung unserer Schalenwildbestände durchaus kritisch sehen, flüchtet sich ein Teil der Tierrechte-Fans in einen nur schwer erträglichen Hass gegen Jagd und Jäger. Und in die trügerische Hoffnung, dass das Tierwohl in staatlicher Regie und bei Forstbediensteten besser aufgehoben wäre als bei der privaten Jägerschaft.

Wahr ist, dass Jäger im eigenen Interesse einen arten- und zahlreichen Bestand an Wildtieren wünschen. So wie Bauern davon leben, dass es ihrem Vieh gut geht, ist Jagd auf möglichst intakte Natur angewiesen. Und auch dazu da, den Naturhaushalt in einer Kulturlandschaft intakt zu halten, so gut es eben geht.

Dagegen steht die Illusion, dass die Natur die Dinge ganz von selber regelt. Was nur dann stimmt, wenn der Mensch auch auf jene Dinge verzichtet, die eine große Menschenmehrheit als Errungenschaften schätzt. Von der in unseren Breiten sicheren Versorgung mit Nahrung bis zur Vorsorge gegen Naturgewalten. 

Aus der reichlich kompromisslosen Sicht der Naturrechtsgemeinde wäre zum Ende gedacht sogar ein Gesundheitswesen zu hinterfragen, das die Lebenserwartung über die vergangenen Jahrhunderte verdoppelt hat. Spätestens an diesem Punkt wird eine Ideologie fragwürdig, die den Nutzen menschgemachter Kultur im Kern bezweifelt und im Hauruckverfahren alle Räder zurück drehen will.

Gerade das emotionsbeladene Thema der heimgekehrten Wölfe zeigt die Grenzen: In Skandinavien haben die Raubtiere weder explosionsartige Vermehrung des dort noch zur vergangenen Jahrhundertwende nahezu ausgestorbenen Schwarzwilds verhindert noch einen nennenswerten Rückgang der Verbissschäden im Forst bewirkt. Dafür geben reichlich Weidetierhalter auf – auch zum Vorteil der so verpönten Massentierhaltung.

Die Illusion, dass sich das „Zurück zur naturbelassenen Umwelt“ binnen einer Generation bewerkstelligen ließe, offenbart sich auch im weitgehend hilflosen Bemühen um Luftreinhaltung: Die Deutschen haben für Milliardenbeträge neue, „sauberere“ Autos und teure Brennwert-Heizungsanlagen angeschafft und sie zahlen horrende Strompreise – und doch ist klar, dass die Klimaziele der Regierung bei Weitem nicht einzuhalten sind.

In Wahrheit schafft auch die vermeintliche Energiewende reichlich neue, ebenfalls menschgemachte Probleme. Zum Beispiel die ausufernde Schwarzwild-Population durch Energiepflanzenanbau. Als Sündenböcke sollen die Bauern herhalten, denen oft allein der Mais das wirtschaftliche Überleben sichert. Und die Jäger, denen Politik jeglicher Färbung nun den Verzicht auf jagdlichen Anstand zumuten will, um den Schweinen Herr zu werden.

Spannend sind daran die Beißreflexe, mit denen ein allenfalls mäßig informiertes Publikum die Schuld für alle Übel bei den Jägern ortet. Ob Sau, ob Wolf: Die Vulgär-Ökologen wollen so vertuschen, dass es die Folgen ihrer Allmacht-Fantasien das Problem sind – und nicht die Jagd. Entlarvend ist daran, dass die politische Tierliebe vor allem dann ins Hintertreffen gerät, wenn das naturferne Großstadt-Wählervolk die Folgen nicht erträgt.

Zugleich wird in einschlägigen Kreisen allen Artenschutzabkommen zum Hohn darum gerungen, selbst Mischlingswölfe am Leben zu lassen – auch das ohne Rücksicht auf die Rest-Natur, die Waschbär & Co. zum Schaden heimischer Arten verändern. Aber in Wahrheit ist es solcher Ungeist, der eine Ökologie bedroht, die Heimat für Menschen und Wildtiere sein kann – auch durch eine Jagd, der das Wohlergehen ihrer Beute am Herzen liegen muss. Gerade dann, wenn sie der Zeitgeist zur Bekämpfung seiner Irrtümer missbrauchen will.

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